Bienen und FC St. Pauli! Believe the Hive!

Ich mag Fussball und da muss jetzt niemand mit den Augen rollen und denken: Wie will die denn jetzt die Kurve kriegen zu einem Buch über Bienen? Das wird ja konstruierter als jeder Porno-Dialog.

Haha! Voll nicht. Der Fussballverein meiner Wahl ist nämlich der FC St. Pauli. Das ist sportlich zwar nicht immer gut auszuhalten, aber erstens sucht sich den Verein ja bekanntlich keiner aus und zweitens macht der FC St. Pauli die meisten Dinge für mich sehr, sehr richtig. Nicht ohne Grund war das erste, was ich dem jungen Geflüchteten, um den wir uns gekümmert haben, sagte, dass er, wenn er hier in der Gegend Hilfe braucht, am besten die fragen soll, die FC St. Pauli-Klamotten tragen. Weil da die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass es sich um hilfsbereite, freundliche, tolerante Menschen handelt. Und weil ich die Kurve kriegen muss zu Bienen, lasse ich jetzt alles andere, was mir am Verein gefällt, aus und komme direkt zu einem der letzten Vereinsstreiche: Im Stadion wurden zwei Bienenvölker angesiedelt. Damit will der Verein sich gegen das Bienensterben stark machen und für mehr Nachhaltigkeit im Viertel sorgen. „Man kann sagen, andere haben die Balkone für die Meisterschaft, wir für die Bienen“, so hat Andreas Rettig, der kaufmännische Geschäftsleiter des FC St. Pauli mal gesagt, und leider hat er momentan Recht.

Aber wir waren ja bei den Bienen. Die fliegen also fröhlich durch die Gegend, wenn sie nicht gerade wie jetzt Winterschlaf machen, dann parken sie auf den Blumen und machen, was Bienen so machen. Bestäuben und so. Oder Leute stechen. Und während ich natürlich gegen Bayer(n) bin und seit dem Hype dieses Jahr Bienen auch eher wichtig als lästig finde und die Basics verstanden habe, fällt mir auf: Es gibt einen Riesenhaufen Kram über Bienen, den ich eben nicht weiss. Wie geht das eigentlich mit dem Bestäuben? Wie viele verschiedene Bienen gibt es eigentlich? Und wie entsteht Honig? Ich könnte jetzt ewig so weiterfragen, aber ich zeige euch lieber, wo es die Antworten gibt. Nämlich hier:

Piotr Socha, Thomas Weiler (Übers.): Bienen. Gerstenberg.
80 Seiten, ab 5 Jahren, ISBN 978-3-8369-5915-5

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Dieses Buch heisst Bienen, weil es um nichts anderes geht. Und ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage: Scheisse noch mal, ich hätte es vorher nicht gedacht, aber dieses Buch macht mich rundum fröhlich und schlau. Weil es bei den Dinosauriern anfängt, dann einmal durch die ganze Geschichte, verschiedene Länder und die Sagenwelt schwirrt, kurz Pause macht bei Körperbau, Aufgaben, Fortpflanzung, Schwarm, Bionik, dann noch erklärt, wie das mit Bestäuben, Imkern, Bienenstichen und der Entstehung von Honig funktioniert. Zum Beispiel. Zwischendurch gibt es im Bienenblättchen kurze Nachrichtentexte mit weiteren unterhaltsamen Infos zu Bienen, und es war ehrlich so, dass ich nur einmal kurz durchblättern wollte, um diesen Beitrag zu schreiben, und plötzlich standen Lebkuchen und Weihnachtsmänner in den Läden. Das war zum Glück nur der Fall, weil die Supermärkte den Weihnachtskram ja immer früher einsortieren, aber trotzdem habe ich mich Stunden in diesem Buch festgelesen und geguckt und noch immer streite ich mich von innen, ob denn nun die Illustrationen oder die Texte besser sind.

Die Illustrationen sind klar.

Die Texte auch.

Aber die Illustrationen haben häufig einen kleinen mehr oder weniger versteckten Witz in sich.

Die Texte auch. Die sind gar nicht zeigefingererklärmäßig, sondern leicht und lustig.

Ich einige mich auf unentschieden und zeige einfach ein paar Seiten.

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Wäre der Imker die Imkerin vom Millerntor, hätte sie eher keinen Bart. Und ihr Qualm hätte ganz vielleicht manchmal auch eine andere Farbe (Pyroscherz).

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Alexander der Große versucht hier nicht, seinen inneren Diogenes zu channeln, sondern ist tot und in Honig eingelegt, damit sein Körper die lange Heimreise halbwegs unbeschadet überlebt.

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Für die Unterhaltsamkeit des Textes bitte die Augen ein bisschen zusammenkneifen.

Das Buch ist wirklich für alle, die Bienen gut finden, besonders für die, die nicht so genau wissen, warum eigentlich, eine super Idee. Und wer die lustige Geschichte vom Millerntor dazu erzählen will, der ergattert zum Beweis mit ein bisschen Glück ein kleines Glas Honig.

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“Der Name des Honigs kommt mir irgendwie bekannt vor“, so Ewald Lienen, Cheftrainer des FC St. Pauli.

Also, nochmal zum Mitschreiben: Wir alle sollten Bienen viel, viel mehr feiern. Wegen Honig. Weil wir ihnen so viele Gemüse- und Obstsorten zu verdanken haben. Aber wisst ihr was? Bevor ich hier einen gähnigen Vortrag halte, lest und guckt lieber das Buch von Piotr Socha. Das ist bunt und macht Spaß!

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Während am Millerntor derzeit gern auch mal Punkte gesucht werden, ist auf diesem Bild ein Glas Ewaldbienenhonig versteckt.

 

 

 

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