Gelesen: Als die Welt uns gehörte

“Mama, ich weiß gar nicht, wie es ist, im Krieg zu leben.” Diesen Satz meiner Tochter fand ich erstmal sehr gut, weil er sagt, dass wir hier gerade Frieden haben. Aber das war nicht immer so und ist sowieso nicht überall so. Deshalb habe ich ihr dieses Buch besorgt – und erstmal selbst gelesen. Weil der Tobak wichtig ist, aber auch ganz schön hart.

Es geht um Elsa, Leo und Max, die Anfang der 1930er in Wien Leos neunten Geburtstag feiern. Mit Leos Vater fahren sie das Riesenrad auf dem Prater, und der macht ein Foto von diesem Glücksmoment der drei Kinder. Ab diesem für das Buch zentralen Moment geht es nur noch runter. Zumindest für zwei der drei Kinder, denn sie sind jüdisch. Immer aus der Perspektive der Kinder erfahren wir, was passiert, hier die Kurzfassung:

Leos Vater wird ins Konzentrationslager deportiert. Leo und seine Mutter schaffen es, nach England zu fliehen. Das Foto hat er immer bei sich.

Elsa flüchtet mit ihrer Familie nach Prag, bis sie dort erst enteignet und dann nach Auschwitz deportiert wird. Sie näht das Foto in ihre Kleidung, weil sie für diesen unerlaubten Besitz getötet werden könnte.

In Auschwitz befindet sich auch Max, allerdings auf der Seite der Täter. Sein Vater ist ein hohes Nazi-Tier und nimmt seinen ideologisch umgedrehten Sohn mit zur “Arbeit”, wo er seinen ersten Juden erschießen soll. Max hat das Foto vor den Augen seines Vaters verbrannt, zusammen mit den Briefen, die Leo ihm geschrieben hat (ungelesen).

Jedes Jahr von 1936 bis 1944 wird aus Sicht der Kinder erzählt. Die politische Lage, die sich immer noch steigernden Abscheulichkeiten der Nazis, der Umgang der drei Familien damit, es ist alles kaum auszuhalten. Aber auch wenn dies ein Roman ist, wissen wir, dass es so und so ähnlich passiert und Teil unserer Geschichte ist, der sich nicht wiederholen darf. Bei aller Grausamkeit: Nicht lesen und nicht reden ist keine Option. Also bitte lesen und reden.

Als die Welt uns gehörte von Liz Kessler. Erschienen bei Fischer Sauerländer. 10 €

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