Wenn der Große was spielen will, ich so:

Ich hasse Lego. Nicht nur wegen der Drauftreterei. Seit Monaten liegt die Figur vom grünen Ninja bei uns im Schlafzimmer. Ich bringe sie andauern runter und lege sie ins Kinderzimmer und irgendwer bringt sie immer wieder hoch. Weil der Große nur mit Nexo Knights spielt gerade, vermute ich, dass diese kleine Figur sogar selber hochkommt und sich mit Absicht in meinen Klamotten suhlt. Das mag ich genauso wenig wie Lego spielen. Für mich hagelt es dann nämlich ausschließlich Befehle und Regieanweisungen. Lustlos trotte ich hinter ihm her. Wie so ein Achtjähriger, der Zähne putzen oder lieber eine Mütze aufsetzen soll.

Ich mag auch nicht Beast Quest spielen, da hagelt es nämlich auch Befehle und Regieanweisungen, von denen ich dann auch nur die Hälfte verstehe, weil ich Rachak, die Frostklaue genauso wenig kenne wie Modrik, Grauen der Moore. Zugegeben, die Namen klingen sehr vielversprechend, aber gleich danach wird es so mittelalterlich kämpferisch und da bin ich raus.

Nach nunmehr acht Jahren mit Kindern habe ich für mich beschlossen, dass es ok ist, wenn ich zu manchen Spielen keine Lust habe. Wenn ich so halbherzig mitmache ist ja auch blöd. Deshalb sage ich lieber geradeheraus: Nee, das ist nicht mein Ding, lass mal überlegen, was wir beide gut finden. Da kommen nämlich tolle Sachen bei raus, z.B.

 

 

  1. Rumhängen und gegenseitig aus diesem Buch vorlesen.

Schutten, Jan P.: Der Mensch oder Das Wunder unseres Körpers und seiner Billionen Bewohner

Übersetzt von Verena Kiefer. Gerstenberg Verlag. Ab 10, geht aber auch früher, 26,00 €

 

 

Ein großer Tipp für lahme Sonntage oder für ein sehr gutes Geschenk!

 

Sonntags, wenn wir rumhängen und wir Eltern sehr viel Kaffee trinken und den Kindern zu viele Süßigkeiten erlauben, dann liegt hier oft dieses Buch auf dem Tisch und wir lesen uns gegenseitig was vor. “Der Mensch” beantwortet viele Fragen zum Menschen, auch die, von denen wir noch gar nicht wussten, dass wir sie hatten.

Ein paar Beispiele:

Warum du glauben kannst, ewig Dreißig zu sein. (Spoiler: es ist ein anderer Grund als ich dachte)

Warum dein großer Zeh deinen Mund braucht

Warum viele Leute zu blöd sind zum Sch…

Warum deine Hände im Badewasser runzlig werden

Von diesen Fragen gibt es ganz, ganz viele, und die Erklärungen sind tatsächlich genauso catchy, unterhaltsam und lässig geschrieben wie die Fragen selbst. Also blättern wir das Buch durch, lesen die Überschriften, bleiben bei einigen hängen und lesen dann den ganzen Text und staunen und lachen und gucken die Bilder an und spielen z.B. die Ninja-Roboter-Zombies nach und wissen dann wirklich viel.

Einatmen – Ruhe – Ausatmen. Das denke ich mir auch oft, zum Beispiel, wenn die Kleine mit ihrer Freundin heimlich meinen Nagellack aus dem Schrank holt und sich bis zum Ellenbogen bzw. bis zum Knie anmalt.

Fazit: Wir sind tiptop unterhalten, lernen was (auch die Großen) und können uns vor lauter Wasgelernhabigkeit gleich noch eine Waffel reinstopfen. Aber das ist jetzt wirklich die letzte!

 

2. Das lustige Wiegespiel

Dieses Spiel hat schon der inzwischen pensionierte Stefan Raab in seiner allseits beliebten überzogenen Sendung ‘Schlag den Raab’ gern veranstaltet. Wir machen das so: Wir schätzen, was irgendwelche Gegenstände wie Zitronen, Schlüssel, Gummibärchen whatever wohl wiegen und legen sie danach auf unsere Küchenwaage. Dann gucken wir, ob der echte Wert über oder unter dem echten liegt, und das machen wir mit sehr, sehr vielen Gegenständen und sehr, sehr lange. Das macht nämlich tatsächlich großen Spaß. Wir spielen ohne Gewinner:in, denn der Große mag das nicht, außer er gewinnt, denn dann hat er gewonnen.

Während die vierhundereinundzwanzig Legosets und das andere Spielzeug netterweise den Staub für uns sammelt, ist das hier der heiße Spielzeug-Shit.

Sieht sehr langweilig aus, klingt noch langweiliger, macht erstaunlich Laune. Und der Lerneffekt ist hoch: Jetzt weiss der Große zumindest, was das Gemüse, das er nicht isst, wiegt.

3. Guitar Hero.

Uiuiui, Spielekonsole. Dünnes Eis, wa? Egal. Seit wir die PS4 haben, haben wir mit dem Großen einige Spiele ausprobiert. Das Lego Batman-Spiel zum Beispiel. Das geht dann so, dass der Große anfängt, ALLES kommentiert, irgendwann genervt ist, weil er die Levels nicht fertig kriegt, so dass ich wie so ein Babymillenial auf youtube den Lösungsweg nachgucke und ohne jeglichen Spaß das Level für ihn fertigspiele. Ätzend! Außerdem macht ihn diese Kämpferei unfreundlich. Oberätzend! Dann spielt er FIFA (irgendeine Zahl). Dabei kommentiert er aber auch jeden Spielzug, macht dann auf Pause, damit er ihn auch noch in echt vorführen kann und nach dem Spiel ist er schlecht gelaunt as fuck. Er kann halt in manchen Situationen nicht so gut verlieren. Deshalb stauben Lego Batman und Fifa (irgendeine Zahl) jetzt in der Schublade und wir spielen Guitar Hero. Da muss man nämlich überhaupt nicht wegen des Gewinnens spielen, sondern weil es Spaß macht. Auch mir. Ich finde das sogar sehr sehr super.

“Och, komm schon, ein Lied noch.” “Nein Mama, ich habe jetzt wirklich Hunger.”

Wir spielen neben einander in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen, konkurrieren nicht, sondern haben Spaß miteinander. Wir moschen und lachen über die Reaktionen des Publikums. Der Große kommentiert nicht und spielt nichts danach, sondern ist hochkonzentriert. So sehr, dass er manchmal vergisst zu blinzeln. Einmal hatte er ganz rote Augen. Jetzt sagen wir uns in den Pausen, in denen nicht gespielt wird, im Takt: ‘BLINKERN, BLINKERN’ und blinkern im Takt dazu.

Ach, Guitar Hero ist ein tolles Spiel: Der Große lernt Musik kennen, er kann sich danach auf Spotify selbst eine Playlist machen und ich kann Vorträge über Punkrock etc. halten und damit angeben, welche Bands ich schon live gesehen habe und so. Außerdem lernt er etwas über Taktgefühl und so. Ok, letzteres war jetzt an den Haaren herbeigezogen. A propos Haare, Guitar Hero macht eine Riesenmütze Spaß! Mindestens so groß wie die Mütze von Bob Marley oder der Zylinder oder der gigantische Pfadfinderhut von Pharrell.

 

………..

Ich danke dem Gerstenberg Verlag für das Rezensionsexemplar von “Ein Mensch”, meiner Küche für die Waage, meinem Gehalt für die PS4 samt Gitarre und dem Großen dafür, dass Spielen mit ihm schockt. <3

  6 Replies to “Wenn der Große was spielen will, ich so:”

  1. 8.2.2017 at 12:07

    Mein Sohn erklärt gerade, er würde dem grünen Ninja sehr gerne Asyl gewähren. Er heisst übrigens Loloid oder so ähnlich. Also der grüne Ninja. Nicht mein Sohn.

  2. rike
    8.2.2017 at 12:09

    Stimmt. Der wird irgendwann gold oder so und dann ein Nindroid und dann Böse und alles mögliche, bis Lego das Schwein ausgeschlachtet hat. Also, der grüne Ninja ist jetzt – bis auf seine Haare – gerade in den Untiefen des Kinderzimmers verschwunden. Aber ich werde den Großen fragen 🙂
    Liebste Grüße <3

  3. 8.2.2017 at 12:39

    Und die Erwachsenenversion vom Wiegespiel: Flasche Bier auffe Waage und dann “trink mal 22 Gramm!”. Könnten wir ewig spielen, nur leider hat der Mann die Digitalwaage mit in die Werkstatt genommen. Zum LACKWIEGEN. Männer!

  4. rike
    8.2.2017 at 12:47

    Weißt du, warum ich die Menschen am Ende doch immer gut finde? Wegen Menschen wie dir! <3

  5. Andrea
    8.2.2017 at 21:40

    Mal abgesehen von den richtig coolen Tipps (und davon, dass ich ein Lego-Fan bin), finde ich es großartig, dass Du die Übersetzerin des Buches nennst. Sollte selbstverständlich sein, machen leider immer noch die wenigsten Rezensenten. Danke!

  6. rike
    9.2.2017 at 09:57

    Ich finde, dass Übersetzungen auch eine echte Kunst sind. Und wenn sie genauso fließen und lustig und unterhaltsam sind wie der Ursprungstext, sollte das immer erwähnt werden. <3

    Liebste Grüße!

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