Mit Kindern kochen – und jetzt sogar essen.

 

Auszug aus Muttergefühle. Zwei von Rike Drust

Kulinarischer Auszug aus meinem aktuellen Buch: Muttergefühle. Zwei.

Sagen wir mal so: Meine Kinder rufen beim Essen eher um Hilfe als um Nachschlag. Und diesen Auszug in einem Blogbeitrag zum Thema Kinderkochbücher zu zeigen, ist natürlich mutig. Aber tatsächlich habe ich auf meiner immer noch andauernden Suche drei Kinderkochbücher gefunden, die die ganze Familie toll finden. Das liegt ein bisschen daran, dass eines der Bücher leer ist, aber das erkläre ich später. Hier kommt das erste:

 

Sander, Gesa, Seifert, Claudia, Hoersch, Julia: Kinder kocht! Wir kochen und backen uns durch das ganze Jahr. Fotos: Hoersch, Julia. Verlag: AT Verlag , AZ Fachverlage , 3. Aufl. (2013), 26,90 €

Kinderkochbücher

Unbekocht gekauft wegen der schönen Gestaltung.

Irgendwann, als die Kleine noch gar nicht da war, habe ich dieses Buch mit ein paar anderen Kinderkochbüchern gekauft, weil ich, wie oben angedeutet, dem Großen das Kochen und vor allem das Essen schmackhaft machen wollte. Alle anderen Kinderkochbücher aus der Zeit habe ich inzwischen aussortiert, dieses steht eisern in unserem Regal. Und leider muss ich gestehen: der Große hat noch immer kein einziges Gericht daraus gekocht, aber zumindest ein paar gegessen. Aber die Kleine liebt beides, kochen UND essen!! Sie mag das Buch einfach angucken und beschließen, was wir als nächstes kochen. Das Geschnetzelte, zum Beispiel, machen wir tatsächlich ganz schön oft, geht schnell und ist lecker. Und das Fish’n’Chips-Rezept ist auch sehr super. Die Kleine übernimmt dann immer die Panierstation und fühlt sich groß und chefköchinnigig (GENDERWAHN!!!).

 

Mit dem Herd des Malers Hieronymus Bosch geht das Braten der Fish’n’Chips-Stücke wie von selbst. Darauf einen Cappucino!

Das tollste am Fish’n’Chips-Rezept ist die Mayonnaise. DIE IST SOOOO LECKER. Der Mann hat sogar, als er seine Kartoffelspalte reingetippt und sie probiert hat, wie in einem schlechten Werbefilm überrascht geguckt und “MMMMHHHHHH” gemacht.

Meine Top 3: 1. die Gestaltung. 2. die wirklich gute, kindgerechte Beschreibung beim Kochen 3. die Mayonnaise (nördlich von Neuseeland)!!!

Die Rezepte im Buch sind nach Jahreszeiten und auch noch ein bisschen untersortiert. Das finde ich ein bisschen schwierig, weil wir alle 12 Monate Nudeln mit Sauce essen, ohne unsere Klimabilanz mit Flugmangos abzuschiessen.

Das Inhaltsverzeichnis weicht stark ab von der üblichen Vorspeise-Hauptspeise-Nachtisch-Struktur.

Um schöne Gerichte zu finden, muss man also ein bisschen blättern und leider sind meine Kinder bei vielen Dingen so krüsch, dass wir mit vielen Gerichten noch mit dem Kochen und Backen warten müssen, bis sich z.B. der Ekel vor Kräutern oder Obst im Kuchen weiter gelegt hat. Toll finde ich das Kapitel mit internationalen Rezepten, die Kinder vorstellen, die aus dem jeweiligen Land kommen. Bis wir alles kochen können, was drinsteht, freue ich mich weiter über die Fisch panierende Kleine, die beim Essen stolz sagt: BITTE FÜRS KOCHEN <3

 

Der Silberlöffel für Kinder. Lieblingsrezepte aus Italien. Verlag: Edel Germany (2012), 19,95 €

Ich bin parteiisch, ich gebe es zu. Meine Liebe zu Italien und zu italienischem Essen macht dieses Buch fast automatisch zu meinem Favoriten.

Tipp: Die Erwachsenenausgabe gibt es nicht bei der Tankstelle unterm Tresen, sondern im Laden. Noch ein Tipp: Besser nicht kaufen, wenn danach noch ein langer Fussmarsch ansteht (sehr sehr schwer).

Grundsätzlich finde ich an der italienischen Küche so großartig, dass man für die Zutaten nicht erst einen verrückten Medizinmann in Maumau schlagen muss, damit der einem drei Prisen dieses seltenen Krauts überreicht, auf dem seine Schwiegermutter jede Nacht bei Vollmond gesessen hat, bekleidet mit einer mit ausschließlich linken Maschen gestrickten Kaschmirunterhose. Bei so vielen Gerichten reichen gefühlt Möhren, Sellerie und Tomate und es schmeckt meistens so, als hätte die Kaschmirunterhose der Dalai Lama persönlich gestrickt!

Könnten die Kleine und ich der Reihe nach wegkochen. Amore für dieses Kochbuch!

Aus diesem Buch haben wir schon eine Menge gekocht, und bis jetzt hat alles geschmeckt. Die Kleine hilft, im Gegensatz zu ihrem Bruder, auch hier gern mit und schnibbelt und bestreicht und rührt.

Rindfleischeintopf. Ich kriege zwar Gulaschfleisch nie so weich hin, dass nach dem Essen alle ZAHNSEIDE rufen, aber trotzdem war es sehr lecker (und einfach)!

Hier bitte sehr viele Hashtags einfügen von foodporn über yummi und so weiter.

Nex Stop Lasagne: Die Zeit war ziemlich zäh, als die Kleine die Bechamelsaucenschicht übernahm. Deshalb musste es beim Essen so schnell gehen, dass ich erst bei der leeren Auflaufform merkte: HUCH! Kein Foto gemacht. ES WAR SCHEISSLECKER!!!! Einzige Anmerkung: im Rezept stand nix von Salz. Musste aber natürlich ran.

Einfach erklärt und tatsächlich der erste Selbermachpizzateig, der nicht so geklebt hat, dass ich der Einfachheit halber gleich meine vollgepappten Finger belegt habe.

Pizza mit oder ohne Rand: bei uns war eines möglich.

Eigentlich finde ich selbstgemachte Pizza immer geht so. Aber bei der Pizza aus dem Silberlöffel störte mich nur, wie mein Backofen aussieht. Deshalb: TI AMO, PIZZA AUS DEM SILBERLÖFFEL!

Fazit: Dieses Kinderkochbuch hat einen festen Platz neben unserem Herd, und Herd hätte ich wegen Freud fast mit Z am Schluss geschrieben. Denn hier ist die Schnittmenge von Rezepten und Gerichten, die tatsächlich alle essen, sehr groß. Aber weil auch hier natürlich nicht alles gemocht wird, und genau genommen aus jeden Buch immer nur eine Handvoll Sachen in die “Herd-Heavy-Rotations” kommen, und wir zusätzlich auch immer viele Rezepte von chefkoch.de oder von Apps wie KptnCook nachkochen, hatte ich noch eine andere Idee: Wir tragen einfach alle unsere Lieblingsrezepte in unser eigenes Familienkochbuch ein. Dann haben wir alles aus allem zusammen, was wir gern essen. Und ich habe sogar ein Buch gefunden, bei dem ich nicht nur die Idee, sondern auch die Gestaltung ganz ganz super fand.

 

SUCK UK. My Family Cook Book. Gibt es günstig bei amazon, in der Galeria Kaufhof in Köln oder bei Connox Hannover.

Kommt ohne karierten Tischdecken und Schneebesen aus: “MY FAMILY COOKBOOK” von SUCK UK

In dieses Buch können wir alles eintragen, zum Beispiel, wer an ihm mitschreibt, alle Mitschreiber werden übrigens Guardian genannt, was ich schön finde. Zusätzlich gibt es noch einen Familienstammbaum mit Platz für Fotos, und natürlich Platz für unsere Rezepte:

Und wieder: keine muffige Schnickschnackgestaltung, sondern schlicht und mit viel Platz für die ganze Familie. i like very much!

 

Nach “Für mehr Realität auf Instagram” kommt mehr Realität in Kochbüchern. I like.

 

Habt ihr noch Tipps? Da ich gerade andauern kochen könnte (Ich war sogar in einem Laden und habe eine rote Kitchenaid gestreichelt), suche ich weiter und freue mich über Hinweise zu Büchern, die ich noch nicht kenne.

Ich danke außerdem dem edel Verlag und SUCK UK für die Rezensionsexemplare.

 

  10 Replies to “Mit Kindern kochen – und jetzt sogar essen.”

  1. Lauralotte die Orgel
    18.9.2017 at 11:44

    Liebe Rike, liege mit Migräne im Bett und dieser Beitrag war echtes Soulfood für mein schmerzgeplagtes Hirn. Unaufgeregt genug, dass nix noch mehr weh tat, aber viele Humorprisen, die mich für einige Momente den Schmerz wegschmunzeln ließen. Das Hirn hat sich kurz entspannt und dabei wohlig “Ach Rike…” geseufzt. Obendrein fühle ich mich nun als hätte ich gerade leckeres Gulasch gegessen und nicht nur an meinem trockenen Brötchen genagt. Danke fürs Kochen und Fotografieren und Schreiben! (Irgendwo waren ungefähr 3-4 Schreibfehler in Deinem Text – falls Du da noch was korrigieren magst. Leider konnte das Hirn sie heute nicht behalten.)

  2. rike
    18.9.2017 at 12:09

    Migräne ist grundsätzlich ein Arschloch und ich freue mich als ebenfalls betroffene, dass ich dein Hirn etwas aufheitern konnte. Jetzt mach bitte schnell das Licht aus und schlaf eine Runde, ja?
    Und: die Fehler habe ich hoffentlich beseitigt, danke für den Hinweis <3

  3. 19.9.2017 at 21:24

    ich hüte kochbücher ohne sie zu nutzen. im (hunger-) wahn angeschafft und dann doch wieder so weitergekocht wie bisher. aber dieses eine, das deine, brauche ich dann wohl auch noch. kinder, kocht! allein deine ausführungen dazu, zwischen den zeilen mehr als geschmunzelt, und spätestens bei der gestreichelten kitchen aid – you made my day !

  4. Catharina
    19.9.2017 at 22:06

    Mein Favorit aus Kindheitstagen: Kochbuch für Kinder von Sybil Gräfin Schönfeldt, Ravensburger. Gibt es bestimmt nur noch antiquarisch… 🙁
    War aber so schön grundschultauglich aufbereitet, dass ich mit dem Nachkochen anfing, sobald ich hinreichend lesen konnte….

  5. rike
    20.9.2017 at 08:57

    das macht mich sehr fröhlich! danke für den netten kommentar und hoffentlich viel kocherei mit dem buch <3

  6. rike
    20.9.2017 at 09:01

    das klingt spannend, da stöbere ich mal antiquarisch rum! Liebe Grüße!

  7. 21.9.2017 at 13:53

    Den Silberlöffel habe ich auch gekauft, unter anderem wegen der Gestaltung und weil schon Leseanfänger den Rezepten folgen können. Sehr schade finde ich, daß im ganzen Buch auf Salz verzichtet wird (habe irgendwo gelesen, die Autorin fände das ungesund für Kinder) – aber das nirgends gesagt wird. Also, “Salz”-Stempel machen und in jedes Rezept stempeln, dann geht’s. Und schmeckt auch.

  8. rike
    22.9.2017 at 09:21

    Das ist echt ne gute Idee mit dem Stempel, weil mich das Salzthema auch etwas irritiert hat. Dieses Wochenende machen wir die Thunfisch-Frittata. Mit Salz. Liebste Grüße!

  9. Nele
    8.10.2017 at 12:20

    Ha, wie wunderbar! Danke! Der schwere Silberlöffel für Große hat einen ganz festen Lieblingsplatz im Herz und am Herd, aber natürlich essen die Kinder mit Mühe den Apfelrührkuchen daraus. Nach dem für Kinder gucke ich mal! Und nach dem anderen auch.

    Hoffentlich steht viel mit Kartoffeln drin. Der Kleine isst Kartoffeln in verschiedener Form (nicht in jeder natürlich), Hühnchen aus dem Ofen und Spaghetti Bolognese nach meinem Rezept und Pfannkuchen. Schnittmenge mit dem großen Kind: zwei (2!) warme Gerichte.

    Gestern habe ich Peanut-Fladen aus dem „Kochen für Kinder“-Buch gekocht, das ich irgendwie zu pädagogisch finde. Der Kleine hat schon vor dem Kochen gesagt, er würde das nie im Keben essen, der Große, der Erdnüsse liebt, hat mit angeekeltem Gesicht einen Puffer heruntergewürgt.

    Familien-/Kinderkochbbücher, die ich trotzdem toll finde: Küchenglück (ja, klingt schlimm, aber einige Rezepte machen wirklich glücklich und es hat riesigen Spaß gemacht, Marshmellows selbst zu machen, auch wenn sie dann keiner essen wollte…) und „Schlampenküche für verspielte Mütter“. Klingt noch schlimmer, ist aber fast so gut wie das Schlampenkochbuch für Erwachsene, wenn auch mehr für kleinere Kinder. Tenor: gaaaaanz entspannt, mit ohne Perfektionismus, dafür viel Humor.
    Liebe Grüße!

  10. rike
    9.10.2017 at 09:17

    So, ich habe deine Tipps eifrig mitgeschrieben. Wer den schweren Silberlöffel mag, kann bei den anderen Tipps auch nicht falsch liegen. Sobald ich die ersten Bücher habe und die Gerichte auf dem Tisch stehen, sage ich Bescheid! <3 Lieben Dank!

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