Drei tolle Streiche aus dem Atlantis Verlag

Manchmal sind die Bücher, die ich zur Rezension bestelle, beim Lesen dann doch nix. Ist ja auch normal, dass wir nicht alles toll finden. Deshalb fand ich die Erfolgsquote beim letzten Bücherschwung vom Atlantis Verlag aus der Schweiz tatsächlich fast nicht normal: 100%!!! Zur Belohnung und Begeisterung gibt es hier also meinen ersten Monolabelrezensionsartikel. Bitte:

 

Kowalska, Jadwiga: Ich bin ein Wolf, sagt Hase. Verlag: Atlantis, Orell Füssli , Atlantis (2017). Altersempfehlung: ab 4 J. 14,95€

Der kleine Hase spielt richtig gern mit seinen Freunden Igel, Eule und Maulwurf. Aber auf dem Nachhauseweg versaut ihm die schreckliche Angst vor dem Wolf aber sowas von den Spass. „Wolf müsste man sein“, denkt sich der Hase und da hat er doch schon die Lösung! In Windeseile näht er sich ein Wolfskostüm und flitzt am nächsten Morgen zum Spielen los. Nur: Wo sind denn plötzlich all seine Freunde?

Oberfieses Wolfskostüm, aber alle Freunde weg? Bis jetzt hat der Hase es noch nicht selbst gemerkt.

Als der Hase bzw. der selbstgenähte Wolf seine Freunde entdeckt, bewundern die aber nur indirekt seine Nähkünste. Sie halten ihn für so echt, dass sie voller Angst vor ihm fliehen.

superschöne Illustration <3 Der Wechsel von vollflächigen, stimmungsvollen Bildern und eher Einzelmotiven ist meiner Meinung nach tiptop!

Jetzt könnte der Hase einfach das Kostüm ausziehen und erzählen, dass er bei Pinterest die Anleitung gefunden hat und alle lachen ein bisschen und spielen dann Verstecken. Aber dann wäre die Geschichte öde. Deshalb kommt noch ein echter Wolf vorbei, den der Hase, der wirklich gruselig aussieht, verjagt.

Kleiner mathematischer Exkurs. Die Gruseligkeit eines selbstgenähten Wolfskostüms mit vielen Blättern und einem hektischen Hasen drin > die Gruseligkeit eines herkömmlichen Wolfs.

Am Ende sind alle beeindruckt davon, wie der Hase den Wolf verjagt hat und spielen Verstecken.

Diese einfache Geschichte hat bei der Kleinen voll eingeschlagen. Auch, weil die Illustrationen auf einigen Seiten sehr schöne Suchbilder sind. Nicht nur wegen viel Laub im Buch finde ich „Ich bin ein Wolf, sagt Hase“ ein tolles Buch zum Herbstanfang!

 

Spang, Monika: Zauberwelt im Zirkuszelt. Illustration: Spang, Markus. Verlag: Atlantis, Orell Füssli (2017). Altersempfehlung: ab 4 J. 14,95 €

Ich habs häufig nicht so mit älteren Menschen. Sie beschweren sich, wenn meine Kinder lachen, drängeln sich im Supermarkt vor oder schimpfen mir zu viel auf alles, was nach 1979 passiert ist. Nicht so in diesem Buch. Oma Inge, die Hauptperson, ist nämlich ganz ganz anders. Sie ist fröhlich und geht mit ihrer Enkelin in den Zirkus, wo sie, wie uns in Reimen berichtet wird, in jeden Act verwickelt wird. Zuerst bei der Pferdenummer:

Viele alte Leute: „Was ist das hier für 1 Sicherheitskonzept?!! Ich verklage sie alle.“ Oma Inge: „Wie GEIEL! Glück 4 Life!!!“

Als nächstes klatscht der Clown Oma Inge aus Versehen die Sahnetorte ins Gesicht, und auch hier beschwert sie sich nicht, dass ihr frisch onduliertes Haar mit Sahne bekleckst ist, sondern sie freut sich, weil die Torte so gut schmeckt. Danach zaubert der Magier noch ihre Ohrringe weg, und auch bei dieser Nummer ist Oma Inge einfach nur begeistert.

Viele ältere Leute so: „Diebstahl! Das waren bestimmt die Flüchtlinge! Na Danke, Merkel!“ Oma Inge so: „Der Wahnsinn! Ich hab das gar nicht gemerkt. Voll gut zaubern kann der!“

Bei der letzten Nummer schwingt Oma Inge mit den Artisten noch durch die Manege und wird zum Abschluss mit einem Blumenstrauss gefeiert. Wie herrlich fröhlich dieses Buch ist und wie ungewöhnlich diese Geschichte. Und dann auch noch so gut gereimt, dass das Vorlesen echt Spaß macht. Ach, ich mag, wenn es fröhlich ist und eine Geschichte so ausgeht wie diese hier:

Warmes Lächeln für alle <3

 

Pauli, Lorenz: Fell und Feder. Illustration: Schärer, Kathrin. Verlag: Atlantis, Orell Füssli (2017). Altersempfehlung: Kindergartenalter. 14,95 €

Dieses Duo hat schon ziemlich viele schöne Bücher gemacht. ‚Pippilothek???‘ zum Beispiel, und das grandiose „Der Tod auf dem Apfelbaum“, das ich hier auch rezensiert habe. Bei „Fell und Feder“ handelt es sich um ein Theaterstück, das Hund und Huhn vorführen und dabei die rührende Geschichte von ihrer Freundschaft erzählen. Und die geht so: Beide Tiere sind auf der Suche, das Huhn will unbedingt einen Piratenschatz finden und der Hund sucht seinen Freund, der einen tollen Namen wie z.B. Marulan haben wir. Auf der Suche schnüffelt er an einem Busch, hinter dem verbirgt sich allerdings nicht der tolle mutige Freund mit dem wunderschönen Namen, sondern – das Huhn.

In der Geschichte gehen die beiden erst eine Art Zweckgemeinschaft ein, weil beide sich ja eigentlich etwas ganz anderes gewünscht habe. Die Freundschaft kommt mit kleinen Momenten und Erlebnissen charmant und liebevoll durch die Hintertür. So, dass es auch für die Erwachsenen toll mitzulesen ist. Am Ende merken Hund und Huhn, dass sie gar keinen Schatz oder coolnamigen Freund brauchen, weil sie sich haben und klammheimlich Freunde geworden waren.

Wenn ich die Illustrationen von Kathrin Schärer angucke, fühlt es sich so an, als würde mein Herz ein flauschiges Fell sein, und die personifizierte Liebe könnte nicht aufhören, mich zu streicheln.

Leider will ich hier nicht mehr von der Geschichte verraten, weil sie für die VorleserInnen eben auch so schön ist. Und außerdem ist sie zum Nacherzählen sehr komplex, aber beim Lesen ist alles so klar und unterhaltsam und mit Überraschungen und schönen Vorahnungen und Anspielungen erzählt, dass ich nur sagen mag: Kauft dieses Buch. Und ich muss jetzt aufhören und alle anderen Bücher von Lorenz Pauli und Kathrin Schärer bestellen, die ich noch nicht habe. Also, die MEINE KINDER noch nicht haben. Ähem.

 

 

Ich danke dem Atlantis Verlag aus der Schweiz für die Rezensionsexemplare und die wundervollen Bücher.

 

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