*Pressereise* Vorsicht, gleich ist schon Mittag.

“Vorsicht, gleich ist schon Mittag.” Mit diesen Worten weckte uns unsere Tochter am zweiten oder dritten Tag unseres Urlaubs. Und sie fasste damit unsere Woche im Robinson Club Ampflwang (Oberösterreich) perfekt zusammen. So viel zu tun. Wer sich jetzt fragt: wie kommen die Drust-Leute denn bitte darauf, Club-Urlaub zu machen? Wir wurden auf Pressereise eingeladen und wussten selber nicht, wie das wohl werden würde (Spoiler: ziemlich gut).

Gute Club-Voraussetzung: Vollgestopfter Alltag

Unser normaler Alltag war die letzten Monate voller viel zu vieler Jobs, Termine, noch mehr Jobs, Erkältungen, chronisch entzündeter Nebenhöhlen und abgesagter Sportstunden. Manchmal dachte ich frustriert, ich könnte auch einfach ein Gehirn im Glas sein. Dabei habe ich eigentlich so Lust auf Unternehmungen. Durch den Wald spazieren. Sport. Toben. Spielen. Tolle Sachen essen. Sowas. Und während der Alltag das anders sah: Im Robinson Club konnten wir alle diese Sachen machen. Das Beste: Wir konnten sie machen, muss sie aber weder planen, noch vorbereiten, kochen oder aufräumen.

Gute Club-Voraussetzung 2: Unvollgestopfter Club

Die Hamburger Skiferien sind eine gute Sache, weil: alle anderen haben erst Ostern Ferien. Deshalb war der Robinson Club Ampflwang nicht pickepackevoll. Und wenn man dann noch die Features zu Zeiten nutzt, in denen andere eher Essen oder so, ist die Gästedichte sehr angenehm.

Gute Club-Voraussetzung 2: Kein Skigebiet

Die letzten Male sind wir in den Hamburger Skiferien immer in die Skiferien gefahren. Aber so richtig Ski fuhr dann nur der Mann, weil der Große mehr damit beschäftigt war, sich zu weigern, in den Skikurs zu gehen als in den Skikurs zu gehen. Die Kleine fand nur halbcool, dass 75% der Kinder in ihrem Kurs mehr weinten und eigentlich nur im Schnee standen, damit sich für ihre Eltern der Skipass lohnt. Dieser Skifahrdruck war voll nicht meins (genausowenig wie Skifahren). Aber jetzt los nach Ampflwang, das liegt in keinem Skigebiet in Oberösterreich mitten im Hausruckwald.

 

Das Foto ist von der Webseite des Robinson Clubs. Ich kann so ein professionelles Foto nicht selber machen, aber unter Eid bezeugen, dass es dort genauso aussieht.

 

Der Empfampflwang (hihihi)

Nach einer Nacht in einem erstaunlich hässlichen Hotel im sonst schönen Regensburg, kamen wir in Ampflwang an. Wir hatten übrigens einen Pappmacheehasen dabei, den hatte uns beim zünftigen Abendessen ein strunzvoller Herr schenkte. Ich mag sowas. Genau wie die Tatsache, dass beim Empfang im Robinson Club gleich losgeduzt wurde. Das macht mir als Berufsjugendliche große Freude: Ich duze wie immer alle und werde nicht irritiert zurückgesiezt.

Die Zimmer: “Wir schlafen oben”.

Nachdem die Kleine unser Hotelzimmer in Regensburg mit den Worten “Hier ist es aber nicht besonders schön” kommentiert hatte, war hier das Gejubel groß. Wir hatten ein Familienzimmer Typ 1, das bedeutet, wir hatten zwei Schlafzimmer, eines davon lag gemütlich oben. Für mein Ich vor zwei Jahren hätte das bedeutet: Wenig Ruhe, weil die Kleine den ganzen Tag auf der Treppe hätte spielen wollen. Und wenig Nachtschlaf, da ich mir ausgemalt hätte, auf wie viele verschiedene Weisen sich das Kind beim Stürzen den Kopf spalten kann. Aber es gibt noch andere Zimmertypen, auch als Angebote für Singles. Nein, die Zimmer sind nicht riesig, das ist uns aber erst am letzten Tag aufgefallen, weil wir vorher so viel unternommen haben! Wir!

 

Die aktive Familie formally known as gestresste Couchpotatoes (DAFFKAGC)

Würde uns das Angebot erschlagen? Würden hier alle beim Sport Spagat und Fallrückzieher können? Wären wir die Honks unter Sportskanonen? Nein. Nein. Jein.

  • Wir haben sehr viel Zeit im riesigen Indoorspielplatz verbracht. Manchmal waren wir morgens ganz allein dort (alle, die mal einen Kindergeburtstag im Rabbatz gefeiert haben, dürfen jetzt die Köpfe gegen die Wand hauen, bis sie Sterne sehen).

Wenig Kinder, wenig Verletzungen. Nach 4368mal Rutschen, Klettern und actionmäßig hinstürzen hatten wir nur einen Sturz aufs Knie und einen irreversibel verknickten Fingernagel.

  • Der Mann und ich hatten viel Zeit für uns. Die Kleine wollte oft in den Roby Club, der Große hat in der Halle Fussball gespielt und der Mann und ich sassen da. Allein. Nur wir zwei. Hm. Du so? *Glotz aufs Handy*. Äh, was machen wir denn jetzt? Das war echt ungewohnt.

Da haben wir einmal Zeit für ein tolles Selfie und ausgerechnet dann fliegt mir was ins Auge.

  • Wir waren reiten (gegen relativ hohe Gebühr, die sich aber gelohnt hat). Ich hatte die erste Reitstunde, weil der Große sie wegen einer akuten Wutattacke nicht wahrnehmen konnte, danach habe ich mit der supernetten Reitlehrerin die Ponys für den Ponytrail vorbereitet, bei dem ich die Kleine geführt habe. Und weil ich neben dem Reiten das Striegeln, Satteln und so wirklich genossen habe, hätte ich danach fast die Wendy abonniert.

V.l.n.r.: Die supernette Reitlehrerin, Gringo das Pony, meine Tochter. Bei meiner Reitstunde sah alles ziemlich genauso aus.

  • Wir waren andauernd schwimmen. Und da die Kleine sich völlig zurecht in die Schwimmlehrerin Luana verliebt hat, hat sie zwei Tage Schwimmkurs gemacht und traut sich jetzt ohne Schwimmflügel mit Poolnudel ins Wasser. (Fun Fact: Sie dachte, es heisst Pulnudel, weil man von ihr was abpulen kann).

Die Kleine mit angepulter Nudel beim Schwimmkurs.

Der Große hat am letzten Tag noch schnell Silber gemacht. Fand ich super (bis zum Annähen).

Habe ich 1. alle Gäste aus dem Pool geekelt oder 2. eine gute Zeit erwischt? Richtig ist 2! In den Hamburger Skiferien zur Mittagszeit kann das Schwimmbad tatsächlich mal so aussehen. AAAAARSCHBOMBE!

  • Ich war wandern. Nicht häufig genug, weil jeden Tag geführte Touren angeboten werden und es auch kein Problem ist, auf eigene Faust loszugehen.

Berge. Pferde. Frische Luft. JAAAAAAAA!!! Nicht im Bild, aber ganz in der Nähe: mein neuer Freund, der Hausruckwald.

  • Der Mann und der Große waren Skifahren.Sie sind eine Dreiviertelstunde zum Feuerkogel gefahren und der Große hatte ein tolles Mittagessen, das der Mann mit Bargeld bezahlen musste und deshalb selbst nur ein Skiwasser trinken konnte. Nicht so schlimm, denn:
  • Wir haben immer immer immer gegessen. Es war so toll! Ich musste nichts machen, außer an den verschiedenen Buffetstationen (Salat, Pasta, Regionale Küche, gesundes Well Food und sehr vieles mehr) vorbeigehen, Essen auf meinen Teller füllen und es an einem Tisch verspeisen. Die Kinder hatten eine Woche lang Fischstäbchen mit Pommes (mir doch egal), aber der Mann und ich haben uns quer durch Ernährungsphilosophien, Weltgeschichte und Nahrungsmittelpyramiden gegessen. Mit Nachtisch. Viel und sehr leckerem Nachtisch. Normalerweise bin ich nach einer Woche im Urlaub mit Essen gehen immer froh, wieder Zuhause zu sein und selbst zu kochen. Aber ich vermisse das Essen jeden Tag.
  • Wir waren beim Entertainmentprogramm dabei, aber sowas von. Shows wie ‘Best of Broadway’ oder ‘Hüttengaudi’ wären Zuhause nicht die erste Wahl unserer Abendgestaltung. Aber da die Robins, wie die EntertainerInnen heissen, auch am Empfang und in der Kinderbetreuung arbeiteten, kannten und mochten wir die PerformerInnen. Als die sich bei der Hüttengaudi durch die Gegend geschleudert haben, musste ich also nicht nur die Kleine festhalten, die unbedingt auf derBühne mit Wencke tanzen wollte: Ich habe mir beim Holzmichlsong vermutlich das letzte bisschen Punkrock-Credibility weggeklatscht.

Ich habe dieses Mädchen in meinem Bauch so gross wachsen lassen, dass sie rausgeschnitten werden musste. Der Dank ist konsequentes Ignorieren, weil das Entertainment-Team so schön glitzert und Menschenpyramiden machen kann.

Meine Lieblingsdisziplin bei der Familienrallye: Einen Stab mit offenem Kreis am Ende ohne Berühren eine kurvige Drahtstrecke entlangführen. Eventuell gibt es für dieses Spiel aber einen schmissigeren Namen.

  • Der Große und ich haben Tennis gespielt. Wir können das beide nicht. Das führte dazu, dass der Große bis zu seinem Wutausbruch, weil meine Bälle nicht optimal platziert waren, sehr viele Bälle auf den Nebenplatz dengelte. Dort spielte ein Paar Tennis, also so richtig. Es war mir ein bisschen unangenehm, weil wir deren Spiel wirklich oft unterbrachen, aber als ich mich nach der Stunde entschuldigte, haben sie gar nicht verstanden, warum ich mich entschuldigen will. Zur Entschädigung habe ich erst nicht verstanden, was sie dann gesagt haben, sie waren nämlich aus Niederbayern. Aber dann: Sie haben mich dafür gefeiert, dass wir es probiert haben. Und nicht nur dort.
  • Wir haben viele nette Menschen getroffen. Ich gestehe, ich war skeptisch, was die Gäste eines Robinson Clubs angeht. Aber gemeinsam mit mir ist anscheinend auch die Vorstellung von Schnöseln mit hochgestelltem Polohemdkragen alt geworden. Wir als eigentliche UrlaubseigenbrötlerInnen haben tatsächlich sehr schnell andere Eltern kennengelernt, mit denen wir schnell ein festes Ritual hatten. Die Kinder haben prima miteinander gespielt, und wir Eltern haben uns gut unterhalten und auch mal auf die anderen Kinder aufgepasst. Es gab allein reisende Elternteile, Rollstühle, Grosseltern, junge Eltern, alte Eltern, laute Kinder, leise Kinder, schicke Kinder, ältere Kinder, kleine Kinder, Eltern, die nicht merken, dass ihr Kind beim Frühstück unter dem Nachthemd keine Unterhose anhat, verschiedene Chromosomenanzahlen, alles mögliche. Die Vielfalt hat mich überrascht und viele Gespräche mit anderen Eltern haben meinen Urlaub wirklich bereichert.
  • Wir haben sehr viel Fussball gespielt. Der Große am meisten. Aber der Mann und ich auch. Ich war Ibrahimovic und habe genau gehört, wie der Große gesagt hat, dass ich ziemlich gut in Fussball bin.

Multifunktionshalle aka Beweisstück 1A, dass der Grosse ohne Müdigkeitsfunktion geliefert wurde.

 

Fazit:

Zu schlimmen Stosszeiten wäre ein Club-Urlaub vermutlich nichts für uns. Aber nicht bis unters Dach belegt mit diesen netten Menschen und diesem natürlich herzlichen Personal und diesem guten Essen und allem, was ich geschrieben habe kann ich sagen: Wir machen das wahrscheinlich nächstes Jahr noch mal. Ohne Einladung, für die ich mich an dieser Stelle von ganzem Herzen bedanken möchte. Wir hatten eine wunderbare Woche voller unverkrampfter Aktivität, die uns allen sehr gut getan hat. Einziger Wermutstropfen: die Kinder hatten nach der Abreise Ohrwürmer. Hihihi.

 

 

 

 

  6 Replies to “*Pressereise* Vorsicht, gleich ist schon Mittag.”

  1. Victoria
    16.3.2018 at 21:36

    Mah schön!
    Da war ich auch schon mal reiten! Auf einem biestigem kleinen Pony und die Reitlehrerin nannte mich dann “Kämpferin” … das war wie einen Orden für mich als ein kleines Mädchen!
    Uuuuund Vl ja sogar mit Lesung nächstes mal? Oder ich komm mit meiner Familie, mach dort auch Urlaub und du liest und eine Gutenacht-Geschichte vor! Ach ja! Man darf ja noch träumen!
    Liebe Grüße aus Österreich
    Klein-Wendy

  2. 16.3.2018 at 23:49

    Ach wie schön!! Da habt ihr ja sogar Freunde von uns getroffen und sicherlich kennengelernt, denn die Beschreibung passt voll
    Schöne Beschreibung – man kriegt tatsächlich Lust auf Ampflwang. Aber bezahlen können wir das mal nicht so eben.

  3. rike
    17.3.2018 at 18:19

    wenn wir nochmal hinfahren, sag ich dir bescheid. urlaub mit einer lesung kombinieren haben wir ja schon mal ausprobiert, das ist toll. <3

  4. rike
    17.3.2018 at 18:22

    das wärs ja, wenn wir die da kennengelernt hätten. eine frau kam auf mich zu und bat mich auf einer flasche wein für ihre freundin zu unterschreiben, die hatte auf instagram gesehen, dass ich da war. da habe ich mich kurz wie ein star gefühlt. dann hat mein sohn mich beim rutschen gefilmt. 🙂

  5. 18.3.2018 at 21:37

    Klingt super. Wie so oft, auch andere Familienhotels haben mich vom Programm und allem total angesprochen. Bis ich dann die Preise sah, tja …

  6. rike
    19.3.2018 at 11:00

    ich kann dir versichern, dass das angebot auch dementsprechend ist. Das ändert aber leider nichts daran, dass der preis auch ein bisschen zum faust aufessen ist.

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