Was schon immer so war ist jetzt viel schöner!

Kennt ihr noch die Quartett-Spiele von früher? Am allermeisten erinnere ich mich daran, wenn wir wie aus der Pistole geschossen STICHT gerufen haben. Pistole. Stechen. Womit ich schon beim Thema der meisten Quartette wäre, die mich meistens einen Scheiss interessiert haben. Hubschrauber. Panzer. Flotte Flitzer aka Rennautos. Kriegsschiffe. Blöd.

Gerade, weil ich so gern Quartett gespielt. Aber jetzt kommt’s: Der Laurence King Verlag, der jetzt auch auch deutschsprachige Titel veröffentlicht hat Quartetts im Sortiment, die gemeinsam mit 20 Nilpferden auf meinen Nerven Trampolin springen. Kein Krieg. Keine Fahrzeuge. Nein: Hunde. Künstlerinnen und Künstler. Und wo der Verlag gerade so meinen Nerv trifft, macht er gleich noch damit weiter: Mit einem Spiel, in dem wir uns die Märchen selber zusammenpuzzlen können. Fussboden frei für drei prima Spiele:

 

Aguado, Emma , Horner, Polly: Hunde. Best in Show. Das Hunde-Quartett. Übersetzung: Korn, Ulrich. Verlag: Laurence King Verlag GmbH (2018). Altersempfehlung: ab 8 J. 9,90 €

Schon bei der Verpackung habe ich gewonnen, weil sie gleich drei meiner Favoriten zeigt: Einen Dackel, den Vornamen Polly und den Hinweis, dass es sich um ein Quartett handelt.

Vor Kurzem hat ein Erzieher unserer Kita ziemlich den Nagel auf dem Kopf getroffen. Er markierte mich in einem Facebook-Post, in dem Rauhaarteckel ein neues Zuhause suchten. Ich kommentierte zwar, dass wir noch nicht so weit sind, da die meisten Familien sich ja erst einen Hund zulegen, wenn das jüngste Kind in der zweiten Klasse ist, aber ich denke ziemlich oft an einen Hund. Die Kleine ist schon vier, und auch wenn sie jede Nacht beweisen will, dass es Menschenmagnetismus gibt, ist sie tagsüber ganz schön groß und nicht mehr so kuschelig. Der Große zählt sowieso die Tage, bis er ausziehen kann bzw. zählt bis drei und droht mit Auszug.

Leider hat mich in den letzten 9 Jahren dieses Gefühl, immer jemanden zum Kuscheln zu haben, mehr angefixt hat als das Geheimrezept von Walter White. Deshalb sage ich immer, wenn die Kinder sagen:

‘ICH HÄTTE SO GERN EIN HAUSTIER’

‘NEIN, DANN BIN AM ENDE JA DOCH ICH DIE, DIE SICH KÜMMERT’

Dabei denke ich allerdings im Stillen: ‘Ach, das wäre schön, die zu sein, die sich um einen Hund kümmert.’

Leider passt ein Hund noch nicht so ganz in unseren zugetackerten Alltag. Aber ich kompensiere es mit Quartett. Das für mich dank der informativen Kategorien gleichzeitig ein ziemlich gutes Hundecasting ist.

Wir gucken ja auch gern mal was. Deshalb denken wir bei diesen Hunden auch gleich an Serien. V.l.n.r.: Rapunzel (Dirk Gentlys holistische Detektei), Rubble (Paw Patrol), Marshall (Paw Patrol).

Echt mal: Die Kategorien sind super zum Spielen und machen so viel mehr Spaß als Hubraum, Knoten oder Rotordurchmesser, die Bilder sind süss und wir spielen oder gucken uns auch einfach nur die Bilder an, sortieren sie nach Süßigkeit oder Farbe – oder suchen uns für später schon mal unseren Lieblingshund aus. Wuff!

 

 

Cahill, James , Sommer, Mikkel: Das Kunst-Spiel. Die Asse der Kunstwelt. Übersetzung: Korn, Ulrich. Verlag: Laurence King Verlag GmbH (2018). Altersempfehlung: ab 10 J. 9,90 €

Ceci n’est pas un Kunstquartett.

Eins ist klar: in unser Zuhause wird es eher ein Hund schaffen als ein Kunstwerk dieser Künstler*innen. Aber ja nicht, weil ich die Kunst blöd finde, sondern leider unerschwinglich. Erschwinglich, lehrreich UND Spielspass hingegen ist dieses Quartett. Wir erfahren was über die Künstler*innen, spielen und nach dem Spiel geht das neugierige Gegoogle los und huch: schon wieder schlauer!

Persönliches: Ich bin 1999 in Bristol ständig an Stencils von Banksy vorbeigelaufen. Ich habe in Germanistik mal ein für viele verstörendes Referat über Cindy Sherman gehalten. Ich mag Gerhard Richter. Ich google Louise Bourgeois.

Nicht so toll am Quartett finde ich den geringen Frauenanteil. Deshalb erzähle ich jetzt als nächstes ein Märchen, in dem NICHT am Schluss geheiratet wird.

 

Die Märchen-Box. Erfinde Deine eigenen Geschichten. Übersetzung: Korn, Ulrich, Illustration: Laval, Anne. Verlag: Laurence King Verlag GmbH (2018). Altersempfehlung: ab 4 J. 14,90 €

 

 

Wie auf der Verpackung steht, befinden sich in dieser Box sehr wunderbar illustrierte Puzzleteile mit insgesamt 40 Handlungsstücken, die die Spieler*innen sehr bunt durcheinanderpuzzeln und dadurch unzählige Geschichten unzählige Male durcheinanderspinnen können. Das gefällt mir sehr gut, denn die klassischen Märchen finde ich oft ein bisschen, äh, sagen wir, starr. Und blutrünstig. Aber hier hamwer die klassischen Figuren, die auch mal Motorroller fahren und so viel Quatsch erleben, das kannste dir nicht ausdenken. Äh. Doch, klar. Das ist ja das Spiel. Hier ein schnelles Beispiel. Hihihi.

Es war einmal ein König, der wurde von allen nur Grüßaugust genannt. Eigentlich wollte er nur ein freundlicher Herrscher sein wollen, aber er hatte den Arm so lange grüßend in die Luft gehalten, bis der einfach so blieb. Seine Tochter Petra nervte diese uncoole Winkerei total. Auch, weil er ihr immer wieder bei ruckartigen Bewegungen seinen Arm ins Gesicht haute und ihr so schon acht Mal das Nasenbein anbrach. Als es das neunte Mal passiert war, hatte ihre Tante (wegen Fasching im Hexenkostüm) einen Plan.

“Siehst du diese Kanne?”, fragte die Tante. “Mit der dengel ich den Grüßarm von deinem Vater einfach ab.” “Nice Idee”, freut sich Petra. Noch fröhlicher wurde sie, als der Plan wirklich funktionierte. Zur Feier des Tages gab es Limo und Sekt für alle und eine Action-Armprothese mit Winkfunktion für König Grüßaugust.

Vor lauter Feierei hatte die Partygesellschaft leider gar nicht genau auf die Spinne geachtet, die sich, mit einem Partyhut gut getarnt, an das gereizte Hundekaninchen vom Stallbuschen pirschte. Die Spinne hapste dem Hundekaninchen den Fuss und BÄM – wurde es zu Godzilla im Hasenkostüm. Nur, weil Petra in der Kanne der Hexe eine alte Möhre fand, mit der sie zum Kopf des Hundekaninchens flog, um ihm eine Karotte in den Schlund zu werfen, war das Schloss gerettet. Puff, puffte das Hundekaninchen und war wieder klein und vielleicht sogar ein Hase geworden.

Petra hat die Aktion derbe gefeiert und wollte, obwohl die Geschichte gleich zuende ist, überhaupt nicht den Typen, der den Besen festhält, heiraten und bis an ihr Lebensende mit ihm glücklich und zufrieden sein. Sie wollte viel lieber ihrer Tante helfen. Die war ja eigentlich nur eine Tante und hatte auf wundersame Weise trotzdem geschafft, aus dem Grüßaugust einen Frosch zu zaubern. Selber den August küssen wollte sie nicht, er war ja ihr Bruder. Ach kacke. Wer sollte August denn jetzt küssen? ‘I-hich’, meldet sich da die Schlange. Sie bat die Tante, den Lipgloss herauszuholen, den sie für alle Fälle immer unter der Mütze trug und machte sich bereit für romantische Küsserei, bis der König kommt. Ende.

 

Dieses Märchen-Karaoke macht Spass und ermutigt, die Klischees umzudrehen beziehungsweise wegzupuzzeln. Klar, manchmal wirkt die Geschichte ausgedacht und ohne Zusammenhang oder durchgeknallt ohne roten Faden. Aber erstens ist das der Tatort auch und zweitens klingen für mich die vom Großen nacherzählten Scooby-Doo-Folgen auch so. Dieses Spiel pustet das Hirn durch, ermuntert zum hemmungslosen Quatschreden und macht genau das richtige mit Märchen: es lässt uns mit ihnen aufräumen.

 

Ich danke dem Laurence King Verlag für die Rezensionsexemplare.

 

 

 

 

 

  One Reply to “Was schon immer so war ist jetzt viel schöner!”

  1. Silah
    16.2.2018 at 05:02

    Die Märchen-Box ist super! Danke für deine überzeugende Rezension 😉 Nun haben wir ein neues Gute-Nacht-Ritual.

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