Wütender Gastbeitrag: Wenn kindkrank für Arbeitgeber bedeutet, dass die Mutter ranmuss.

Wenn alle, die von dieser Geschichte ein Lied singen können, es tatsächlich täten, würde Gotthilf Fischer aber mal ganz alt aussehen. Aber es wäre toll, wenn wir es nicht nur singen, sondern rausposaunen würden: MÜTTER KOMMEN NICHT MIT EINER EINGEBAUTEN VERANTWORTUNGSFUNKTION, WENN DIE KINDER KRANK WERDEN.

Davon handelt der Gastbeitrag meiner Freundin.

 

Das Kind ist krank

Die Liese ist krank, so richtig. Ich merk das schon, als ich sie aus dem Hort abhole, ihre Augen glänzen, sie ist blass und hat grünlila Augenringe bis zur Nasenspitze. Sie klagt über Kopfschmerzen, abends ist die Stirn warm und die Nase zu.
Bisher war es in solchen Fällen relativ einfach: ich bin selbständig, also habe ich meine Termine entsprechend umgeschmissen, um mit dem Kind zum Arzt zu fahren und sie hinterher zu Hause zu betreuen. Dieses Konzept haben wir acht Jahre lang nie in Frage gestellt, der Mann arbeitet angestellt, und so war es für uns leichter zu organisieren. Was ich dann tagsüber nicht geschafft habe, wurde halt nachts weggearbeitet, ich wette, viele selbständige Eltern kennen das. 

Der Vater will und muss Zuhause bleiben

Diesmal ist es anders. Ich arbeite seit Januar zusätzlich auf Minijobbasis, was natürlich bedeutet, dass ich nur Geld verdiene, wenn ich auch tatsächlich arbeite. Quasi wie beim selbständig sein, nur anders, die Zeiten gibt nämlich der Arbeitgeber vor, und Schieben ist nicht. Letzte Woche war ich bis auf Montag alle Tage „auswärts“ arbeiten. Machtjanix, haben wir gedacht. Dann muss der Mann eben mal mit einem hellblauen Zettel und dem Kind zuhause bleiben, er kocht eh die besseren Hühnersuppen und ist auch sonst aktuell der bevorzugte Elternteil von K1. Es war die erste „Kindkrankmeldung“ überhaupt, im neunten Jahr seiner Anstellung. Unsere Kinder sind dankenswerterweise mit einer wirklich guten Konstitution gesegnet, und wenn doch mal eines krank war, bisher, dann siehe oben.

Der Arbeitgeber so: „Ich bezahl jetzt dafür, dass deine Frau arbeiten gehen kann, oder was? Soll die doch zuhause bleiben mit dem Kind“.


Ich hatte naiverweise angenommen, es sei kein Problem für den Arbeitgeber, drei Tage wurde die Liese krankgeschrieben, bis zum Wochenende, und Samstags muss ich nicht arbeiten, da konnte der Mann dann wieder in die Firma, so der Plan. Also alles tutti, so meine Vorstellung. Trotz all der bescheuerten Geschichten, die ich kenne, aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, über Arbeitgeber, die Eltern kranker Kinder dermaßen unter Druck setzen, dass halbkranke Kinder mit Zäpfchen und Säftchen gedopt in Einrichtungen gebracht werden, in der irrigen Hoffnung, das fiele schon nicht auf und mache dem kränkelnden Kind schon nichts aus, Hauptsache, der Arbeitgeber wird nicht belästigt durch Kinder, die nicht laufen wie ein Schweizer Uhrwerk. Ich hab tatsächlich geglaubt, die Firma meines Mannes sei da nicht so, fast alle haben dort noch relativ junge Kinder, und bei weitem nicht alle betreuungsfähige Großeltern zur Hand.

Nunja. Das war ein Irrglaube. Es ist ein Riesenproblem, scheinbar. Offensichtlich bleibt sofort die Welt stehen, oder geht mindestens die Firma pleite, wenn mein Mann drei Tage mit seiner kranken Tochter zuhause bleibt. Oder, wie der Arbeitgeber es so hübsch knackig formuliert: „Ich bezahl jetzt dafür, dass deine Frau arbeiten gehen kann, oder was? Soll die doch zuhause bleiben mit dem Kind“.


WTF?

Damit wir uns richtig verstehen: mein Mann ist nicht Herz- oder Neurochrirurg, er ist kein Kinderarzt, kein Flugkapitän, kein Altenpfleger, und auch sonst nicht in einer Branche beschäftigt, wo es echt oberblöd ist, wenn jemand plötzlich und unkalkuliert ausfällt. Der Laden kann aufmachen, auch wenn er nicht da ist, ganz einfach. Ein paar Leute müssen dann eventuell einen Moment länger auf eine Information, oder sogar eine Lieferung warten, aber es ist nichts, wovon irgendwie echt elementare Dinge abhängen, ganz ehrlich. 

 

Eine gesamte Gesellschaft macht Zeitreisen in die 50er

Und trotzdem ist es ein Riesenfass, was sein Chef aufmacht, und das Fass heißt: Nicht die Frau ist zuhause geblieben, bei dem Kind, sondern der MANN. SKANDAL. Und das NUR, damit die Frau arbeiten gehen kann. Wofür selbstverständlich ja gar nicht er bezahlt, sondern die Krankenkasse, die das Gehalt des Elternteils übernimmt, der das kranke Kind betreut, jedenfalls bis zu x Tagen je Kalenderjahr. Ihr kennt das alle.
Ich habe das wutschnaubend im Gesichterbuch gepostet, und durfte anhand der Kommentare feststellen: wir sind nicht allein im Jahr 1958. Wir sind in guter Gesellschaft. Chefs maßen sich an, Angestellte aus Familienurlauben in die Firma zurückzuzitieren. Die Arbeit geht vor. Nein, wieder kein Herzchirurg. Chefs meinen, die Frau müsste doch gar nicht arbeiten gehen, nur um dann den Unterhalt für das Auto, was sie für die Fahrtwege anzuschaffen gedenkt, einzuspielen. Sie könnte ja auch gleich zuhause bleiben, dann ist auch geklärt, wer im Zweifelsfall die kranken Kinderlein hütet, nicht wahr? Vätern wird die Elternzeit erfolgreich ganz ausgeredet, damit die Zahlen der Abteilung nicht schlechter werden, weil einer mal ein paar Monate keine Umsätze beitragen kann. So’n Baby ist ja bei der Mutter eh am besten aufgehoben. Väter, die mit krankem Kind zuhause sind, werden schon an Tag 1 mittags angerufen, und gefragt, wie das mit der Krankmeldung denn zustande kommt und wie lange sie sich jetzt wohl vorstellen, mit dem Kind zuhause zu bleiben. 

Immerhin, eine kommentierende Mutter wird von ihrem Arbeitgeber darauf hingewiesen, dass ja auch der Vater mal das kranke Kind betreuen könnte. Dass der aus verschiedentlichen Gründen häufig nicht in der Stadt ist, ist eine andere Sache, aber wenigstens wird hier überhaupt mal der Vater als Option gesehen.

Familien? Gern, aber nur, wenn sie nicht stören.


Ich möchte erbrechen, ehrlich. Mir war schon klar, dass die vielzitierte Vereinbarkeit von Familie und Beruf in vielen Fällen einfach nur ne nette Seifenblase ist, die nichts mit der Realität zu tun hat, die bei ganz vielen immer noch mehr ein Spagat zwischen allen Anforderungen von Familie und Beruf ist, mit viel Hektik, Stress und Druck. Ich hab auch gewusst, dass bei den überwiegend meisten Familien, die ich kenne, die Mütter nach wie vor den Löwenanteil dessen leisten, was immer so nett mit „care“-Arbeit beschrieben wird. Oft, weil es strukturell halt immer noch einfacher zu organisieren ist, das ist/war bei uns auch lange Jahre so. Was ich aber echt zum Kotzen finde, ist diese Denke, die dahintersteht. Familie darf nicht stören, auf keinen Fall. Die Arbeit geht immer vor. Läuft irgendwas in der Familie außerhalb der Spur, dann ist es erstmal Aufgabe der MUTTER, das glattzuziehen. Diese Haltung ist ganz offensichtlich immer noch weit verbreitet, und mir wird echt schlecht, wenn ich Prognosen lese, die davon ausgehen, dass die (strukturelle?) Gleichstellung von Mann und Frau in ungefähr 60 Jahren erreicht sein könnte. Dann ist mein jüngstes Kind fast im Rentenalter.

 

Und jetzt?

Das kann es doch nicht sein? Eltern sind im Regelfall zwei Menschen, und fast immer haben auch beide Menschen ein Interesse daran, am Alltag des/der Kindes/Kinder teilzuhaben, gerade auch dann, wenn der mal heißt, das ein Kind krank ist. Wir leben in einem sackreichen, hochtechnisierten Land, und trotzdem soll es nicht möglich sein, dass die beteiligten Eltern selber entscheiden, wer das kranke Kind einhütet und wer arbeiten geht? Ohne, dass ihnen dafür einer Druck macht, oder meint, besser zu wissen, wer von beiden das jetzt übernehmen soll? Ich wünsche mir mehr Chefs wie meine Freundin, die schon lange kapiert hat, dass sie von ihren Angestellten eine Menge an Loyalität und Einsatzbereitschaft zurückbekommt, wenn sie ihnen keinen Streß macht, wenn mal ein Kind krank wird. Eigentlich ganz einfach, oder?

  11 Replies to “Wütender Gastbeitrag: Wenn kindkrank für Arbeitgeber bedeutet, dass die Mutter ranmuss.”

  1. Susi
    18.1.2018 at 19:30

    Mist ist das, richtiger Mist! Und absolutes Machogehabe! In dem ganzen System „Gleichberechtigung“ hinkt es doch an allen Ecken und Enden. Die Frau soll gefälligst schnell wieder arbeiten gehen, damit genügend Kohle rein kommt. Aber während sich die Männer abends nach der Arbeit die Feierabendhalbe vorm Fernseher genehmigen, soll die Frau bitteschön das Abendessen kochen, Wäsche waschen und die Wohnung putzen. Und am besten dem Mann noch die Kinder vom Leib halten, schließlich hat er ja den ganzen Tag geschuftet. Wo bleibt da die Gleichberechtigung? Jaja, nicht schimpfen es sind selbstverständlich nicht alle Männer so. Aber es sind genau die, von denen im Beitrag die Rede ist. Gleichberechtigung gerne, aber nur bis die „unangenehme“ Seite auftaucht.
    Mal ganz davon abgesehen ist solchen AGs nicht bewusst, dass man sich in Zeiten von Fachkräftemangel ein bisschen besser um seine Mitarbeiter kümmern sollte. Denn einer, dem ich diese 3 Kindkrank-Tage ermögliche, der hilft dem Chef auch wenn es mal brennt. Fifty Fifty, geben und nehmen! Wenn es einseitig wird und wegen so einer Lappalie schon ein Fass aufgemacht wird, dann braucht sich der Chef nicht wundern, wenn der Mitarbeiter bei der ersten Gelegenheit die Flatter macht.
    Genervte Grüße von einer familienfreundlichen AGin

  2. 18.1.2018 at 19:41

    Es ist wirklich unglaublich, wie rückständig diese Gesellschaft nach wie vor ist. Als mein Mann und ich uns bei der Großen die Elternzeit geteilt haben, haben mich alle gefragt, was ich denn arbeite, dass ich so früh wieder arbeiten MUSS. Keiner kam auf die Idee, dass ich das wollte – und dass mein Mann auch wollte!!

    Die Idee mit dem großen Chor fänd ich ja mal gut *gg*

    GLG, Luci

  3. Katharina
    18.1.2018 at 20:55

    Ich kenne das Thema auch, aber eben auch umgekehrt, dass eine Chefin sich aufregt, dass der Ihr unterstellte männlicher Kollege es wagt die Arbeitszeit auf 30 Stunden /Woche zu reduzieren. Weil er lieber mittags mehr zuhause sein will, und die Kids immer aus der Kita abholen möchte.

    Mein Mann hatte auch immer etwas Bauchweh, aber er kommuniziert nun auch in der Firma, dass er Heute AUSNAHMSWEISE arbeiten gehen darf, weil seine Frau zu Hause bleibt. Aber er kündigt dann im nächsten Satz auch an, dass er morgen oder das nächste Mal dran ist mit zuhause bleiben und so.
    So sind die Chefs informiert und er vermeidet Diskussionen über Verteilung.
    Ich bin auch 4 bis 8 x im Jahr über Nacht weg zur Fortbildung, und dies plaudert er auch gerne aus, dass ‚die Mudder‘ schon wieder weg ist, und die nächsten Tage seine Arbeit nur bei vorhandener Gesundheit der Kinder möglich ist.

    Vielleicht ist das etwas viel Familienleben auf der Arbeit?
    Nein, wir finden das Offensive bereden der Work Life Balance mittlerweile gut 🙂

  4. 19.1.2018 at 13:30

    Wahnsinn, der Text macht echt richtig wütend! Aber klar, es ist echt in den Köpfen drin: Krankes Kind gehört halt zur Mama. Ich kenne viele Frauen, die das selbst so sehen. Das macht mich dann irgendwie immer anders wütend, aber auch wütend.

    Letztlich sehe ich vor allem die vielen, vielen Väter in der Verantwortung, ganz selbstverständlich Kinderkrankentage (oder auch Elternzeit) zu nehmen. Nicht darüber diskutieren, sondern einfach machen, was einem zusteht. Irgendwann normalisiert sich dann die Tatsache, dass auch Väter ein sorgendes Elternteil darstellen. So zumindest meine naive Annahme.

    Wenn ich solche Geschichten lese, bin ich gleichzeitig immer wieder sehr glücklich über die guten Chefs da draußen. So einen haben wir nämlich auch. Vielleicht können die mal Kurse für die ganzen Blödmänner geben. Mit Titeln wie „Zufriedene Arbeitnehmer erbringen bessere Leistungen“ oder „Ein Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis ist ein ständiges Geben und Nehmen“ oder so.

  5. 19.1.2018 at 15:58

    Wahnsinn, unglaublich, ätzend, wtf!!!!
    Das hast du sehr gut geschrieben. Sowas muss aufgeschrieben werden und zwar so schonungslos ehrlich und auf den Punkt wie von dir. Sehr gut. Daumen hoch von mir!
    Wie du schon sagst, immer springt die Mama – höher, schneller, weiter. So wird es erwartet. Und wage es ein emanzipierter Vater sich selbst und gerne um seine Kinder zu kümmern – der wird vom Arbeitgeber und der Gesellschaft doch klein gemacht. Zum Glück gibt es ein paar Väter, die sich davon nicht unterkriegen lassen. Es sollten mehr sein. Vielleicht würden dann die Gesellschaft und die Arbeitgeber irgendwann mal umdenken.
    Wir Mamas sind auch nur Menschen und keine unsterblichen, niemals müde werdenden Superwesen – auch wenn wir wirklich nahe dran sind. Irgendwann ist genug. Und bitte bevor wir zusammenbrechen oder es zum äußersten (dem Burnout kommt).
    Mehr davon!
    Liebe Grüße,
    Yvonne

  6. Cara
    19.1.2018 at 16:17

    So ähnlich ging es meinem Mann auch. Aber wenn die kinderlosen Mitarbeiter ständig krank sind, weil Handwerker oder der Paketbote kommen, ist das kaum ein Problem.
    Ergo, ist mein Mann halt dann krank wenn einer unsere Mäuse krank ist, ich berufliche Termine habe und ausnahmsweise kein Homeoffice machen kann.

    Es ist keine angenehme Lösung und vorbei am „gut gemeinten“ Konzept der Krankenkasse… Aber wer belogen werden möchte…..

  7. Kat
    19.1.2018 at 19:16

    Ihr habt mit allem recht… ich bin auch Mutter von 2 kleinen Kindern. Aber: ich bin auch Chefin von 50 Leuten, erlebe den Druck, dem Arbeitgeber ausgesetzt sind, tagtäglich. Ihr solltet diese Seite bitte nicht vergessen – es gibt immer mehr Mitarbeiter, die einfach keinen Bock zum Arbeiten haben, denen ihr Privatleben wichtiger als alles andere ist; Leute, die bei jedem Mist krankmachen – und die ersten 6 Wochen zahlt nicht die Krankenkasse sondern zu 100% der AG, zusätzlich zu den Kosten um den Ersatz des Kranken auszugleichen! Ständig werden die Arbeitgeber zur Kasse gebeten, nicht nur bei Krankheit. Vielleicht strampelt sich dieser spezielle AG in diesem elenden Hamsterrad die Seele aus dem Leib, vielleicht steht ihm das Wasser bis zum Hals weil er einer der doofen Mittelständler hier in Deutschland und kein Konzernboss ist.

  8. 20.1.2018 at 08:39

    Über das Verhalten des Arbeitgebers müssen wir nicht reden. Inakzeptabel.
    Trotzdem ist das mit der Erstattung durch die Krankenkasse leider nicht so, wie viele denken. Die erstatten nur, wenn es im Arbeitsvertrag oder im Tarifvertrag festgelegt ist. Ist es bei vielen aber nicht :-(. Private Kassen zahlen übrigens nichts. Da bleibt nur die Tage vom Gehalt abzuziehen.
    Diese Regelung sind fürn Hintern. Aber da ist es leider kein Wunder, wenn Chefs Stress machen.

  9. Kindkrankemutter
    20.1.2018 at 15:06

    Wow, so viele Antworten – Danke dafür.
    @Susi – Chefs wie dich und unsere gemeinsame im Text erwähnte Freundin gibt es hoffentlich viele. Es sollten noch viel mehr werden, finde ich. Damit Vereinbarkeit irgendwann für alle mehr ist, als nur ein hübsches Ideal.
    @Luci – du gibst dann aber die Vorsängerin, ja?
    @Katharina – ich finde gut, wie ihr das macht. Niemand muß seinen Schreibtisch mit Familienfotos pflastern und die Familie als einziges Gesprächsthema haben. Aber DASS es sie gibt, und dass das manchmal unbequeme Erfordernisse mit sich bringt, darüber sollten sich alle klar sein, und auch darüber, dass beide Eltern verantwortlich sind für die Nachkommenschaft.
    @Yvonne – danke
    @Cara – ich kann den Mann verstehen. Aber so verfestigen sich die Strukturen immer weiter. Es ist doch bescheuert, dass eine „normale“ Krankmeldung respektiert wird, eine, die erfolgt, weil das Kind krank ist und betreut werden muß, blöd kommentiert oder anders schief angeguckt wird. Letztlich wird sich wahrscheinlich nur was ändern, wenn sich alle grade machen und für das einstehen, was selbstverständlich werden soll. Sagt sich nur so leicht, wenn gleichzeitig die Angst vor Repressalien immer mitfährt.
    @Kat – ich bedenke beide Seiten, da darfst du ganz sicher sein. Und meine im Text erwähnte Freundin hat ebenfalls vier Kinder und ich glaube knapp 80 Angestellte. Klar gibt es immer schwarze Schafe, die dummes Zeug machen. Aber das kann wohl nicht Argument und Grund sein, jemanden, der im neunten Jahr in der Firma ist (kranktage wegen eigener Krankheit in allen Jahren zusammen: 8, kranktage für die Kinder in allen Jahren zusammen: 3) und das erste Mal ein krankes Kind betreut, in der Form von der Seite anzuquatschen, oder? Mein Mann arbeitet zeitweise 50 Stunden die Woche, er verzichtet auf Urlaub in der Saison und ist loyal bis zum erbrechen. Und darf sich dann so einen Spruch anhören. Nein, dafür gibt es in meiner Welt keine einzige Entschuldigung, auch keine wirtschaftliche Schieflage (die hier überdies nicht gegeben ist). Wenn ein AN ein krankes Kind betreut, gelten meines Wissens nach auch andere Regelungen als bei Krankschreibung des AN selbst. Ich halte nichts davon, berechtigten Frust über AN, mit denen Chefs warum auch immer nicht zufrieden sind, an Mitarbeitern auszulassen, die sich nichts haben zuschulden kommen lassen.
    @Hilke – sicher? Ich frag das mal bei unserer Krankenkasse nach. Dass die PKV nicht dafür einstehen, ist eine Sauerei. Trotzdem darf alles das kein Grund für Chefs sein, sich so zu äußern, finde ich. Dann dürfen sie wirklich nur noch Menschen mit großen oder ganz ohne Kinder einstellen.

  10. Daniela
    22.1.2018 at 20:18

    Da lobe ich mir den (bayerischen) Staat als Arbeitgeber meines Mannes- obwohl bei uns nicht die Kk einspringt bezüglich Gehalt, weil Kind privatversichert, wurde noch nie auch nur ansatzweise gemeckert und unser Kind war sehr viel krank. Arbeitszeiten sind dank 2x pro Woche Arbeit von zuhause und Gleitzeit auch wirklich familienfreundlich. Mein Mann könnte auch problemlos stunden reduzieren. Mein eigener Arbeitgeber (soziale Branche) auch vorbildhaft-Gehalt wird bei Krankheit vom Kind weitergezahlt, auch wenn Privatversichert, gemeckert wurde nie, Arbeitszeiten frei einteilbar, es wird sich noch nett nach dem Kind erkundigt…trotzdem ist es mir immer unangenehm, wenn ich wegen krankem Kind nicht arbeiten kann, das ist dann aber eindeutig hausgemacht, Vorhaltungen und Stress krieg ich eindeutig keinen.

  11. 24.1.2018 at 13:34

    Ich kann da hinsichtlich des rechtlichen Anspruchs mal eben einspringen. GKV-Versicherte haben einen Anspruch auf Kinderkrankengeld aus §45 SGB V. Das ist also keineswegs ein vertraglicher Anspruch, sondern steht allen gesetzlich versicherten Arbeitnehmern zu.

    Wir haben ebenfalls die Kombination aus selbständiger Mutter und Angestellten Vater. Als Selbstständige muss man sich ja sowieso ein dickes Fell zulegen. Von daher war das dann auch kein Problem mehr für mich zu sagen, dass ich vormittags arbeite und mein Mann nachmittags, wenn ein Kind krank ist. Viele Termine lassen sich ja tatsächlich auch schieben, so dass man schon eine Menge schafft, wenn man zumindest halbtags vor Ort ist. Ein paar Sachen kann man ja auch immer zu Hause machen, wenn das Kind eh schlapp ist und Hörbücher hört oder schläft. Das gilt natürlich nur für die durchschnittlichen Kinderkrankheiten, aber da klappt das gut. Wenn es was Ernstes ist steht die Welt ja sowieso Kopf und alles andere ist egal.

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