Schon immer auch zum Popeln: pädagogische Zeigefinger!

Letzte Woche schrieb Alu von Grossekoepfe, wie sehr sie Leo Lausemaus hasst. Ehrlich gesagt, kann ich nicht so richtig was dazu sagen, weil ich das noch nie gelesen habe. Aber ich kann mir genau denken, was sie meint. Kinderbücher, in denen die Eltern alles so anders und so falsch machen, können so gruselig sein. Wir haben zum Beispiel “Die Häschenschule” geschenkt bekommen, und da rollten sich mir die Fussnägel hoch, weil das Buch in Punkto Gender und Gewaltfreiheit tatsächlich in einer anderen Zeit spielt. Manchmal lese ich meinen Kindern diese Art von Büchern trotzdem vor, damit wir uns darüber unterhalten können, dass andere es anders machen, dass es früher anders war und so. Meistens nicht. Am liebsten mag ich sowieso Bücher, die eben nicht mit pädagogischen Zeigefingern drohen. Und wenn das Buch dann erstmals 1963 erschienen ist, dann stelle ich das mit vor Freude hüpfenden Buchstaben vor:

Küchenmeister, Wera Küchenmeister, Claus: Daniel und der Maler. Illustration: Gürtzig, Erich. Verlag: Beltz (2018). Altersempfehlung: ab 5 J. 12,95€

I <3 die Illustration <3

Es geht um Daniel. Daniel malt sehr gern und schenkt allen Bilder. Dann will er aber an der Wand malen und das ist zuerst keine gute Idee.

Huch! Es kommt doch ein Zeigefinger vor. Die Mutter von Daniel ist nämlich nur halbbegeistert, dass er die Wand im Wohnzimmer vollgemalt hat.

Daniel kriegt Ärger und die Mutter nimmt ihm seine Malsachen weg. Bei Leo Lausemaus hätte Daniel jetzt vermutlich gewimmert, dass er ein guter Daniel sein will. Aber hier ist es wie im echten Leben: DANIEL HAT ABER SO EINEN HALS!!!

Daniels erste Reaktion aufs Angemeckertwerden: Das Treppenhaus vollmalen.

Dann stapft Daniel nach Draußen und ist weiter sauer. Er malt eine wütende Fratze an den Kiosk von Aster. Erst findet er das gut, abends kriegt er ein schlechtes Gewissen und will am nächsten Morgen gleich loslaufen, um sich zu entschuldigen.

Keiner kauft Limo und Bockwurst. Alle stehen traurig da und einer fragt sich, ob seine Fratze vielleicht Schuld ist.

Aber wisster was? Der Kiosk hat nicht wegen des Vandalismus geschlossen, sondern weil er renoviert wird. Im Kiosk steht ein Maler, der ein bisschen ist wie ein einer dieser progressiven College-Lehrer in amerikanischen Filmen, die z.B. von Michele Pfeifer gespielt werden. Der merkt nämlich gleich, dass Daniel gar kein Arsch ist, sondern nur mal an einer Wand malen will und lässt ihn mitmachen.

Vom Schmierfink zum Malergesellen in einem Gespräch: Daniel.

Das Malen macht einen Riesenspass und Daniel ist eben nicht der bocklose Randaletyp, sondern ganz eifrig bei der Sache. Weil der Maler ihn nicht gleich für einen Idioten gehalten hat, sondern ihn ernst genommen hat und ihm eine Möglichkeit gegeben hat. So geht das nämlich auch!

 

Am Ende freuen sich alle. Aster, weil ihr Kiosk so schön geworden ist, alle, weil sie jetzt wieder Limo und Bockwurst bekommen und Daniel, weil ihn jemand ernst genommen hat.

Ich bedanke mich bei Beltz und Gelberg für das Rezensionsexemplar, bei dem Autorenpaar dafür, dass sie schon in den 60ern den Strafzeigefinger lieber zum Popeln genommen haben und verabschiede mich mit mit einem Song für den Malermeister.

  2 Replies to “Schon immer auch zum Popeln: pädagogische Zeigefinger!”

  1. Iris
    3.3.2018 at 15:49

    Liebe Frau Drust, oder liebe Rieke, denn so denke ich eher, ich bin sooo froh über deine Buchrezensionen! Vielen vielen Dank! Inzwischen suche ich nirgends anders mehr als in deinem Blog sobald ich ein oder mehrere Bücher verschenken möchte. Egal ob an unsere eigenen Kinder oder als Geschenk für andere. Unsere Kids lieben alle Bücher, die ich ihnen bisher aus deinem Blog rausgesucht habe, und ich habe hier auch zwei echte (Vor-)Leseratten. Bitte, höre nie damit auf, bleib so ehrlich und direkt, ich wäre sonst direkt hilflos da ich mich schon so an deinen Blog gewöhnt habe. Liebe Grüße Iris

  2. rike
    4.3.2018 at 10:49

    du glaubst nicht, wie gut das tut. vielen dank und allerliebste grüße <3

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