Das letzte Buch von Liv Strömquist fand ich nicht so toll, aber “Sie ist zurück!”, wie meine liebste Buchhändlerin Daniela mir prophezeite. Recht hatte sie. Nach Sternzeichen, einfach auch so gar nicht mein Thema, geht es hier um Selbstoptimierung. Strömquist stellt verschiedene Menschen vor, die im Laufe der Geschichte Selbstoptimierungs-Influencer*innen waren und macht an ihnen beispielhaft durchgehend folgenden Punkt: Weil es so schwierig ist, das große Gruselige (aka das Leben) zu akzeptieren, denken wir Menschen uns immer neue und immer mehr kleine Dinge aus, damit wir was zu kontrollieren haben. Und wenn wir versagen aka unglücklich, dick, krank oder tot sind, ist das nicht einfach so (aka das Leben), sondern unsere persönliche Schuld. Gnadenlos kritisch ist sie dabei, sehr lustig, und alle wissenschaftlichen Argumente von Soziolog*innen, Philosoph*innen etc. sind durch die Comicform einfach gut zu verstehen.
Am anstrengendsten und gleichzeitig am besten fand ich, dass ich mich zwischen den Stühlen befand. Ich habe Strömquists Punkte nachvollziehen können und auch ich möchte der Selbstoptimierung drohen: ÜBERTREIB NICHT DEINE ROLLE! Auf der anderen Seite habe ich aber auch ziemlich Angst vor Krankheit und Sterben, mache deshalb Kraftsport und Salate, bin in Therapie und einfach auch ziemlich gern glücklich. Beim Lesen wollte ich so gern Liv Strömquist, die kluge, arschcoole Autorin sein und nicht die Leute, über die sie schreibt. Meine Aufgabe beim Lesen war, mir gedanklich meinen eigenen Stuhl suchen, und das ist mühsamer als beim Lesen die ganze Zeit zu nicken, aber grundsätzlich eine gute Sache.
Das Orakel spricht von Liv Strömquist. Übersetzt von Katharina Erben. Erschienen im avant-verlag. 25 Euro

