Wie war der Urlaub? Der Reihe nach.

In meinem letzten Urlaubsbericht habe ich ja bereits gesagt: Urlaubsbilder sagen nicht alles. Und auch in diesem Sommerurlaub gab es schlimme Ausraster wegen nicht vorhandenem W-LAN, unterschiedlicher pädagogischer Ansichten, irgendwas, was ich vergessen habe und sich in der NEIN-DOCH-GESCHWISTERSPIRALE verlief und vielem mehr. Aber sonst war es wirklich wunderbar.

Station 1: Ungefähr Ulm.

Das Legoland schien uns ein guter Ort für einen Zwischenstopp auf dem Weg nach Italien zu sein. Dafür buchten wir uns auf einem Bauernhof in der Nähe von Günzburg ein und bezogen ein Häuschen mit Blick auf Trecker und Misthaufen. Es war toll. Wir hatten einen eigenen Garten und ein eigenes kleines Schwimmbecken mit sehr kaltem Wasser. Die Kinder haben im Reitstall bei der arschcoolen Hofbesitzerin eine Reitstunde bekommen und wir alle drei Punkrockhunde.

 

Die Hofhunde hingen die ganze Zeit bei uns rum, und wenn wir die Gartenpforte öffneten stürmten sie wie die anarchischen Rowdy 3 von „Dirk Gentlys holistischer Detektei“ auf unseren Rasen, pinkelten los und zeigten, wer hier keine Hosen anhatte.

Im Legoland habe ich mir nur eine Frage gestellt: Warum werden eigentlich die Kinder nicht viel mehr gefeiert, weil sie diese ganze verdammte Warterei so unglaublich gut aushalten? Wenn ich nicht erwachsen gewesen wäre, hätte ich mit einem Flammenwerfer diese Wartezeitankündigungsschilder verschmort, rumgebrüllt, mich auf den Boden geworfen – und selbst dann wäre ich immer noch nicht dran gewesen.

Hier warte ich mit der Kleinen eine Stunde auf den Großen und habe viel Zeit festzustellen, dass sie Ninjago toll findet, aber viel zu wenig weibliche Identifikationsfiguren hat.

Was sind das für 2 Kinder vong Harmonie her?

Den nächsten Ausflugstipp bekamen wir von der schönen wie witzigen wie klugen Juramama, die aus der Gegend kommt und uns sagte, wir sollen unbedingt ins Steiff Museum gehen. Und wie immer hatte sie Recht (hihi). Die Ausstellung war toll, ich musste an den Haaren aus dem Raum geschliffen werden, in dem MitarbeiterInnen zeigen, wie die Kuscheltiere gemacht werden. Und ich habe die Kinder das erste Mal in einem Ausgangsshop gezwungen, sich etwas auszusuchen (Spoiler: ich musste nicht doll zwingen).

Endlich mal dicke Haare!

Nach drei Nächten ging es weiter Richtung Gardasee. Dort sollte unser erstes Glamping stattfinden, was sich irgenwie anhört wie das Schild zum Swingerclub Frivol, das ich in der Nähe vom Steiff Museum entdeckte (den ich eben gegoogelt habe und jetzt auch nicht weiss, wie ich mir den „frivolen Kaffeeklatsch“ vorzustellen habe). Glamping ist eine Wortschöpfung aus Camping und Glamour, wobei ich mir bei Glamour versuche, jeden blöden Witz zu sparen. Auf dem Campingplatz von Camping Weekend oder Weekend Camping hatten wir ein kleines Mobilheim mit echten Betten, einer Küche und einem Badezimmer. Das Haus habe ich zwar nicht fotografiert, aber ich kann sagen, es war toll. Der Campingplatz hatte einen Pool und eine Kinderanimation. Beides war ziemlich voller Menschen aus den Niederlanden. Das hat mir gut gefallen, weil ich sehr super fand, wie entspannt sie mit ihren Kindern umgegangen sind. Ich war fast froh, als ich eine Mutter hörte, die auf Niederländisch sagte, sie zähle jetzt bis drei, und bis heute glaube ich eigentlich, dass sie tatsächlich nur zeigen wollte, dass sie das auch kann.

Wie dem auch sei, die Kinder haben leider wenig Anschluss gefunden und auch bei der Animation meistens eher Bahnhof verstanden. Zum Glück waren wir mit Freunden aus Hamburg verabredet und haben mit ihnen zwei tolle Tage am Gardasee verbracht. Ich freue mich schon, wenn wir uns nächstes Jahr im Urlaub wieder treffen, weil unsere Kinder zwar alle dieselbe Kita besuchen oder besucht haben, wir aber trotzdem kein Treffen gebacken kriegen.

 

Endlich schlafen die Kinder und wir haben mal Zeit als erwachsene Leute!

Landschaftlich, kulinarisch und menschlich liebe ich Italien so sehr, dass mein Herz denkt, ich habe es mit süßem Zeug bestreut. Davon wollten dann anscheinend auch die Mücken naschen. Sie waren ÜBERALL und sie haben sich schwer auf mich eingeschossen. Wenn die Kinder mit was aufhören sollten und ich keine Lust hatte, bis drei zu zählen, habe ich stattdessen damit gedroht, dass sie meine Mückenstiche zählen müssen.

Habe ich jetzt verdammt junge Hände oder sehr haarige Beine?  Dieses Hitzepiepgerät gegen Müchenstiche hat echt geholfen. Be ca. 50 Mückenstichen hört es sich an, wie wenn die TeilnehmerInnen des Piercingkongresses gesammelt durch die Sicherheitsschleuse beim Flughafen müssen. Oder so.

Wenn echte Instagrammer aus dem Auto fotografieren, taucht nie aus dem Nichts eine Antenne oder ein Vogel auf, der mit gehässigem Gesichtsausdruck schnell noch auf die Scheibe kackt. Naja. Bei uns sieht das dann eben so aus, wenn wir weiterfahren Richtung Toskana.

Leider hatten wir unterwegs keine Zeit zu gucken, ob in Carpi auch eine Sonne versinkt und wenn ja, worein.

Nach Modena wollte ich unbedingt, weil ich von der zweiten Staffel von Master of None auf Netflix so begeistert war und auch da essen wollte, wo die gegessen haben. In der Bar Schiavoni, gleich neben einer tollen Markthalle, bestellten wir alle Sandwiches von der Tageskarte und assen sie so schnell auf, dass es leider kein Foto gibt. Die BesitzerInnen waren so so nett und die Sandwiches wirklich so unfassbar lecker, dass der Mann auf dem Rückweg dort wieder vorbei wollte.

In Modena wird wirklich an die Kinder gedacht: Hier macht das Bauwerk das lange Gesicht noch selbst.

Nach diesem kulinarischen Zwischenstopp waren wir satt und hatten ein neues Traumziel für unseren Altersruhesitz bestimmt. Aber bevor uns später „Die Auswanderer“ für zu informiert halten würden, ging es schnell weiter in die Nähe von Siena. Dort wartete der nächste Glampingplatz auf uns. Der hatte für uns mehr Camping als Glamping parat, weil unser Häuschen zur Hälfte ein Zelt war und, was den Großen sehr beeindruckte, nachts jederzeit Füchse vorbeikommen können, wenn man sein Essen liegen lässt. Der Mann hatte beim Buchen nicht gemerkt, dass dieser Platz denselben Betreiber hatte wie der vorige, so dass wir wieder auf Spotty, das Hundemaskottchen, die sieben Lieder der Kinderanimations-CD und viele Niederländer getroffen sind.

Halb Zelt, halb Haus: der Möter unter den Camping-Wohnmöglichkeiten.

Was ich wirklich toll fand: Morgens im Freien Frühstück machen und essen. Abends inmitten von Grillenzirpen und Autangeruch sitzen und merken, wie laut es doch in der Stadt ist. Dass die Kinder nach ihrer Nölerei, weil das W-LAN langsamer war als mein Verstand beim Steuerberater, einfach irgendwas spielten. Dass ich mir keine Gedanken über meinen Körper im Badeanzug, schicke Kleidung und ähnliches machen musste. Und weil es immer so warm war, dass ich nichts anderes anziehen musste. Außer bei unserem Ausflug nach Siena. Wo ohne Scheiss folgendes passiert ist: Wir standen vor dem Palast und der Eintritt war ziemlich hoch. Während wir noch überlegten, ob sich das lohnt, riefen die Kinder im Chor: MU-SEUM! MU-SEUM! Logisch, dass wir erst fertig waren mit Überlegen, als wirklich alle diese Szene mitbekommen haben.

Siena ist eine wunderschöne Stadt. Wäre ich nicht schon so lange verheiratet, würde ich im Palast noch mal heiraten, die Frau, die die Trauungen macht, ist sehr nett und mag auch Kinder, die wirres Zeug reden (für euch getestet).

Wenn du auf der Glampingveranda rauchst und deine Kinder doch noch nicht schlafen.

 

Der Architekt unseres Hauses ist eventuell auch verantwortlich für den oben erwähnten Swingerclub Frivol. Das Bad befand sich in der Mitte und war allen Seiten zugänglich. Zusätzlich war es komplett verspiegelt, so dass eines der Kinder irgendwann begeistert vom Klo rief: ICH KANN MICH DREI MAL SEHEN. Ich fand das nur halb super.

Aber take it Easy, altes Glampinghaus! Was sind schon Matratzen aus Treibsand und ein Pornoklo, wenn du dafür die freundlichste Klospülung der Welt haben kannst?

Die letzte Station auf unserer Reise führte uns in die Nähe von Innsbruck. An unserem Durchreisehotel reisten zwar ziemlich viele Autos vorbei, aber die Leute waren sehr supernett, das Bett war herrlich gemütlich – und der Marillenschnaps war der HAMMER. Dort sind wir übrigens gelandet, weil ich in die Swarowski Kristallwelten wollte. Also in den Garten und auf den Spielplatz. Dass ich letzten Endes die Ausstellung am tollsten finden würde, hätte ich auch nicht gedacht.

Hier eine sehr, sehr schöne Version von ¯\_(ツ)_/¯

Es war schön. Allerdings hätte ich, im Gegensatz zum Steiff Museum, die Kinder am liebsten mit verbundenen Augen aus dem Shop geschubst, weil alles, was sie haben wollte, ungefähr so viel gekostet hat wie eine Woche Glamping. Wir haben dann kleine Kristallanhänger gekauft, die wir an unsere Fenster hängen und dann bei Sonnenschein einen Regenbogen im Zimmer haben. Finde den Fehler: BEI SONNENSCHEIN. Leider habe ich den Kassenbon nicht wiedergefunden, als mir einfiel, dass wir in Hamburg wohnen.

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