Täterääää + tippitoppitiptoi!

Der Große mag sich ungern etwas erklären lassen. Ich bin froh, dass diese Aversion in der Schule bisher noch kein nennenswertes Problem war, denn in allen anderen Bereichen stellt er auf Durchzug, sobald jemand beginnt, ihm Wissen vermitteln zu wollen. Selbst, wenn er behauptet, dass Bruderpest die Hauptstadt vom Harz ist, und eine Nicht-Aufklärung aus Elternsicht schon fast klingt wie das Telefon, wenn das Jugendamt anruft, bringt eine Erklärung gar nichts. Seine leeren Augen sehen aus wie zwei sehr hübsche grüne Menschen, die sich fragen, wann die alte Frau endlich fertig ist mit Klugscheissen. Aus diesem Grund hatten wir bis jetzt nie klassische Sachbücher in unserer Heavy Rotation.

Aber Kinder sind ja verschieden. Und als ich neulich am Kinderzimmer der Kleinen vorbeiging, hörte ich, wie sie etwas robotermäßig sagte: “Das ist eine Balalaika.” Ich blieb stehen und sah, dass sie “Das große Musikbuch” vom Carlsen Verlag in der Hand hielt und fröhlich wiederholte, was das Buch mit Hörfunktion ihr erklärte.

Trapp, Kyrima: Hör mal – Das große Musikbuch Schauen, Hören, Klappen, Staunen. Verlag: Carlsen (2015) Altersempfehlung: ab 3 J.

 

Dieses Buch liegt leider gerade nicht auf (und auch nicht unter) unserem Teppich. Ich habe den Verdacht, die Kleine hat es mit in die Kita geschmuggelt.

Das Buch hat Klappen und Punkte, die auf Druck in angenehmen Informationshappen alles Mögliche zur gesamten Klaviatur der Musik (Klassik, Rock, Schulkonzert) erzählen. Deshalb, und weil sie anscheinend ein klassisches Sachbuch-Kind ist, weiss die Kleine jetzt, was Streicher sind und sagt unfassbar süss Didgeridoo.

Sie hat also was gelernt. Ich auch: Obwohl die Texte toll geschrieben sind und die Informationshäppchen meiner Meinung nach genau richtig sind, mag ich diese Textform nicht so gern vorlesen. Ich mag den Miesepups pöbeln oder das rosa Aufpasserhäschen vorlesen, das mit der Böckchenbande schimpft. Deshalb finde ich großartig, wenn andere Bücher das Sachtexte vorlesen übernehmen. Oder Stifte.

 

Der Stift, der meinen Kindern jetzt vorliest, ist von Ravensburger, orange und heisst tiptoi. Zum Sprechen bringen den kleinen orangen Freund Bücher, Spiele und Spielzeug. 

Nicht im Bild: Der Stift itself sowie ein Dinosaurier mir orangenem tiptoi-Punkt am Po. Der Dino ist vermutlich der Evolution hinterhergelaufen, als der Große ihm voller Inbrunst erklärte, woher er kommt, was er isst und so weiter.

Ehrlich gesagt, kann ich gar nicht so viel zu den Sachen sagen, weil die Kinder sich so viel allein damit beschäftigen. Die Regeln bei der monsterstarken Musikschule zum Beispiel, hatte ich noch nicht verstanden, da kannten beide Kinder alle mitspielenden Bands auswendig und fanden in weniger als zwei Sekunden das Fagott.

Ich glaube, es geht so: Jedes Kind sucht sich eine Band aus, meine wollen beide immer die Rocky Rockers sein (war meine Erziehung doch nicht ganz für die Tonne), dann führt der tiptoi-Stift sie über die Tonleiter in die verschiedenen Räume der Musikschule. Dort bekommen sie unterschiedliche Aufgaben, und wenn sie in jedem Raum waren, gibt es am Schluss ganz oben ein Konzert. Bei den Aufgaben müssen sie zum Beispiel Lieder mitsingen, Geräusche raten oder klassifizieren, Instrumente finden oder erkennen, ob ein Ton höher oder tiefer ist. All das auf eine kindermagnetische Weise, sodass beide, sobald wir nachmittags von Schule und Kita Zuhause waren, das Spiel rausholten und so ausgiebig daddelten, dass ich meinen Kaffee heiß trinken konnte.

Die Kleine, die bei den Büchern erst etwas ungeduldig war und mich immer wieder fragte: “Mama, wann spricht der Stift?”, musste erst verstehen, dass der Stift kein Mensch ist und er mit Absicht tiptoi und nicht reinbohrtoi heisst. Aber dank dem Musikschul-Spiel verinnerlichte sie das Prinzip und berichtet immer seltener dem Stift vom Turnen und tippt immer häufiger vorsichtig auf die Icons der Erlebnisebenen, die im Bild unten rechts zu sehen sind.

Klassische Illustration. Der Igel unten links hat evtl. gerade gesehen, dass der Eiswagen kommt.

Mit den verschiedenen Symbolen können die Kinder quasi den Modus einstellen. Damit hier weniger quasi und mehr Info rüberkommt, präsentiere ich 1:1 die Erklärung von Ravensburger:

Die Bücher waren hier noch nicht so viel im Einsatz, weil die Kinder sich am Spiel regelrecht festgebissen haben. Aber ich habe trotzdem schon mal das Sortiment genauer angeguckt, weil die Kleine gerade eine Faszination für Anatomie (“Ich fühle meine Knochen”) und Feuerwehr (“Ich bin Penny”) entwickelt hat, und das ist toll: Es gibt nämlich Bücher und Spiele und vieles mehr zu noch viel mehr verschiedenen Themen. Es gibt sogar einen Globus (den finde ich besonders super). Alles immer mit dem einfachen Grundprinzip, mit Musik, mit Spielerei und Quizfunktionen, die sogar meinen Großen überlisten. Der merkt nicht mal, dass ihm da gerade was beigebracht wird, im Gegenteil, mit dem sprechenden, elektronischen Stift in der Hand kommt er sich vermutlich so vor, als hätte er mich mit der Medienzeit gerade voll verarscht. HAHAHAHA!

 

Ich danke dem Carlsen Verlag für das Musikbuch und Ravensburger für das tiptoi-Paket.

 

 

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