Underperforming ist das neue Männchen!

Seit einiger Zeit merke ich mein fortgeschrittenes Alter an den sehr antiqierten, sich reimenden Dingen, die ich vom Stapel lasse. “Viele Hände, schnelles Ende”, sagte ich vor Kurzem zum Beispiel, als es ums Aufräumen ging, und ich bin froh, dass meine Kinder so höflich waren, NICHT zu kotzen oder die Augen zu rollen, dass sie sich selbst zwischen die Schulterblätter gucken können, würden sie sich ein Loch in seinen Kopf bohren, womit ich gleich zu meinem nächsten Oma-Spruch komme. Er heisst “Von hinten durch das Knie ins Auge” und beschreibt sehr gut den Weg, wie ich auf dieses Buch gekommen bin.

Also: Ich bin großer Fan von Kathrin Schärers Illustrationen, also RICHTIG gross. Von ihr, besonders von den Büchern, die sie mit Lorenz Pauli gemacht hat, kann unbesehen alles gekauft werden. Über diese Liebe sprach ich mit der supersten Juli liest, die auf ihrem Blog die Rubrik “Und was liest du so?” hat, auf der sie Leute, die mit Büchern zu tun haben, fragt, was sie so lesen. Und Juli hat Kathrin gefragt. Und Kathrin Schärer sagte, es ist dieses Buch:

 

Offill, Jenny , Appelhans, Chris: Lucky! Übersetzung: Sophie Birkenstädt. Verlag: Aladin (2016). Altersempfehlung: ab 4 J. 12,95 €

Gestatten: Lucky das am underperformendste Haustier.

Die Geschichte beginnt damit, dass sich das Hauptfigurkind ein Haustier wünscht. Die Mutter will keins, weil sie keine Lust hat, sich nach einer Woche allein um Essen, Gassigehen und Kackwürste einsammeln zu kümmern und denkt sich Kriterien aus, die ein Haustier haben müsste (weil sie denkt, die kann kein Haustier erfüllen). Aber Pustekuchen: Ein Faultier it is! Denn das schläft eigentlich nur oder sitzt rum und hat meines Wissens nach auch nur alle paar Tage mal Stuhlgang. Das Faultier wird also in einem Karton in Empfang genommen und auf den Namen Lucky getauft!

Luckys weiteren Lieblingsspiele: Sofaplätze anwärmen, Dellen in Äste hängen und Stilleben-Modell sein.

Alles ist voll super, wäre da nicht Mary Potts, die angeberische Streberziege mit Katze und Papagei, die alle drei tanzen und sprechen können. Marys Rumgepose verleitet das Hauptfigur-Mädchen zur Behauptung, Lucky könne jawohl selber auch Kunststücke. Ätsch.

Ob das eine so gute Idee war?

Sieben Tage wird mit Lucky geübt, aber Lucky ist als Faultier nicht an der Performance von Männchen oder Sachen aufsagen oder Stepptanz interessiert. Lucky ist Underperformer aus Überzeugung. Während er das Stöckchen holt, kann die Hauptfigur zum Beispiel in Ruhe Abend essen (ich kenne das übrigens noch aus den Anfängen meiner Studentinnenzeit, als ich Kaffee zubereiten und austrinken konnte, während mein 386er meine Hausarbeit zwischenspeicherte).

Die Vorstellung des Faultier-Spektakels geht wie zu erwarten nach hinten los, Mary Potts zickt noch was zum Abschied und geht dann wieder ihre Tiere dressieren. Und das Kind mit dem Faultier? Dem ist es zum Glück am Ende egal. Es einfach so zufrieden. Herrlich.

Lucky End! Gähn.

 

Ich mag diese Buch, weil es gemeinsam mit Lucky wunderbar auf die Bremse tritt. Es ist, wie nach einem superstressigen Tag die Kinder abzuholen und plötzlich an jedem herumliegenden Blatt oder Kronkorken 15 Minuten stehenbleiben zu müssen. Um festzustellen: Genau das habe ich gebraucht.

 

Abgesehen von der schön langsamen, schön illustrierten und ideenreich geschriebenen Geschichte ist dieses Buch natürlich auch deshalb toll, weil ein Faultier drin vorkommt. “Sloth” ist nach “Was tun bei echt heftigen Wutanfällen” eines meiner meistgegoogelten Begriffe, und wisst Ihr warum?

Darum:

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Und wenn ich mal in echt ein Faultier treffen könnte, würde ich vermutlich so reagieren wie Kristen Bell:

 

Ich danke dem Aladin Verlag für das Rezensionsexemplar und dem Internet für Verstrickungen, tolle Menschen und Faultiervideos.

  One Reply to “Underperforming ist das neue Männchen!”

  1. 25.11.2017 at 14:29

    <3

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