gelesen: weird girls

Dieses Buch im Kompletto-Leo-Look sieht aus, als wäre es für Leute, die eine dekorative Extraeinladung zum Lesen brauchen. Dabei geht es weder um Leoparden themselves, noch um Punkrock oder freche Yoga-Leggings.

Es geht um drei Freundinnen, die mal zu viert waren. Die vierte hat mit einer Scheissaktion für ein Zerwürfnis gesorgt und ist dann gestorben, bevor sich die drei hätten wieder annähern können.

Die Handlung beginnt ein Jahr nach dem Tod. Maggie, Harley und Róise sind um die Dreißig, waren in ihren Zwanzigern wilde Feierbiester (vielleicht deshalb der Leo-Print), merken, dass das alles gar nicht mehr so lustig ist mit dem vielen Koks und dem Alkohol und den sexuellen Eskapaden, hören aber trotzdem nicht damit auf. Passend dazu ist das Haus, in dem sie wohnen, anscheinend ebenfalls erschöpft vom Leben und geht immer kaputter.

Wir Lesenden stecken also mit den drei Freundinnen in diesem Zwischenstadium. Sie haben ihr Studium beendet, aber noch keine richtigen Jobs. Sie daten, aber alles stets unverbindlich (mal von ihnen, mal von den anderen aus), sie wollen gesünder leben, aber dann finden sie auf dem Weg zur den Laufschuhen doch ein Tütchen Koks. Sie wollen nicht mehr so richtig, aber können irgendwie auch nicht anders. Dieses typische „Eigentlich müssten wir erwachsen werden“ in diesem Alter wird in Weird Girls gut beschrieben, ich konnte das Verkatertsein ebenso fühlen wie die schwindende Faszination von wilden Leben, den verwirrenden Wunsch nach einem Ankommen, obwohl die Angekommenen doch irgendwie alle kacke sind und Leo-Leggings zum Yoga tragen.

Ebenso widersprüchlich gehen die drei Frauen mit der Trauer um ihre beste Freundin um. Sie fühlen sie, wollen aber meistens doch nicht, versuchen mit roten Augen über jedes Gefühl hinwegzufeiern, aber dann kommt es klaro in einem unpassenden Moment oder einem unpassenden Verhalten um die Ecke. Wie sie mit sich selbst und mit ihrer Freundschaft umgehen, darum geht’s. Dazu hat das Buch dann auch ein passendes Ende, das an dieser Stelle aber natürlich nichts verloren hat.

Also: Ich mochte das Buch gern lesen, darüber hinaus hatte ich Spaß, beim Googeln der korrekten Aussprache irischer Namen und habe vor allem wieder mal meinen übergroßen Wunsch gespürt, dass alle Frauen bittebitte sehr lieb zu sich sind.

Weird Girls von Gráinne O’Hare. Übersetzt von Anna-Nina Kroll. Erschienen bei Kiepenheuer und Witsch. 22 €.

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