Guten Abend, keine Nacht.

Während der Mann sich zwischen Steven Tyler und Klaus Meine auf dem Konzert der Rolling Stones gerade vermutlich richtig jung fühlt, bin ich mit den zwei Kindern (das Baby, 7 Monate und dem Kind, 5 Jahre) allein zu Haus. Wir haben unser Abendbrot auf dem Balkon gepicknickt, ich habe das Baby bettfertig gemacht und der Große sich oberkooperativ ebenfalls. Das heisst nicht, dass jetzt für mich das große Füße hochlegen anfängt.

19:30 Das Baby ist im Bett. Sie wühlt sich den Schnuller aus dem Mund, um dann zu weinen, weil der Schnuller weg ist.

19:45 Das Baby schläft endlich. Ich gehe runter und räume auf, während der Große seine Sendung zu Ende guckt. Dann räume ich auf. Ich räume immer auf.

19:55 Wir lesen zu viele Kapitel vom dritten Teil von Räuber Hotzenplotz.

20:30 Wie eigentlich jeden Abend wundere ich Trottel mich, dass das Kind nicht entsetzt die Augen aufreisst, dann mit Anlauf und Köpper ins Bett springt und verzweifelt die Augen zukneift, wenn ich ihm sage, dass es schon total spät ist und es eigentlich schon lange schlafen müsste. Stattdessen ist es lieber noch gar nicht müde und will oben in meinem Bett schlafen. Ich bringe das Kind in mein Bett und kuschel es ein. Dann gehe ich runter.

20:45 Das Kind steht im Wohnzimmer und will jetzt doch nicht mehr oben schlafen. Es geht wieder in sein Zimmer.

20:50 Das Kind kommt zu mir und fragt, ob es eine CD hören darf. Ich erlaube es. Geraschel aus dem Kinderzimmer.

21:00 Das Kind kommt wieder ins Wohnzimmer. Es will eine CD über Frieden. Alle CDs, die es hat, sind seiner Meinung nach mit Krieg. Es entscheidet sich nach einem 10-minütigen Monolog über Krieg und Frieden für ‚Deine Freunde‘. Aber ohne das Lied Gruselgefahr. Es hält einen 10-minütigen, verstörenden Monolog über lange Krallenfinger und darüber, warum es auf keinen Fall Gruselgefahr vor dem Einschlafen hören kann.

21:30 – 21:40 Stille. Leise Musik von ‚Deine Freunde‘. Ich strecke mich aus.

21:41 Das Kind kommt in die Küche gehumpelt und holt sich ein Kühlpack für seinen schmerzenden Fuss. Auf dem Rückweg humpelt es mit dem anderen Bein.

21:42 bis 21:50 Stille. Leise Musik von ‚Deine Freunde‘. Ich strecke mich aus.

21:51 Leise „Opa“-Rufe kommen aus dem Kinderzimmer. Ich reagiere nicht.

21:53 Die „Opa“-Rufe werden lauter. Das Kind fängt an, dramatisch zu wimmern. Es ruft abwechselnd „Opa“ und „Oper“.

21:55 Ich gehe ins Schlafzimmer.

„Was ist denn?“

„Ich vermisse meinen Opa.“

„Welchen?“

„???“

„Du kennst deine Opas doch gar nicht.“

„Aber ich bin traurig, weil sie tot sind.“

Ich nehme das Kind in den Arm. Ich frage mich, ob das jetzt ernst ist oder Schlafvermeidungstaktik?

„Ich habe durch den Schlitz im Fenster gerufen, dass es mir leid tut, dass sie von den giftigen Sachen gegessen haben.“

„?????“

22:00 Ich gehe zusammen mit dem Kind ins Schlafzimmer und lege mich mit ihm hin. Die Sehnsucht nach Opa und Oper ist wie weggeblasen.

„Weisst du, der blaue Ninja, der …“

„Ich will mich jetzt nicht über Ninjas unterhalten.“

„Über Feuerwehrmann Sam?“

„Nein.“

Ich stelle mich schlafend. Ich schlafe ein. Das Kind macht es mir nach.

23:00 Das Baby wacht auf. Ich gebe ihm was zu trinken, bekuschel es ein bisschen und alle schlafen weiter.

00:45 Geraschel. Das Kind schleicht durchs Schlafzimmer.

„Was machst du da?“

„Ich will hier lieber auf dem weissen Fell schlafen.“

„Auf dem Schaffell? Auf dem Boden? Wieso das denn?“

„Mir ist zu heiss.“

„Dann geh lieber runter in dein Bett.“

„Bringst du mich?“

Ich bringe das Kind in sein Bett. Als ich wieder hochkomme, ist das Baby wach.

00:50 Das Baby macht fröhliche Pupsgeräusche mit dem Mund und strahlt mich an. Ich bin dankbar, dass Babys so niedlich aussehen. Würde hier Klaus Meine liegen, hätte ich ihm wahrscheinlich schon seine schwarzen Fusselhaare angezündet.

01:30 Das Baby schläft wieder.

01:30 – 02:30 Ich liege wach und male mir verschiedene Verkehrsunfälle aus, die der Mann auf dem Nachhauseweg von Berlin hat. In Gedanken erkläre ich unseren Kindern, warum der Papa nicht mehr da ist/nur noch ein Bein hat/nicht mehr alleine essen kann o.ä.

02:31 Ich schlafe ein.

02:32 Der Mann schickt eine SMS, dass er bald da ist.

02:32 – 03:00 Ich lese das Internet durch.

03:00 Ich schlafe ein.

05:30 Das Baby wacht auf.

05:31 Ich stille das Baby. Es schläft noch mal ein. Ich schlafe noch mal ein.

06:00 Das Baby wacht auf. Ich stille es noch mal. Es schläft noch mal ein.

06:30 Ich gucke nochmal nach, ob ich das Internet auch wirklich durchgelesen habe und schlafe dabei ein.

06:31 Der Große kommt rein, will sich bei mir ankuscheln und quetscht dabei meine Brust ein. Ich bin endgültig wach. Das Baby jetzt übrigens auch.

06:32 Die beiden freuen sich wirklich, sich zu sehen. Der Große singt, die Kleine strahlt. Ich bin glücklich und dankbar, diese Kinder zu haben und google ‚Concealer‘.