Scheissgute Bücher über Pupsen, Kacken und Co.

Seid ihr eigentlich erwachsen? Damit meine ich nicht das verantwortungsbewusste Erwachsen, das wir Eltern sein können, obwohl wir weiter Hoodies tragen oder auf Konzerten ausflippen, sondern dieses antiquierte Erwachsen, das mit dem Satz „Das macht man aber nicht“ verheiratet ist und das auf die Gegenfrage, warum nicht, grundsätzlich echauffiert „Weil das so ist.“ zurückzischt.

Während ich hoffe, dass ich dieses erste Erwachsen bin, bete ich, dass ich trotz steigender Faltentiefe das zweite Erwachsenstadium niemals erreichen werde. Bis jetzt sieht es gut aus. Ich muss zum Beispiel immer lachen, wenn jemand pupst. Ich finde das Wort Kackwurst lustig. Warum? „Weil das so ist.“ Hihihi.

Und weil ich so ein Fan von Kackwitzen bin, habe ich hier mal ein braunes Potpourri der guten Laune unterhalb der Gürtellinie zusammengestellt. Ich präsentiere deshalb unsere Lieblingsbücher über Pupsen, Kacken und Co.

 

Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat. Von Werner Holzwarth (Text und Idee) und Wolf Erlbruch (Illustration).

Peter Hammer Verlag. 24 Seiten. Ab 2 Jahren. 13,90 €(gebundene Ausgabe)

 

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Auch in der 47. Auflage noch so aufgebracht und entschlossen wie eh und je: der Maulwurf.

Dieses Buch ist ein echter Klassiker. Ich habe es das erste Mal als Studentin gelesen, und das ist sehr, sehr lange her. Meine Mitbewohnerin hatte das Buch und wir haben einen ganzen Abend darüber gelacht, und das lag nur ein bisschen daran, dass wir ziemlich betrunken waren. Es geht um den Maulwurf, dem auf den Kopf gekackt wird, als er aus der Erde kommt. Völlig zu Recht ist er sauer und will rausfinden, wer das war. Aufgebracht macht er sich zu allen möglichen Tieren auf und forscht nach.

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Mit einer Körpersprache wie ein Baustellen-Opi (Opis, die auf Baustellen klugscheissen) macht der Maulwurf auf Detektiv. I love <3

Jedes Tier, das er fragt, sagt, dass es ihm nicht auf den Kopf gemacht hat, und macht dann zum Beweis vor, wie es kackt.

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Die Beschreibung der kackenden Tiere ist nicht weniger perfekt als die Illustration des beleidigten Maulwurf.

Wer nicht wissen will, wer es war, liest jetzt bitte zur Seite. Für alle anderen: Der Maulwurf trifft zwei Fliegen, die die Kackwurst auf seinem Kopf untersuchen und dann petzen, dass es Hans-Heinerich, der Metzgershund war, der ihm auf den Kopf gemacht hat. Es folgt ein Happyend für den Maulwurf in Form einer kleinen Kackwurst, die dem Hundekopf auf den Kopf plingt. Obwohl dieses Buch vermutlich sowieso alle kennen, ist es sehr wichtig, es sich nochmal ins Gedächtnis zu rufen. Denn nicht nur ist die Geschichte lustig, sie sorgt auch dafür, dass einem jede der so vortrefflich beschriebenen Kacken (ist das die Mehrzahl?)  sofort in die Nase steigen. Das ist ein fast wie ein echter Ausflug in die Tierwelt und nein, das ist gar nicht eklig, weil Kacke etwas ganz Natürliches ist. Oder, wie meine TCM-Frau sagte, als ich verschämt kichernd versuchte, ihr auf die Frage nach meinem Stuhlgang zu antworten: ‚Na, eigentlich reden wir nur über Essen.‘

 

So ein Kack ! Das Kinderbuch von eben dem. Von Pernilla Stalfelt.

Moritz Verlag. Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer

32 S., Pappband in Fadenheftung, € 11,80 [D]/12,20 [A], ISBN 978-3-89565-169-4, Ab 4 Jahre

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Ohne, äh, mit Scheiss die meisten Informationen zum Thema Kacke, die ich je gesehen hab.

Dieses Buch ist nicht niedlich. Dieses Buch fasst nichts mit Samthandschuhen an. Es ist thematisch passend kackbraun und nimmt auch sonst kein Blatt Klopapier vor den Mund. Hier wird hinter Vorhänge gekackt, hier tragen durch die Kanalisation schwimmende Kackwürste Badekappen und hier spritzen Menschen mit Kacke voll. Für zartbesaitete, die glauben, sie hätten statt eines Polochs einen nach Vernell duftenden Blümchenaufkleber, ist dieses Buch eher nicht zu empfehlen.

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Pernilla Stalfelt weiss echt Bescheid, was Kacke angeht. An ihren Illustrationsstil musste ich mich ein bisschen gewöhnen, aber in ihre Sprache und ihre Ideen war ich blitzverliebt.

In diesem Buch steht so oft Kacke, dass ich es sogar für noch häufiger Kacke sagende Kinder zur Desensibilisierung empfehlen kann. Der Große hatte eine Phase, in der mindestens jedes Wort Kacke war, und zwar auch in sehr unlustigen und unpassenden Kontexten, so dass es selbst mir als alte Pupswitzbefürworterin zu viel wurde und ich ihm irgendwann dieses Buch gekauft habe. Als wir es zu drei Vierteln durch hatten, fragte er stöhnend, ob wir vielleicht später weiterlesen wollen. Danach hat sich die Kacke in seinem Vokabular verdünnisiert, und wenn sie doch mal auftauchte, musste ich zur Drohung nur freundlich mit diesem Buch winken. Deshalb hat „So ein Kack“ bei uns zwei Funktionen: Wir blättern es durch und gönnen uns lachend kleine Kackportionen oder nutzen es als, sagen wir, pädagogischen Reminder, wenn der Große es kackemäßig übertreibt.

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Nach diesem Buch ist kackemäßig keine Frage mehr offen und so gut wie nichts mehr peinlich (nur manche kacken noch hinterm Vorhang).

 

Pipikack von Stephanie Blake

Moritz Verlag. Aus dem Französischen von Tobias Scheffel. 40 S., Pappband in Fadenheftung

€ 12,95 [D] / € 13,40 [A], ISBN 978 3 89565 257 8, Ab 3 Jahre

 

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Für den ersten Lacher muss nicht mal umgeblättert werden.

Dieses Buch reitet zum Glück auf dem Wort Pipikack rum. Denn das ist, was der lustige Hase Simon immer antwortet, egal, wie die Frage war. Kennen vielleicht ein paar Eltern auch. Hoffentlich, denn ich möchte mich nämlich beim Das-Kennen nicht so gern allein fühlen.

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Kennt jedes Kind: Eltern tausendmal sagen müssen, dass ihre Idee blöd war.

Also, Simon sagt immer Pipikack, leider auch bei der Frage des Wolfes, ob er ihn fressen darf. Das versteht der Wolf als Einladung, frisst Simon und fühlt sich danach so krank, dass der Arzt kommen muss. Wie der Zufall es will, ist der Arzt Simons Vater und weiss natürlich sofort, als der Wolf mit Holzspatel im Mund nicht ‚Aaaaah‘ sagt, sondern ‚Pipikack‘, wer gefressen wurde. Er holt den kleinen Hasen Simon raus, der, wahrscheinlich noch vom Gefressenwordenseinschreck ein paar Mal höfliche Antworten gibt, um sich am Ende doch wieder für eine fäkalere Entgegnung zu entscheiden. Nämlich:

 

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Hihihihihi. Er hat Pups gesagt. Hihihihihihihi.

Die Kleine hat sehr viele Male bei jedem Mal, das der Hase mit Pipikack geantwortet hat, sehr doll gelacht. Immer, immer wieder. Deshalb hat es auch besonders viel Spaß gemacht, es vorzulesen. Als sich die Pipikacke etwas abgenutzt hatte, wollte die Kleine es trotzdem immer noch lesen. Da habe ich mich dann zwar nicht mehr so sehr über ihr Gekicher freuen können, aber über die Illustrationen, die schön klar und einfach und trotzdem sehr süß sind.

 

Stinkheim am Arschberg von Michael Sowa
Verlag Antje Kunstmann, 32 Seiten, ISBN 978-3-88897-795-4, Laut Verlag ab 4, ich würde sagen ab 5)

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Hiesse der Ort noch immer so, wüsste ich, welches Ortsschild am allerhäufigsten geklaut würde!

In dieser Geschichte kommt die Wahrheit vom Luftkurort Blasheim am Hohen Zwilling auf den Tisch. Dieser Ort hiess nämlich früher Stinkheim am Arschberg, und da wird gleich das erste Mal ins kleine Kinderfäustchen gekichert. Hihihi, sie hat Arsch gesagt. Also, in Stinkheim am Arschberg hat es immer ganz furchtbar gestunken, weil, …., nee,  wisst ihr was? Das Buch ist so sehr auch was für die Vorlesenden, dass ich gar nichts verraten will. Es kommt ein Drache vor. Ein König, Knappen und vor allem eine mutige Dorfbevölkerung. Die zieht alle Register und alle Hosen runter (bis auf Pater Aloisius). Am Ende stellen sich alle um den Drachen herum und furzen ihn in die Ohnmacht.

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Die BILD hätte vermutlich geschrieben: ‚Deutsches Dorf setzt Biowaffen ein.‘

An „Stinkheim am Arschberg“ mag ich, dass die Illustrationen und der Satz so oldschool um die Ecke kommen, als handele es sich um eine wahre Geschichte, weil hinter dieser Ecke eben, grandios erzählt, so viel Gefurze und Gestinke wartet.

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Ich wette meinen Arsch drauf, dass Guido Knopp schon an einer investigativen Sondersendung für „History“ sitzt.

Von Guido van Genechten ist auch der kleine weisse Fisch, von dem die Kleine ein Buch heiss und innig geliebt hat, das auch Geburtstag zum Thema hat und es mir jetzt wie Schuppen von den Augen fällt, dass es bei meinen Geburtstagsbüchern fehlt. Scheisse!
Was in diesem Fall eine tiptop-Überleitung ist, denn in seinem Buch „Das große Kackaturnier“ geht es um nichts anderes als Scheiße.
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What the Kack? Konventionelle Illustration trippt auf einer sowas von irrwitzigen Story.

Ehrlich gesagt hätte ich das Buch, wenn ich nicht ausdrücklich nach Büchern zum Thema gesucht hätte, schnell wieder weggelegt, weil die Illustrationen gar nicht meins sind. So aber habe ich es aufgeschlagen und, scheisse noch mal, gelacht, gelacht, gelacht!
Es geht um König Kötel, den es einmal im Jahr im Hintern juckt, woraufhin er tourettemäßig „AA, Pipi, Kacka“ etc. brüllt, seinen Diener den Minister für Innere Kackangelegenheiten holen lässt, und mit ihm erstmal einen abgewandelten ‚Pull my Finger‘-Witz macht: Der Minister muss den königlichen Stab anfassen, und sobald er das tut, furzt der König los. Das ist lustig und das Startsignal für das alljährliche Kackaturnier.
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Vielleicht keine Idee für den nächsten Kindergeburtstag, aber bestimmt eine ausgezeichnete Ideen für ein Buch.

Der Reihe nach präsentieren verschiedene Tiere die Inszenierungen ihrer Kacke. Die Ideen sind super, der Text manchmal sogar noch besser. Ich musste manche Seiten mehrmals vorlesen, weil ich so lachen musste. Klar kann das daran liegen, dass ich in irgendeiner Phase stecken geblieben bin, aber es kann noch viel wahrscheinlicher sein, dass es einfach ein scheissgutes Buch ist.

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Ich wünsche mir ein Date mit dem Kopf von Guido van Genechten. Und eventuell möchte ich dabei nichts essen, vor allem kein „Butterbrot“.

Die anderen Ideen möchte ich hier gar nicht spoilern, weil ich beim ersten Mal so einen Spaß hatte, dass ich keinem Menschen diesen verderben will. Nur so viel: Die anderen Kackpräsentationen reichen von wissenschaftlich über subtil und albern und sind durch die Bank durchgeknallt und wunderbar geschrieben. Echt jetzt, wer lacht, wenn sein Kind pupst und auch sonst gern beim Albernsein gern in die verrückte Strasse abbiegt, macht mit dem großen Kackaturnier alles richtig.

P.S.: So ein Kack! und den Maulwurf hatten wir schon Zuhause, für die anderen Bücher danke ich den superen Verlagen für die Rezensionsexemplare.

  9 Replies to “Scheissgute Bücher über Pupsen, Kacken und Co.”

  1. 27.9.2016 at 15:12

    Ich habe Tränen gelacht! Danke!

  2. rike
    27.9.2016 at 20:37

    bitte. sehr gern <3

  3. 28.9.2016 at 10:10

    Ausser dem Maulwurf haben wir keines davon (wir sind eher so die Pupsbücherspezialisten).
    Aber mich deucht, wir bräuchten die alle! Danke für die coolen Tipps.

  4. rike
    28.9.2016 at 10:13

    Mich deucht das auch 🙂 Und ich brauche noch das Pupsbuch von Berti.

    Hab einen schönen Tag <3

  5. Anja
    28.9.2016 at 17:56

    „Fritz Frosch pupst“ fehlt. Auch sehr schön!

  6. kelle
    29.9.2016 at 12:26

    Kackofant von Fil fehlt noch…..

  7. rike
    29.9.2016 at 17:59

    irgendwie hat mich der kackofant nie so richtig abgeholt, aber nachdem er mir von allen seiten so warm empfohlen wurde, gucke ich ihn mir nochmal an. danke für den tipp!

  8. Barbara
    30.9.2016 at 13:33

    In dieser Reihe sollte der Kackofant nicht fehlen!
    http://www.klett-kinderbuch.de/index.php?id=183

  9. Barbara
    30.9.2016 at 13:34

    Sorry, grad erst gesehen, dass auf den Kackofanten schon hingewiesen wurde.

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