Heavy Leserotation in der Kinderhood

Also gerade fragen meine Kinder am häufigsten nach folgendem:

Erstens: Maaaaaamaaaaaa.

Das bin ich. Ich kann total gut Schleife machen, Legoarme dranmachen, Sachen finden, auf Klo helfen und an fast alles denken.

 

Zweitens: Süssigkeiten.

Wenn für uns Selbstregulierung von TV und Nahrungsaufnahme funktionieren würden, äßen meine Kinder nur noch Schokolade und Gummikirschen. WAS? Kirschen sind doch OBST!!!

 

Drittens: Hier stand ein schönes Buch, aber die Auflagen des Verlages für eine Gratis-Rezension eines Buches, das ich selbst gekauft habe, waren mir etwas zu viel und vor allem so unfröhlich mitgeteilt, dass ich die Rezension wieder gelöscht habe.

 

Viertens: Graciella will ein Einhorn sein. Von Annette Langen und Anne-Kathrin Behl. Nord Süd.

img_8479

So stelle ich mir ein Buch für Einhornfans vor. Und ich habe gleich zwei von der Sorte.

Also: Graciella ist ein Nashorn, das so gern ein Einhorn wäre, aber ihre Mutter will lieber staubsaugen und das Radio laut ganz machen, statt ihr zuzuhören.

img_8480

Die Stöhnwolke, die aus der Mutter kommt, sagt vielleicht: `Oh echt ey, Graciella, lass mich doch mal in Ruhe‘, weil das Einhorn die 563465873645. Sache war, die Graciella heute schon sein wollte, macht aber nichts, weil Graciella eine kleines Revoluzzernashorn ist und kaputt macht, was sie kaputt macht. Vielleicht war auch nur Friska Viljor im Radio.

Graciella findet das voll gemein, dass sie kein Einhorn sein darf. An dieser Stelle streichelt die Kleine (fast 3) jedes Mal die wütende Graciella und sagt: „Graciella, du darfst ein Einhorn sein.“ Graciella scheint das irgendwie nicht mitbekommen zu haben, geht beleidigt nach draußen und malträtiert die Wäscheleine.

img_8482

Allein wegen „ZWOTSCH“ schon ein grandioses Buch. Was für ein super Wort! ZWOTSCH!

Die Wäscheleine gibt irgendwann nach, eines führt zum anderen, zum Beispiel einer pinken, frisch gestrichenen Wand und schwuppdiwupp sieht Graciella tatsächlich aus wie ein Einhorn. Sie trifft auf einen Jäger und macht ihm einen Herzknoten ins Gewehr, kriegt ein bisschen Ärger von der Mutter, ist wieder sauer und riecht schon wieder das nächste Verbot. Klingt sonderbar? Ist es, aber genau das macht das Buch wirklich liebenswert.

img_8483

Da dachte der Jäger, er könnte abends eine saftige Einhornkeule in seine Sauce tunken und jetzt weiss er auch nicht.

Zum Vorlesen ist Graciella etwas schwierig, weil kaum Text da ist und man sich eher die Bilder erzählt. Aber die Kleine liebt dieses Buch. Weil Graciella wütend ist, weil sie ein Einhorn ist, weil der Jäger Angst vor ihr hat und weil auch rosa drin vorkommt. Ich mag es, weil die Illustrationen wirklich süß sind, ohne auf blöden Klischees rumzureiten, weil Graciella so eigenwillig ist, weil ZWOTSCH drinsteht und weil ich so süss finde, wenn die Kleine sich mit Graciella solidarisiert, sobald sie Ärger kriegt.

 

Fünftens: Mag ich! Gar nicht! Von Werner Holzwarth und Theresa Strozyk. Klett Kinderbuch

img_8471

Weil der Große sehr krüsch beim Essen ist, habe ich ihm irgendwann mal dieses Buch mitgebracht. Und dieses Reim- und Magenbilderbuch wird seitdem von ihm genauso geliebt wie von der Kleinen. Die Geschichte ist schnell erzählt: Ein Kind kriegt was zu Essen, was es nicht mag, gibt das deshalb dem Hund und zeigt, was es lieber isst, was dann wiederum ein anderes Kind voll eklig findet und deshalb dem Hund gibt und so weiter. Ergebnis: es wird herrlich viel über Essen gemotzt, alle essen nur, was sie mögen, nur der Hund isst alles und kotzt am Schluss.

img_8472

Jeder Reim auf jeder Seite ist so schön rund, dass das Vorlesen Spaß macht und die Kinder was zu kichern haben, weil so lustig übers Essen gemeckert wird.

Ich mag solche Kettengeschichten, und diese hier bleibt nicht nur auf dem immer gleich hohen (Reim-)Niveau lustig, sondern frühstückt ganz nebenbei noch die Vielfalt ab, als wäre sie ganz normal*. Es gibt Mädchen im Rollstuhl, Jungs mit langen Haaren, dicke und dünne und alle möglichen andere Kinder. Deshalb bin ich übrigens auch so Fan vom Klett Verlag: die praktisieren  Vielfalt einfach statt krampfig rumzupädagogisieren.

img_8474

v.l.n.r.: Waldi in total Shock, weil er doch alles isst, außer Fisch. Waldi, der realisiert, was er vorher schon alles gegessen hat und dem der Geruch der Forelle den Rest gegeben hat. Nicht im Bild: Der hohe Bogen, in dem Waldi alles auskotzt.

 

*Achtung, Gesellschaftskritik.

 

Ich danke den Nord Süd Verlag für das Rezensionsexemplar von Graciella und meinem Beruf dafür, dass ich die anderen Exemplare selber kaufen konnte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.