Mehr Bücher für Erstlesekinder (ohne Pferde und Fussball)

Es ist schon ein Jahr her, dass ich supere Erstlesebücher empfohlen habe. Die sind natürlich immer noch super, aber im letzten Jahr ist einiges passiert.

  1. Die Kleine ist jetzt auch in der Feuerwehrmann Sam-Phase.
  2. Der Mann und ich waren bestimmt zweimal allein aus.
  3. Der Große hat einen Fidget-Spinner, macht den Dab und ist auch sonst sehr, sehr cool.

Punkt drei macht es etwas schwierig, ihm Bücher zu empfehlen. Ich bin nämlich nicht 10, aus der Vierten und was ich sage, ist Gesetz, sondern ich bin eine 41jährige Mutter, die zu viel meckert und zuerst dachte, den Dap schreibt man Depp, weil er so beknackt aussieht.

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Der Große liest jetzt am liebsten Sachen, bei denen Schulkinder in Tagebüchern ALLES peinlich finden oder bei denen Fantasiegestalten sich mit Blut aus flüssigem Kupfer ein Viermannzelt aus Feuer bauen, das schon Dinosaurier verbrannt hat. Oder Lustige Taschenbücher.

Aber ich wäre keine Mutter, wenn ich ihm nicht immer wieder Bücher vor die Nase halten würde, die ich gut finde. Und er dann auch. Ich präsentiere Erstlesebücher mit Action, Zombiekram, Emotionen, und Quatschkram. Ohne „das ist nur für Jungs/Mädchen“ mit „FÜR ALLE!“

Bitteschön:

 

 

 

Willems, Mo: Muss ich was abgeben? Übersetzung: Osberghaus, Monika, Klett Kinderbuch Verlag (2017) Altersempfehlung: ab 5 J.

Von Mo Willems habe ich bereits die Bücher „Das Buch über uns“ und „Bring doch mal schnell die Taube ins Bett“ rezensiert und sehr gemocht. Bei „Muss ich was abgeben?“ kauft sich der Elefant ein Eis und durchlebt dann ein quälendes Martyrium. Weil: Wenn er ein Eis hat, muss er Kumpel Schweinchen dann was abgeben? Vielleicht mag es die Sorte gar nicht? Vielleicht muss Schweinchen auch gar nichts davon wissen? Aber vielleicht ist Schweinchen gerade traurig. Überhaupt: wo IST Schweinchen? Der Elefant sucht seinen rosa Freund und bei allem Denken ist so viel Zeit vergangen, dass das Eis geschmolzen ist und auf den Boden flatscht. Zum Glück kommt in diesem Moment Schweinchen um die Ecke und tröstet den Elefanten: indem es sein Eis mit ihm teilt.

Ein herrlicher Spaziergang durch die ganz normalen Gedanken, wenn es ums Teilen geht.

 

Meyer , Lehmann , Schulze: Die wilden Schulzwerge – Die Klassenfahrt. Illustration: Schulz, Tine. Klett Kinderbuch Verlag (2017) Aus der Reihe:  Die wilden Schulzwerge – Bd.3

Die wilden Schulzwerge kennen wir bereits seit der Einschulung. In dieser Folge geht es um die erste Klassenfahrt. Die Klasse fährt zusammen mit der Lehrerin Frau Schrock, Erzieher Tarzan und Jo, der Mutter von Sofia, auf eine alte Ritterburg. Das klingt cooler als es ist, weil sich die Burgherrin Frau Schröck als blöde Befehlziege herausstellt und die Kinder gar nichts dürfen. Es gibt pappige Vollkornnudeln, Rennen und Toben und irgendwie auch alles andere ist verboten – die Kinder müssen sogar ihre Süssigkeiten abgeben, die sie auf ihrer Mitternachtsparty essen wollten. Aber die wilden Schulzwerge wären nicht die wilden Schulzwerge, wenn sie nicht einen Plan hätten, um die Party trotzdem steigen zu lassen. Sie holen sich den Korb zurück und feiern ihre Mitternachtsparty. MIT den Lehrern und am Ende sogar MIT Frau Grümm.

Die Geschichte ist, genau wie die anderen der wilden Schulzwerge, so leicht und so lebensnah erzählt, dass ich das Buch vor dem Großen schon einmal allein gelesen habe. Es erzählt nicht stieselig und vintagemäßig vom Schulalltag wie Pucky, Hanni oder Nanni, hier ist es wie bei uns: Die Mutter, die die Klassenfahrt begleitet, wird mit Rotwein erwischt und lässt die Kinder mit den Süßigkeiten abhauen, hier wird geraucht, Quatsch gemacht, und hier verlieben sich die Klassenlehrerin und der viel jüngere Erzieher.

Ein superschönes, echtes, entspanntes und spannendes Buch mit einer überschaubaren Textmenge. I <3 the wilde Schulzwerge!

 

Fine, Anne: Die Rückkehr der Killerkatze. Übersetzung: Münch, Bettina, Illustration: Scheffler, Axel, Verlag: Moritz (2017) Aus der Reihe:  Killerkatze Kuschel – Bd.2

Der erste Band der Killerkatze habe ich sehr geliebt. Und ich bin froh, dass es nicht nur Band 34657865 von Gregs Tagebuch gibt, sondern auch Band 2 von der Killerkatze.

Dieses Mal fährt die Familie der Kuschelkatze in den Urlaub und lässt Kuschel, die Killerkatze bei Pfarrer Barnham. Kuschel, der sich gefreut hat, Zuhause die Sau raus zu lassen, fühlt sich bei Pfarrer Barnham wie 15jährige Denisen bei den „Strengsten Eltern der Welt“ und verhält sich auch so. Sie zerkratzt den Sessel, verweigert das Essen und randaliert mit ihrer Katzengang in seinem Garten und machen so viel Krach, dass Pfarrer Barnham meckert und schimpft und blöd ist. Als Kuschel die Schnauze voll hat, flieht sie auf einen Baum, von dem sie nicht wieder runterkommt. Der Pfarrer versucht, mit einem Seil den Ast auf den Boden zu ziehen, katapultiert dadurch aber leider die Killerkatze directly in den Katzenkorb von Melanie, die sich schon immer eine Katze gewünscht hat. Ab da heisst Kuschel Ingrid, trägt ein rosa Nachthemd und wird dreimal am Tag mit Sahne und Thunfisch gefüttert, bis sie dick und rund ist. So entdecken sie ihre Gang-Freundinnen und Freunde und machen sich so lange über sie lustig, bis Kuschel aka Ingrid sich mit ihnen prügelt. In dem Moment kommt die Familie aus dem Urlaub zurück.

Schon etwas mehr Text, aber die Handlung trotzdem einfach, ist dieses Buch so besonders super durch die Sprache. Kuschel erzählt ihre Geschichte in gewohnt rotzigem O-Ton: „Hallo-ooo? Essen Haus ist das? Seines oder meines? Wenn ich die Möbel zerkratzen will, dann tue ich das.“ (Spoiler: Es ist SEIN Haus).

Die angepissteste Krawallkatze lässt sich wieder mal nichts gefallen!

 

Nilsson, Ulf: Kommissar Gordon – Ein Fall für Buffy. Übersetzung: Könnecke, Ole, Illustration: Spee, Gitte. Verlag: Moritz (2017). Aus der Reihe:  Kommissar Gordon – Bd.4

Von Kommissar Gordon habe ich bereits die ersten zwei Bände belobhudelt. Den dritten hat der Mann mit dem Großen gelesen und der vierte ist dieser hier. Er ist ein ziemlich depressiver, sehr friedliebender Kröterich mit eigensinnigen Ermittlungsmethoden. Seine Assistentin Buffy, eine kleine Maus, tauchte plötzlich bei ihm auf. Und im vierten Band will Buffy herausfinden, warum. Was war mit ihrer Mama und ihren Geschwistern passiert? Die beiden ermitteln und erinnern und erleben viele Emotionen, die schön sind und immer abbiegen, bevor die Strasse zu kitschig wird. Ich will gar nicht spoilern, weil dieses Buch in Sprache und Handlung so schön ist, dass ihr euren Kindern nicht erlauben solltet, es selbst oder mit einem anderen Erwachsenen zu lesen. Ka-dunk!

Überschaubare Handlung so liebevoll, tief und leicht erzählt, dass sich das Buch anfühlt wie ein Tag im Wald. Ein sehr, sehr schöner!

 

Fietzek, Petra: Das Lachen wohnt im Bauch. Illustration: Ludin, Marine. Verlag: Klett Kinderbuch Verlag (2016)

 

Dieses Buch hat eigentlich auch der Mann mit dem Großen gelesen. Erst auf den letzten Seiten habe ich übernommen und mich zuerst etwas gewundert, dass der Große so heiß drauf war. Das Buch ist eine Freundschaftsgeschichte, es handelt von zwei Mädchen, die eine ist klein und weint oft. Das ist Anabell, deren Mutter vor einem Jahr gestorben ist. Die Eltern von Meret sind sogar beide tot. Bei diesen Infos habe ich ungefähr dasselbe Gefühl wie nach zwei Folgen „Für alle Fälle Fitz“, falls das noch jemand kennt. „Das ist doch nichts für Kinder“, mag man da denken. Aber wenn man das denkt, dann landet man eben ganz oft bei „Bibi und Tina“ und immer dabei, seine Kinder zu unterschätzen.

Hier lernen sich zwei Mädchen kennen und mögen, die beide ein ziemliches Päckchen zu tragen haben. Die Leserinnen und Leser sind beim Kennenlernen und im Alltag dabei und erleben eine zart erzählte Geschichte voller Tiefe. Und wer denkt, dass ist was für Mädchen, der und dem kann mein Sohn vermutlich ein paar Takte erzählen.

Harte Packung leicht erzählt, und zwar mit viel Gefühl und wenig Schmalz.

 

Veldkamp, Tjibbe: Bert und Bart und der Kuss der Zombies. Übersetzung: Erdorf, Rolf, Illustration: de Boer, Kees. Verlag: FISCHER Sauerländer (2014)

Und wo wir gerade bei Klischees sind: Im Infotext zu diesem Buch steht: „Ein herrlich schräger Lesespaß für Jungs und ihre Väter!“ NOPE! Also zumindest bei uns nicht. Der Mann hasst Gruseln und ich verstecke mich regelmäßig hinter Türen oder in Duschen, um das Grudge-Gesicht zu machen und ihn zu erschrecken. Deshalb habe auch ich dieses Buch mit dem Großen angefangen zu lesen, bis eine/r von uns vor Gruselung aufhören musste. Kleiner Tipp: Die Person, die weiterlesen wollte, hatte Brüste.

Es geht um Bert und Bart (von denen es auch schon ein Vorgängerbuch gibt). Die wollen eigentlich in Ruhe ihre Comics lesen, aber ihre ambitionierte Mutter kommt mit Doktor Hans Eisenhart an und will im albernen Optimierungs- und Harte-Jungs-Wahn aus den Jungs „Gewinner“ machen. Das nervt natürlich. Weil Dr. Eisenhart voll schlau alle Comics aus der Bücherei ausgeliehen hat, leihen sich Bert und Bart ein Zombie-Handbuch aus, mit dem sich eine Zombie-Plage auslösen lassen könnte. Zuerst erwecken sie auf diese Weise Zomba, das beleidigte Zombiemädchen, das immerfort küssen will, aber nicht darf (an dieser Stelle wollte der Große nicht weiterlesen). Wie viele Zombies noch dazukommen und ob sie Bert und Bart dabei helfen, den Sportwettkampf gegen Dr. Eisenhart und seine Mutter zu gewinnen, damit sie wieder Comics lesen dürfen, verrate ich hier überhaupt gar nicht. Aber es hat Spaß gemacht, zu lesen. Auch alleine.

Großer Zombiespaß mit ein bisschen Klamauk und verstecktem Hinweis darauf, dass Jungs auch rumliegend und comiclesend super sind.

 

Ich danke von ganzem Herzen den Verlagen Moritz und Klett Kinderbuch für die Rezensionsexemplare und für die Bücher. <3

 

 

 

 

 

  2 Replies to “Mehr Bücher für Erstlesekinder (ohne Pferde und Fussball)”

  1. 4.9.2017 at 22:35

    Vielen, vielen Dank für diese Tipps! Ich bin auch auf der Suche nach guten Büchern, die mehr können als die bekannten Themen „Fußball“, „Der Neue in der Klasse“ oder was es sonst so auf dem Markt gibt.

    Ihre Rezession ist richtig, wir unterschätzen unsere Kinder. Und mein Sohn und ich vermissen oft diese gewisse Art von Humor.

  2. rike
    11.9.2017 at 15:17

    Vielen lieben Dank für den netten Kommentar! Ich hoffe, ich finde weiterhin so tolle Bücher von so tollen AutorInnen, damit Sie und Ihr Sohn hier häufiger fündig werden.
    Herzliche Grüße!

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