Drei Reisen: Prag

Nach Wien war die zweite Station unserer Städtereise Prag. Allerdings hätten wir überall sein können, weil an diesen Tagen kaum etwas Ortsabhängiges passierte. Leider. Der Große wollte so gut wie gar nichts machen, wir aber am liebsten die ganze Zeit, weil wir so wenig davon hatten und es überall so viele Sachen zu sehen gibt. Nicht für uns. Es gab ein bisschen was zu sehen, aber viele Verweigerungen, Streit, nicht eingehaltene Vereinbarungen und Sightseeing on the fly (to the Supermarkt).

Als hätte uns das Apartment schon warnen wollen, dass wir auch nach drei Tagen kein Bild von Prag haben werden.

Tag 1: An- aber nicht runterkommen

Nach unserer Ankunft im Apartment und dem Bestaunen der beliebigen Einrichtung, reservierten wir abends einen Tisch bei BadJeff’s Barbecue und fuhren zur unbändigen Freude des Mannes wieder mit einem Uber dorthin. Und siehe da, es wurde ein schöner Abend. Das Essen war echt gut, das Personal war unglaublich nett, und es war so laut, dass ich nicht die ganze Zeit Angst hatte, das Nein-Doch-Gespräch der Kinder würde stören. Außerdem hatte sich eine Frau an der Bar in die Kleine verliebt und klebte so lange mit ihr Sticker ein, dass wir entspannt essen und Trinken konnten. Toll.

Mein Glück: Auch der Weg zum Geldautomaten ist wie Sightseeing.

Tag 2: Wegen Überfüllung überfüllt.

Neben den Bildern fehlte in unserem sonst wirklich schönen Apartment auch der Esstisch. Das war aber voll egal, weil das Picknick auf dem Boden gemütlich war ich mich fast instagrammig gefühlt habe.

Der #blessed-Hashtag hat sich pikiert verdünnisiert, als der abgepackte Käse und die To-Go-Kaffeebecher kamen.

Hoch motiviert wollten wir uns nach dem lässigen Frühstück auf dem Weg machen. Aber leider waren die Kinder noch nicht fertig mit sagen, dass sie nicht wollen. Als wir dann loskamen, war es erstens spät und zweitens immer noch alles doof. Selber laufen doof, Sachen angucken, die sie selber nicht supergeil finden, doof. Alles doof. Kai Lüftner kann ein tolles Lied davon singen.

Ich kann versichern: Dieses Kind zeigt NICHT den Leisefuchs.

Es war supervoll überall. Und dass es für Kinder, die immer kleiner sind als alle, ätzend ist, kann ich sehr gut verstehen, weil ich auch immer kleiner bin als alle. Trotzdem hat mich an den Tagen in Prag genervt, dass sie erstens kaum 5 Meter am Stück selbst laufen beziehungsweise nichts machen wollten, das nichts mit Netflix, Nintendo oder „Maus und Mystik“ zu tun hat. Es gibt so Tage, an denen trage ich die Kleine dann eben und lache die Nöligkeit des Großen einfach weg. Das sind die guten. Dies hier waren jedoch eher die von der schlechten Sorte, denn ich war verdreht in dieses: SEID GEFÄLLIGST MAL DANKBAR-Ding, das natürlich nach hinten losgehen musste. Es gab Streit und es gab keinen Platz für niemanden. Alles voller Menschen.

Der Clown mit der Thai-Massagen-Fahne kam mir erst suspekt vor, aber im Nachhinein finde ich ihn ziemlich passend.

 

Herziger Lichtblick: Die Kleine, die das Hochzeitskonfetti aufsammelte und rief: ICH SAMMEL LIEBE FÜR EUCH EIN.

 

Tag 3: Egal, wo.

Da der Große die Angewohnheit hat, in seiner Wut wegzulaufen, erschien uns weiteres Geschiebe durch schöne Gassen zu riskant. Den würden wir ja nie wieder finden. Also entschieden wir uns erneut für die Beliebigkeit und fuhren in ein gesichtsloses Outlet, das so angeordnet war, dass wir den Großen immer gut im Blick haben konnten. Auch wenn er sich gerade wütend aus dem Staub gemacht hatte.

 

Die Kleine bei ihrer Lieblingsbeschäftigung: Schaufensterpuppen an die Hand nehmen. Böse Zungen behaupten, sie stellt ihren Bruder nach, der sich in diesem Einkaufszentrum andere Eltern suchen wollte.

Während die Kleine Spass hatte, wollte der Große entweder ein Legoset für fast 100€ oder, naja, leider gab es kein oder. Die Wut war so groß und der Weg daraus so kompliziert, dass der Mann mit der Kleinen allein losfuhr, um sich die Burg anzugucken (was wegen fehlendem Parkplatz und vergessener Jacke nicht klappte) und ich mit dem Großen noch einen Spaziergang machte und wir dann wieder alle in unserer Wohnung herumhingen. Der Große klinkte sich mit Hörspiel aus und die Kleine und ich malten Bilder für den beliebigen Rahmen. Die Kleine und ich haben ohne das Kunsttalent des Großen das Beste draus gemacht und hoffen, dass dieser Bilderrahmen sehr lange so dort hängen bleibt.

Support your local undekoriertes Apartment!

Darüber hinaus ist nicht viel passiert. Wir haben viele Mahlzeiten nicht in Restaurants, sondern auf dem Boden unseres Apartments eingenommen. Die Familie, die neben uns wohnte und morgens und abends mit Rucksäcken und roten Bäckchen an unserem Fenster vorbeiging, wird später vermutlich berichten, dass sie neben einer total üblen Familie gewohnt hat, weil da Pizzakartons oder Conveniencefoodverpackungen von Marks und Spencer rumlagen, deren Inhalt vor dem Fernseher gegessen wurde und außerdem konnten sie sogar von draussen die viereckigen Blitzpiepaugen sehen, die Mutter und Sohn vom vielen Nintendo-Spielen hatten. Ich vermute, die Kinder waren auf uns neidisch und wir auf die Eltern.

Für die einen Sightseeing, für die anderen der Weg zum Auschecken.

Was wir jetzt in Prag gesehen haben?

  1. Von der Stadt kaum was. Aber dafür,
  2. dass so ein Städtetrip mit Kindern mal funktioniert, aber nicht immer so läuft, wie sich die Eltern das vorstellen.
  3. dass für uns dann am besten funktioniert, aktionsmässig auf die Bremse zu treten und zu versuchen, uns so wenig wie möglich darüber aufzuregen, dass wir gerade überall sein könnten.
  4. dass ich genau gucken muss, ob ich genug Energie habe, um die Kinder zu etwas zu bewegen, was sie erst nicht wollen und danach vielleicht gut finden. Habe ich selbst den Elan nicht (und ehrlich gesagt war mir nach Wien auch erstmal nach Pause und Rumhängen), dann versuche ich mich, nicht aufzuregen.
  5. dass es im Internet jede Menge 360Grad-Informationen über Prag gibt, die der Mann sich mit Kopfhörer in unserem Apartment angeguckt hat.

 

Ich komme nochmal wieder, und dann nehme ich statt der Kinder einen Schrittzähler mit. Den werde ich dann durch die Strassen jagen und mir so lange alles angucken, bis er platzt.

  5 Replies to “Drei Reisen: Prag”

  1. 2.11.2017 at 21:00

    Verreisen mit Kindern ist eindeutig anders als verreisen mit Erwachsenen. 🙂 Kenne das, wenn man selbst von der Reiselust getrieben ist, und man manchmal nicht so machen kann, wie man es gerne würde. Andererseits ist das ein guter Grund, irgendwann später noch einmal Prag zu besuchen! 😉

  2. Franzi
    3.11.2017 at 09:11

    Wir haben bei Städtetrips die wir mit unseren dreien gerne unternehmen, immer eine Liste mit Spielplätzen im Gepäck wo wir täglich lange Pausen einplanen. Klappt sehr gut!

  3. 3.11.2017 at 09:46

    Egal ob Städtetrip oder Usedom, es ist doch bei allen das Gleiche.

  4. Molli
    3.11.2017 at 13:34

    Oh ja! Ich unterschreibe nahzu alles. Kleine Rettung neulich: Geo-Caching. Wir hatten uns die App runtergeladen und konnten so manchen Weg zu einer Schatzsuche umfunktionieren. Damit schafften wir es tatsächlich zu einer fantastischen Bergaussicht (jaaa Kinder, da müsst ihr rauf. Wir können auch hier unten bleiben, aber dann finden wir den Schatz eben nicht), zu einem dreiviertelstündigen Strandpromenadenspaziergang und in eine Altstadt. Das war irgendwie ganz spaßig. Aber es gab trotzdem die explosive Mischung aus Tobsucht-Geschwisterrevolte-Dasmachenwirniewieder-IchhasseeuchALLE. So ein paar Ziele kommen einfach auf die Liste mit Orten, die wir mal allein als Paar besuchen werden.

  5. rike
    3.11.2017 at 14:26

    danke für den coolen tipp! das ist ja super, das merke ich mir für unseren nächsten österreich-urlaub. liebste grüße!

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