Früher schneller weiter: Kinder mit älteren Geschwistern.

Mein Sohn ist acht und meine Tochter ist drei. Während mein Sohn im Alter der Kleinen aufgrund meiner hohen Ansprüche vermutlich erst insgesamt zweimal das Wort Scheisse gehört hatte, hört sie es ca. stündlich. Dazu kommen noch sprachliche Schmankerl wie KRASS, GEIL, ALTER!!! und so weiter, die der Große als Drittklässler natürlich vor, in und hinter jedem Satz platzieren muss.

Ich muss gestehen, auch ich bin in den letzten Jahren beim Benehmen nachlässiger geworden. Ich fluche wieder schneller und ausführlicher und gestern habe ich am Abendbrottisch gerülpst und beide Kinder haben verzückt applaudiert. Will heißen: die Kleine wird sehr, äh,  anders groß als ihr älterer Bruder. Sie durfte viel früher Pommes, Eis und Fernsehen und kam noch früher in den Genuss, ihren Bruder und seine Freundinnen und Freunde zu beobachten, beäugen und Worte, Gesten und vieles mehr aufzusaugen und nachzumachen. Das Zwischenergebnis sind meine derzeitigen Top 4-Aussagen meiner dreijährigen Tochter in zufälliger Reihenfolge.

 

„Wattsefacko“

Manchmal, zum Beispiel, wenn die Kleine über den Flur geht, dann singt sie das, wie sie es von den Großen aufgeschnappt hat: Wattsefacko, Wattsefacko. Erst dachte ich, ich höre nicht richtig. Dann habe ich sie gefragt, was sie da singt, ihre Antwort war „Was über eine Fackel“. Seitdem lache ich einfach nur und übe mein „NICHTSHÖRENICHTSSEHEN“-Gesicht, falls sie das mal beim Augenarzt oder an der Supermarktkasse singt.

 

„Fang mich doch, Arschloch!“,

rief die Kleine, als sie wollte, dass der Mann sie jagt. Auch hier konnte ich vor lauter Lachen kein „Das ist aber kein schönes Wort“ herausbringen. Die Melodie klang übrigens wie die Version mit dem Eierloch, aber es schien ein Wort mit Loch zu geben, dass die Kleine viel vertrauter war. Ein paar Mal die Melodie mit Eierloch singen hat übrigens gereicht, damit sie wieder dachte, Arschlöcher ist ein anderes Wort für AutofahrerInnen.

 

„Als mein Bruder und ich noch in Papas Sack waren, haben wir ein Wettschwimmen gemacht und Schach gespielt.“

Haut die Kleine beim Malen raus. Einfach so. Warum? Weil der Große andauernd „Ahnma“ von den Beginnern hört, ein bisschen was über Samenzellen aufschnappt und beide Kinder eine ziemlich ausgeprägte Fantasie haben. Und „Ahnma“ ist auch Schuld, dass die Kleine sehr souverän, sobald sie „Eizi Eiz“ hört, laut „Heißer Scheiß“ ruft. Hier der Beweis:

 

 

„Guck mal, Mama, der Vogel macht den Dab!“

Eigentlich hatte er sich gerade aus einer höflichen Verbeugung aufgerichtet: der von jungen Leuten missverstandene Gummivogel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  10 Replies to “Früher schneller weiter: Kinder mit älteren Geschwistern.”

  1. 31.8.2017 at 09:24

    Schöner Text, aber eine Kritik muss ich nun doch anbringen: Ihr habt in der musikalischen Früherziehung versagt.
    Aber so ! was ! von !

  2. rike
    31.8.2017 at 09:29

    Nanana, ich habe dem Großen in der Schwangerschaft jeden Tag ein Lied von den Ramones vorgespielt. Heute macht er es musikalisch wie in allen Bereichen – er hört nicht auf uns, sondern wühlt sich allein durch Spotify. Mit dem Ergebnis, dass er Queen liebt, und Madsen, und Andreas Bourani und im Urlaub, als ich eine alte Faces-Kamelle entdeckte, fragte, ob das nicht „Ooh la la“ sei. Ich finde, das ist eine gute Mischung. Hast du einen Tipp, was ich ihm noch auf seine Playlist mogeln soll?

  3. 31.8.2017 at 11:06

    Rike, ich schreie!!! Warst Du bei uns Zuhause? Wir dürfen unsere Kinder nie zusammen bringen! 🙂 „Ahnma“ ist momentan auch das Lieblingslied meines Ältesten und der Zweieinhalbjährige rappt fröhlich und mit provozierenden Gesten vor sich hin.
    Gestern nachmittag dann der Super GAU: Ich hole ihn aus dem Kindergarten ab und das erste, das die Leiterin zu mir sagt, ist: „Was kennt dein Sohn denn für Schimpfwörter!? Ich bin entsetzt!!“
    Was war passiert? „Kacke, verdammte!“ – von den Wilden Kerlen…

  4. 31.8.2017 at 11:18

    OMG was hab ich jetzt grad gelacht :-))) Danke dafür!!!

  5. rike
    31.8.2017 at 11:19

    Das freut mich sehr, Ihr zwei tollen Frauen. Erst recht, weil mir genau wegen dieses Beitrags vorgeworfen wurde, ich würde meine Kinder verwahrlosen lassen.
    Da fällt mir nur eins zu ein: WATTSEFACKO?

  6. 31.8.2017 at 11:23

    Wottsefatt? (Monsieur 3 kann nämlich das „K“ nur bei „Kacka“!)

  7. rike
    31.8.2017 at 12:57

    Wottsefatt würde ich auch auf einem T-Shirt tragen <3

  8. 31.8.2017 at 20:32

    Rike, es wird Zeit für ein neues Stickbild. Wattsefacko, entweder im Querformat, oder als watt-se-facko untereinander.
    Und wer nicht verstehend lesen kann, dem ist halt nicht zu helfen, der muß den ganz großen moralinsauren Zeigefinger auspacken.
    Ich hab mich beim lesen gestern jedenfalls amüsiert wie Bolle, und fühl mich jetzt ob des Wortschatzes meiner eigenen Brut schon gar nicht mehr gar so schlecht. Hurra.
    Musikalisch stehen hier allerdings deutlich fragwürdigere Dinge auf der Liste. Die Große hört Justin Timberlake und Ed Sheeran. Aber immerhin auch „deine Freunde“, also ist noch nicht alles zu spät.

  9. rike
    1.9.2017 at 13:07

    Die Idee ist fantastisch! Das mache ich. Und ich drück dich sehr.

  10. Anna
    1.9.2017 at 21:09

    Ich weine immer noch…vor Lachen. Danke.

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