Gemma Correll kann supergut menschliche Zustände in lustigen Illustrationen zusammenfassen. Auf Instagram macht sie das zum Glück schon lange, aber noch mehr zum Glück hat sie jetzt auch ein Buch gemacht: In ihren Mental Health-Memoiren fasst sie ihre eigenen menschlichen Zustände in lustigen Illustrationen zusammen UND, was dieses Buch so besonders toll macht, sie erzählt ihre eigene Geschichte mit Depressionen und Ängsten.
Bücher dieser Art sagen ja schnell mal „Hey, es ging mir soooooooo schlecht, aber jetzt kann ich glücklich durch mein Leben gehen, nein SCHLENDERN, und alles ist so toll, dass ich mich zwingen muss, nicht andauernd zu hüpfen“ oder „Ich habe diesdasjenes gemacht, das hilft auf jeden Fall, mach das jetzt SOFORT auch“. Beides finde ich nicht besonders hilfreich. Gemma Correll erzählt ihre Geschichte weder als dauergrinsende Anxiety-Survivorin noch als Inhaberin des einzig wahren Geheimrezepts. Sie erzählt einfach nur ihre Geschichte. Wie sie ihre ersten Panikattacken hatte, ihr Umgang damit, die Scham, die Ratlosigkeit, ihre nicht so gute Idee, viel Alkohol zu trinken, und zwischendurch fasst sie immer wieder ihren persönlichen menschlichen Zustand in einer lustigen allgemeingültigen Illustration zusammen.

Anxietyland bietet weder Hilfe noch Heilversprechen. Es zeigt und erzählt, wie es ist mit psychischen Erkrankungen und nimmt sie, wenn es geht, mit Humor. Ansonsten nimmt das Buch einfach in den Arm und sagt dabei in Gedanken: „Ich versteh dich, das ist einfach kacke, aber du bist nicht allein damit.“
Und wenn Ihr Euch fragt, wo Anxietyland überhaupt liegt: auf meinem Nachttisch. Dort zeigt es beruhigende Präsenz wie ein verständnisvolles Nicken, eine Umarmung, die keine Worte braucht und zum Glück so viele hat.
Anxietyland von Gemma Correll. 24,70€ bei Hugendubel z.B.
