Gehört: Was nicht gesagt werden kann

Die Überschrift ist das einzige, was an dieser Rezension ein bisschen lustig ist. Und ich merke beim Schreiben, dass ich mich eigentlich genauso knapp äußern möchte wie Istvan, die Hauptfigur. Der spricht nämlich fast nur ein- oder zweisilbig, sagt sowas wie „Okay“ oder „Klar“, während er wie ein Flipperball durch sein Leben rollt.

Ich hatte kein einziges Mal das Gefühl, dass Istvan eine eigene Entscheidung trifft, er geht einfach bei allem mit, und das ist, da sich das Buch über Jahrzehnte erstreckt, eine Menge: Für ihn gehts von der ungarischen Plattenbausiedlung über den Irak nach London. Es beginn mit einer sehr sexuellen Affäre mit einer älteren Nachbarin, es folgt einem traumatischen Erlebnis als Soldat, und in London arbeitet er als Türsteher, rettet ein Leben und ist erst eher arm und dann abartig reich.

Im Laufe der Geschichte passiert so viel, und obwohl sie sich wie gesagt eigentlich nur durchs Leben flipperballt, gibt David Szalay seiner Hauptfigur viel Tiefe. Ich mochte Istvan die ganze Zeit und dachte häufig: Ach, Istvan, du bist doch ein Guter, jetzt hör doch mal auf, nur zu reagieren, jetzt mach doch mal. Mehrfach habe ich mir mit der flachen Hand auf die Stirn geschlagen, weil er durch seine „Okays“ immer wieder in, äh, ungünstigen Situationen landet. Istvan erlebt sein Leben und wir sind dabei. Und das hat mich gequält, aber gut unterhalten und mich viel lange und bis jetzt immer wieder darüber nachdenken lassen, wie schnell ein Leben gelebt ist.

Was nicht gesagt werden kann von David Szalay. Hörbuch gehört über Bookbeat. Das Buch gibt es zum Beispiel hier und kostet kartoniert 15,00 €.

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