Dafür, dass die Buchtipps dieses Mal ein bisschen leichter sein sollten, sind sie es nicht. Dieses Buch hier am wenigsten. Wie später ihre Kinder findet in einer fiktiven Kleinstadt Frankreichs statt und erzählt von denen, die sich ihr Leben lang abrackern, ohne vom klebrigen Fleck zu kommen, der nach Alkohol, Gewalt, Arbeits- und Sprachlosigkeit riecht. In vier Episoden von 1992 bis 1998 geht es hauptsächlich um Anthony und Hacine. Anthonys Vater ist gewalttätiger Trinker und seine Mutter hält mit stoischer Stärke die Fahne hoch. Hacines Mutter ist in Marokko und sein Vater schuftet in Heillange, ohne jemals akzeptiert zu sein. Aber auch allen anderen in Heillange geht es scheiße, weshalb am Stadteingang auch ein Schild stehen könnte, das der Autor für uns hochhält: Willkommen im Schwitzkasten der Hoffnungslosigkeit. Mathieu legt uns diese Stimmung völlig unkommentiert zum Lesen hin, Soziologie als Pageturner sozusagen. Es ist schrecklich beklemmend, traurig, wütend und unglaublich gut erzählt. Jeder Zwei-Jahres-Sprung endet mit einem besonderen Ereignis (Party, Beerdigung, Festivitäten zum 14. Juli und Fußball-WM 98), in dem elektrisierender Trubel und immer auch ein bisschen Hoffnung steckt. Dass die Hoffnung aber zeitnah zeigt, wohin wir sie uns stecken können, sollte spätestens jetzt klar sein, und ich empfehle dieses Buch nicht trotzdem, sondern deshalb.
Wie später ihre Kinder von Nicholas Mathieu. Übersetzt von Lena Müller und André Hansen. Erschienen bei Hanser Berlin. 14 Euro

