Wie Elternohren gut durch den Advent kommen.

Weihnachtslieder sind so eine Sache. Ich kann es zum Beispiel nicht gut aushalten, wenn Kinderchöre singen, mit so glockenhellen Stimmen, die so schrecklich nach viel üben und wenig Spaß klingen. Oder wenn Kinder wie kleine Erwachsene rumsingen, dann möchte ich immer rufen: Ey! Versuch mal, nicht zu sein wie mit Mitte zwanzig, weil: ehe du die vierte Strophe gesungen hast, kennst du die Durchwahl deines Ansprechpartners bei der Krankenkasse auswending und dann hast du plötzlich Nasolabialfalten und denkst: Fuck, damals mit acht beim Weihnachtslieder singen, da hätte ich lieber einen Scheiss aufs Großsein geben sollen. Weil das in diesem Buch alle machen, liebe ich es so.

Unter anderen.

 

Franziska Biermann (Bilder), Nils Kacirek (Musik): Am Weihnachtsbaume. Carlsen. 64 Seiten. Mit CD (50 Min), 19,95€, aber lohnt sich!

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Achtung! Dieses fantastische Buch erscheint jetzt bei Carlsen. Mit neuem, mir unbekanntem Jingle Bells-Lied.

Also: Dieses Buch enthält eine CD mit Weihnachtsliedern, die fröhlich und entspannt aufgenommen wurden von einem Haufen toller, unterschiedlicher Leute. Es singen Kinder mit, manche schief, manche gerade, aber immer ohne Krampf. Und jede Menge Erwachsener sind dabei. Manche sind normale Leute, manche Opernsänger, manche die Sängerin von Stereo Total, und alle machen die Lieder fröhlich und so, dass wir sie gern hören und mitsingen, sogar morgens vor sieben Uhr.

Das Tollste an diesem Buch ist für mich aber das Zusammenspiel mit den Bildern. Hier müssen so viele Köpfe geraucht haben, dass es mich wundert, dass sie nicht aus Versehen den Native Americans mit kruden Botschaften verwirrt haben. Weil kreuz und quer alles einmal gedanklich durchgegangen wurde – und alles passt.

 

Auf jeder Doppelseite befinden sich die Noten und die Texte für das Lied auf einer Seite (rechts) und ein passendes Bild auf der anderen (links). Weil es 24 Lieder gibt, funktioniert das Buch gleichzeitig wie ein Adventskalender. Jede Doppelseite steht also für einen Tag und jeden Tag kommt auch noch eine neue Figur ins Bild, die bis zur Riesenparty am 24. bleibt. Bis dahin passieren alle Dinge auf den Seiten wirklich hintereinander, wie ein gedankliches Daumenkino ungefähr.

 

Nikolaus kommt bald

Hier das Bild zum Lied vom 5. Dezember (Huch! Das ist ja heute.) Passend dazu tragen z.B. alle nur einen Schuh.

Morgen, Kinder, wird's was geben.

Wer Noten oder Text lesen bzw. die Blockflöte der Kinder nicht schnell genug verstecken kann, kommt auf der rechten Bildseite auf seine und ihre Kosten.

Wir entdecken immer noch neue Sachen, und wir haben das Buch seit sechs Jahren jede Weihnachtszeit in Dauerbeschlag. Die Kinder gucken sich jedes Jahr wieder akribisch und sehr sehr ausdauernd alle Seiten an, finden neue Details, von denen ich jetzt gar keine rausverpetzen will, weil das Finden so Spaß macht.

Wie jedes Jahr danke ich den Macher:innen dieses Buches, verneige mich ausgiebigst ob dieser konzeptionellen Höchstleistung und wünsche ihnen dafür bis an ihr Lebensende ein rauschendes Weihnachtsfest und eine Überhäufung mit Glücksgeschenken.

Weihnachtsparty mit alle Mann und Frau!

Alle da! Weihnachtsparty kann losgehen. Der Bär isst ein R! Warum er das tut, werden wir evtl. nächstes Jahr herausfinden.

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