Drei Reisen: Wien.

In den Herbstferien 2017 sind wir im Viererpack als Trilogie gereist. Im ersten Teil ging es nach Wien, wo ich an zwei Abenden aus meinem neuen Buch gelesen habe. Aber fangen wir doch vorn an. Da sind wir ins Auto gestiegen, in unseren Mercedes 190 und so weiter, ein relativ altes Auto, dem wir (also ich) die Reise eigentlich nicht zutrauten. Deshalb fuhren wir auch nur bis Hamburg-Altona und stellten es dort auf dem Autoreisezug nach Wien ab. Wir verbrachten die Nacht mehr oder weniger schlafend in einem Familienliegewagen.

Tag 1: Gut ankommen

Die Füsse des Großen sind genauso schnell eingeschlafen wir er. Zweiter Schlafplatz: Die Kleine. Der Mann und ich haben von Hamburg nach Wien schätzungsweise 12,4% des Internets durchgelesen.

In Wien angekommen, haben wir erstmal unsere Wohnung bezogen. Die hatte mir die wunderbare Ruth empfohlen, die mir auch die zwei Lesetermine organisiert hat, einfach so. Ich grüble vermutlich noch viele Jahre, bis ich weiss, wie ich ihr ausreichend danken kann. Und auch die Gastgeberin der Wohnung war supernett und hilfsbereit. Die Wohnung lag in Ottakring, von wo aus wir alles mit öffentlichen Verkehrsmitteln super erreichen konnten (ich vermute aber stark, dass es tatsächlich überall in Wien so ist). Weil wir morgens ankamen, hatten wir nach Mittagessen und Spielplatz noch Zeit für ein bisschen Sightseeing und sind mit der Vienna Ring Tram einmal um unfassbar viele, schöne und spannende Attraktionen herumgefahren.

Die Attraktionen in der touristischen Bim: Sohn (gute Laune vergessen) Mutter (Haare Färben vergessen), Mann (im Sightseeing-Himmel wegen historischer Informationen). Tochter (vergessen, mit aufs Foto zu bekommen).

Abends fand meine erste Lesung statt. Im Habibi & Hawara, was sowohl auf arabisch als auch auf wienerisch mit „lieber Freund“ übersetzt werden kann. Und das ist hier Programm, das Restaurant kocht und arbeitet genau so, es werden Geflüchtete ausgebildet und für die Selbständigkeit in der Gastronomie fitgemacht, der Laden ist wirklich schön und überall traf ich spannende Menschen, mit denen ich Stunden hätte reden können. Die Directrice Katha ist herzlich und arschcool, das Mastermind Martin hat mir mit seinem Lebenskonzept und seiner Einfach-Machen-Mentalität den Kopf umgerührt, aber huch: ich war ja zum Lesen da!

Ab jetzt gibt es nicht mehr aus Verpeiltheit, sondern einfach aus Prinzip nur ein Lesefoto vom leeren Vorlesetisch!

Die Lesung war so so toll. Es waren viele tolle, lustige Frauen (und ein Baby und ein Mann) da. Ich habe mich das erste Mal getraut, das Körperkapitel zu lesen und nach der Lesung haben mir alle ihre Körperkapitel erzählt und wir haben sehr gelacht und es war, als würde ich so viele schon so lange kennen. Zurück im Apartment konnte ich dann auch gleich nicht einschlafen, weil ich noch so aufgekratzt war. Hach!

Tag 2: Lange rumhängen

Ich habe überall in unserem Urlaub häufiger Familien gesehen, die um halb 9 mit Rucksäcken im Stechschritt unterwegs waren. Ich hatte da meist noch mein Schlafanzugoberteil an und war Brötchen holen. Diesen Familien zolle ich großen Respekt, weil sie so viel aus dem Tag machen und ihre Kinder anscheinend sehr gut überzeugen können, etwas zu unternehmen. Ich kann das ungefähr so gut wie Raubvögel auf einen bestimmtem Platz zum Landen anleiten. Besonders beim Großen. Während wir daran interessiert sind, uns draußen Sachen anzugucken, ist seine Idealvorstellung eines Urlaubs die eines heftig Pubertierenden. Er trug vermutlich deshalb auch in Restaurants Regenjacke und Sonnenbrille und rollte so regelmäßig die Augen, dass ich schockiert gefragt habe, was los ist, wenn er mich einfach anguckte.

Gegenüber unserer Wohnung befand sich ein RollenspielerInnenladen, in dem der Große das Spiel „Maus und Mystik“ kaufte und dem Mann und mir deutlich zeigte, wie das ist, etwas spannend zu finden, das die anderen nicht nachvollziehen können. (Einfach Rollenspiel durch Stadtrundfahrt tauschen)

Wir schafften es irgendwann trotzdem ins Kindermuseum Schönbrunn. Dort gibt es viel zu Gucken, und vor allem Anzufassen und Spielen für die Kinder. Es gibt ein süßes Schlossgespenst, eine Rutsche und überhaupt keinen Ärger, wenn jemand rennt, laut ruft oder die alten Kleider anfasst. Im Gegenteil, wir wurden sogar aufgefordert, sie anzuziehen!!!

Hatte ich erwähnt, dass die Kleine nicht zurück in ihr altes Leben wollte?

Im letzten Raum der Ausstellung verbrachten wir so viel Zeit, dass ich dachte, die Mutter der anderen Familie und ich kriegen ab sofort gleichzeitig unsere Tage. In diesem Raum sitzen die Eltern am Tisch, die Kinder decken festlich auf und servieren das selbst zubereitete Essen. Das war auch für uns Eltern eine interessante Reise in die Welt der Phantastereien.

Nicht im Bild: der Große, der lieber in einem Restaurant mit echtem Essen ein langes Gesicht machen wollte. Hatte ich erwähnt, dass die Kleine nicht zurück in ihr altes Leben wollte?

Damit der Mann und ich (wir haben uns nach 10 Jahren Ehe ja nun auch nicht mehr minütlich Neues zu berichten) nicht einschliefen, vertrieben wir uns die Wartezeit unter dem Tisch mit dem Handy. Zum Glück hatte mich der Große vor Kurzem gezwungen, diese Action Movie FX-App herunterzuladen. Während die Kleine also bis zum Sankt Nimmerleinstag Steak und Erdbeeren servierte, fiel dem Mann unter anderem ein Auto auf den Kopf.

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Huch, schon so spät.

Ich hatte keine Zeit mehr, mir gemeinsam mit dem Rest der Familie den Irrgarten und all die anderen schönen Ecken vom Schloss Schönbrunn anzugucken, weil die Lesung am zweiten Abend in der Seestadt war, und der Weg dorthin ein bisschen dauert. Er hätte sich allerdings auch gelohnt, wenn er dreimal so lang gewesen wäre, denn die Buchhandlung Seeseiten ist ein so schöner Laden mit so netten Menschen, dass ich wieder ganz beseelt war. Ich habe tatsächlich so lange gelesen, dass Johannes, einer der Chefs, mir nicht mehr unauffällige Zeichen gegeben hat, dass ich auch mal aufhören kann. Lesen macht so einen Spaß <3

Für den langen Heimweg war ich auf dem Rückweg übrigens noch mal sehr dankbar, denn die tolle Autorin Ulrike Schrimpf kam zur Lesung und hatte einen ähnlichen Heimweg, so dass wir noch viel Zeit zum Schnacken hatten.

Fun Facts: Der Sessel war so gross, dass er auch, als ich drinsass, noch genauso aussah und das Wasser ist ein sehr realistisches Fotoprop, es gab supertolles Craft Beer.

Tag 3: Keine Verpflichtungen und leicht keinen sitzen.

Am dritten Tag hatte ich dann leider keine Ausrede mehr, den Mann mit den mosernden Kindern allein zu lassen, denn gestern war die letzte Lesung. Mit langen Gesichtern machten wir uns auf ins Naturhistorische Museum Wien. Da war es zum Glück so spannend, dass das Meckern kurzfristig vergessen wurde. Wir sahen Meteoriten, machten Fotos, die uns in Urzeitmenschen verwandelten und erlebten auch so eine Menge. Hier eine kurze Bildergalerie:

Dieses Unbehagen bezüglich der allgemeinen Unheimlichkeit des Weltalls hat der Große von mir geerbt. Wir staunten kurz und gingen dann lieber schnell weiter. 

Ich vor den Beinknochen von Nadja Auermann (Nachbildung).

Wenn du schon vor einer halben Stunde auf dem Spielplatz sein solltest, dein Vater aber aus seiner Popper-Zeit erzählt.

 

Vorm Museum machte ein sehr netter Mensch tolle Seifenblasen, die, wie Sie sehen können, gleichzeitig Gedankenblasen mit der Frage sind: „Warum brauchen wir ein Museum und Stadtrundfahrten, wenn es Seifenblasen gibt?“

Nach einem Essen in einem nicht zwangsläufig für Kinder gemachten Restaurant, in dem ich einen Stock im Arsch hatte, der so groß war wie der Oberschenkelknochen von Nadja Auermann, sind wir noch zum/auf den (?) Prater gegangen. Hier gab es einen Wutanfall, weil alle Kartfahrgeschäfte ein in nächster Zeit unerreichbares Mindestalter hatten, aber auch ein Kettenkarussell, ein sackteures Riesenrad – und Zuckerwatte. Außerdem von mir einen passenden, völlig kostenlosen Filmtipp: „Wilde Maus“ von Josef Hader und ein leider misslungenes Selfie vor eben diesem Fahrgeschäft.

Finger hoch, wer jemals ein doofes Foto mit Zuckerwatte gesehen hat? Eben.

Am nächsten Tag sind wir weiter zu unserer zweiten Station, nach Prag, gefahren. Vorbei an dem Turm, den ich bereits am ersten Tag sah und hoffte, es sei die Schokoladenfabrik von Willy Wonka. Wie sich herausstellen sollte, handelte es sich jedoch um eine von Hundertwasser gestaltete Müllverbrennungsanlage. Auf dem aktuellen Album „Niente“ der österreichischen Band Wanda ist dieser Turm übrigens ebenfalls zu sehen.

Wie macht man sich als Reisebloggerin so richtig attraktiv für Kunden? Als letztes Bild eine Müllverbrennungsanlage zeigen.

Baba, Wien!

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  3 Replies to “Drei Reisen: Wien.”

  1. Victoria
    30.10.2017 at 23:09

    Also wir – Österreicher – gehen in den Prater! Und wenn du von der miefigen, windigen, franitigen Landeshauptstadt erzählst dann klingt die sogar toll! Aber das gehört sich wohl so dass man woanders immer ein bisschen besser findet als das was man hat! Ist jedenfalls besser als dieser alberne Nationalstolz! Ich finde hamburg – rein als Beispiel- auch ziemlich MEGA! Ich hoffe du besuchst Österreich auch mal mittig (Oberösterreich- linz im besonderem soll auch ganz schön sein, sagen die anderen) und nicht nur die Randbezirke (Tirol und wien) Dann kann ich dich mal persönlich anhimmeln!

  2. 31.10.2017 at 14:01

    <3

  3. rike
    31.10.2017 at 14:32

    also, ich steck ja nicht so tief drin, aber ich freu mich, dass dir der text gefallen hat. ich brauch nur nen buchladen oder eine location, in der ich vorlesen darf, und schon sitze ich im zug oder auto oder so, dann können wir uns gegenseitig super finden <3

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