Verkehrte Welt in richtigrum und umgekehrt.

Ich war früher mal Quotenfrau im Computerraum am Institut für Politikwissenschaft meiner Uni. Gemeinsam mit vier Nerds habe ich im so genannten CIP-Pool gearbeitet, Computerkurse über richtige Internetrecherche gegeben. Wir haben uns gut verstanden und zum Geburtstag haben sie mir ein No Ma’am T-Shirt geschenkt, was total nett und natürlich ironisch gemeint war, weil ich schon damals für feministische Pöbeleien bekannt war.

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Leider habe ich damals noch nicht von Ada Lovelace gehört, sonst hätte ich sie in meine Pöbeleien und Lobpreisungen eingeschlossen. Sie war die erste Programmiererin, und zwar ungefähr 100 Jahre, bevor es überhaupt den ersten Computer gab.

Robinson, Fiona: Ada Lovelace und der erste Computer. Übersetzung: Müller, Carolin, Illustration: Dahl, Shawn. Verlag: Knesebeck (2017). Altersempfehlung: ab 6 J. 12,95 €

 

Tatsächlich wusste ich kaum etwas über Ada Lovelace, und deshalb war das Buch ebenso informativ für mich wie für meinen Sohn. Ebenfalls beim Lesen dabei: mein Mann und meine Tochter (4), die sich im weiteren Text durch qualifizierte Kommentare auszeichnen und zeigen, wie wichtig umfangreiche Bildung ist.

 

Die Geschichte geht so:

Das Buch erzählt ganz linear die Lebensgeschichte Ada Lovelaces. Sie war die Tochter einer „anständigen Dame aus gutem Hause“, Anne Isabella Milbanke und eines Hallodri-Vaters, seines Zeichens Lord Byron, einer der Chefdichter der Romantik. Sein Lebensstil führte dazu, dass Ada einen Monat nach der Geburt von einer alleinerziehenden Mutter großgezogen wurde. Die Mutter wollte auf keinen Fall, dass Ada auch solche Flausen im Kopf wachsen wie ihrem Vater und verbot Lyrik. Zahlen hingegen waren immer erlaubt. Blöd für die Mutter und gut für den Rest war, dass Ada ihre lebhafte Phantasie mit den Zahlen verbunden hatte.

Untersuchungen für das eigens ausgedachte Feld der „Flugologie“ unternahm Ada an einer toten Krähe. Das fand der Große eklig. Die Kleine fand qualifiziert, dass Adas Haare aussehen wie Kackwürste.

Ada bekam die Masern und konnte drei Jahre lang kaum laufen. In dieser Zeit lernte sie sehr viel. Danach, mit sechzehn Jahren, wurde sie in die Gesellschaft eingeführt, und die war ziemlich gut, es gehörten namhafte Erfinder, Mathematikerinnen und auch Charles Dickens dazu. Besonders mit Charles Babbage freundete sie sich an, der Rechenmaschinen gebaut hat und Ada schrieb den Algorithmus dafür.

Ich bin eindeutig ein Buchstabenmensch. Mein Mann auch, der kommentierte diese vorgelesene Seite mit: „Hihihi, Francesco Bernoulli“ (der von Cars).

Ada war die erste, die sich dachte, dass Maschinen mehr können können als rechnen, sondern auch andere Dinge hervorbringen wie Musik, Text oder Bilder. Damals war die Idee sehr durchgeknallt, aber sie hat genau vorausgesehen, was Computer heute können. Leider starb sie früh und leider dauerte es noch 100 Jahre, bis Computer entstanden, wie Ada sich sie vorstellte. Ada gilt als erste Computerprogrammiererin der Welt. Und weil so selten die weibliche Form verwendet wird, könnte gedacht werden, dass es vorher schon männliche gab. Stimmt aber nicht. Sie war der erste Mensch auf der ganzen Welt! So!

Das Fazit meines Sohnes rettet die Familienehre ein bisschen aus der Trivialität, denn er fand traurig, dass Ada so revolutionäre Gedanken hatte, aber ihren Traum nicht in die Tat umsetzen konnte. Dass sie eine Frau war, musste fröhlicherweise gar nicht extra thematisiert werden.

 

Ich danke dem Knesebeck Verlag für das Rezensionsexemplar!

  2 Replies to “Verkehrte Welt in richtigrum und umgekehrt.”

  1. 11.1.2018 at 16:56

    Ich hab damals die Programmiersprache Ada95 gelernt. Ganz schön clever von der Uni, so hat gleich ein ganzer Hörsaal voller Neu-Informatiker von Ada Lovelace gehört 🙂

  2. rike
    11.1.2018 at 19:24

    <3

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