Können Bücher durch Fragen Antworten geben?

Was soll denn diese blöde Frage? Echt jetzt, ich hab genug zu tun. Der Tag war so lang.

Ich habe Kinder geweckt, ihnen beim Trödeln zugeguckt, gearbeitet und den ganzen Tag Emails bekommen mit Aufträgen, Elternratsprotokollen und Komplimenten für meinen gigantischen Penis. Ich nahm Anrufe entgegen, genau wie Erinnerungen und Pakete für die Nachbarn und mindestens vier Millionen Mal haben meine Ohren „MAMA, MAMA, MAMA, MAMA“ protokolliert. An solchen Tagen habe ich keine Lust, Fragen gestellt zu bekommen, die ich nicht schnalle. Und an den Abenden solcher Tage will ich den Kindern zum Einschlafen auch keine experimentelle Bücher ohne Text vorlesen. Ich möchte einfach Buchstaben vortragen und dabei an einen riesigen Gin Tonic denken können. Bücher ohne Text sind mir an solchen Abenden ein Graus. Denn die Bilder wollen erzählt, eine Handlung gesponnen, Dialoge wollen ausgedacht werden. Dabei wollte der ganze Tag schon so viel. Ein Buch ohne Text ist an solchen Abenden wie experimentelles Tanztheater auf Arte, wenn mir eigentlich nach einer Tierdoku ist, bei der ich nach 20 Minuten von meinem eigenen Schnarchen aufwache.

 

Und jetzt also auch noch ein Buch mit lauter Fragen und keinen Antworten. Vorsichtshalber habe ich es das erste Mal an einem Samstagmorgen mit der Kleinen gelesen. Wäre aber gar nicht nötig gewesen. Weil, Überraschung: IST DIESES BUCH TOLL UND ÜBERHAUPT GAR NICHT ANGSTRENGEND? JA! YEAH! JA!

Stangl, Katrin: Schwimmt Brot in Milch? Verlag: Aladin. Altersempfehlung: von 3-5 J.

Darf ich vorstellen: ein ganz wunderbares Buch. Seine Autorin Katrin Stangl hat bereits mit „Stark wie ein Bär“ diesen holzschnittartigen Stil vorgelegt, bei dem ich ehrlich gesagt keine Ahnung habe, wie er entsteht oder heißt. Aber schön sieht er aus, und er macht es den Augen leicht, die Bilder anzugucken, aber nicht leicht wie schlechte Kohlenhydrate, sondern eher wie Tomaten, bei denen man sich wundert, wie lecker eigentlich Tomaten schmecken können und was das für rote Viecher sind, die einem der Supermarkt immer unterjubeln will. (schlechte Kohlenhydrate=Conni; Tomaten=Bücher ohne viel Text)

A propos jubeln: YEAH! Das Buch!!!

Zu jedem Bild gibt es als Text also nur jeweils eine Frage. Bei jeder Frage habe ich ich erst gefragt: KENNT DIE KATRIN STANGL ETWA MEIN KIND? Weil jede Frage direkt aus unserem Leben kommt, nur viel schöner gestaltet.

Ich habe der Kleinen die Frage vorgelesen und erleichtert festgestellt, dass ich hier gar nicht kreativ ausdenken oder rumspinnen muss. Dieses Buch erwartet gar nichts von mir, sondern von meinem Kind.Ich kann was Schönes beobachten UND an Gin Tonic denken. Ich lese hier nur die Frage vor und gucke dann, was passiert. Die Antworten der Kleinen sind ein sehr weites Feld. Mal liegt ein einfaches Ja drauf und manchmal ein weitere Fragen aufwerfender Wortwust.

Hier ein paar Beispiele:

 

Antwort der Kleinen: „Ja, geht.“ Den Rest konnte ich nicht verstehen, weil sie den Schnuller im Mund hatte. 

Antwort: Nicht so viele, eher kleine Sachen, die schnell wieder hervorgeholt werden sollten. Mit der Verwendung des Verbs „hervorholen“ hat sie übrigens ihr „Fang mich doch, Arschloch“ zur Melodie von „Fang mich doch, Eierloch“ ausgeglichen.

Auch hier gibt es von der Kleinen ein klares, eindeutiges JA. Gleich danach bestimmte sie, dass ich die Babykatze bin und sie die Mamakatze, die ihrem Baby alles sagt. Wirklich alles. Diese Seite hat sehr lange gedauert.

Die Kleine so (fragend): „Äh, ja?“ Sie hatte die Frage nicht verstanden. Wie kann Badewannenwasser, am liebsten aus dem Waschlappen gesaugt, denn bitte NICHT schmecken?

Meinen liebsten Moment hatte ich auf der Seite, die fragte, ob Buntstiftfarben alle gleich schmecken. Und ich freue mich, dass ich, die ca. 3 Fotos von ihrer eigenen Hochzeit hat, ausgerechnet in diesem Moment gefilmt habe. Ok, in menschenfeindlichem Hochkantformat, aber ich habe gefilmt und bei youtube hochgeladen:

 

Fazit: Die Buntstiftfarbe Rockmusik schmeckt nach Kacke und dieses Buch ist sehr super und schön und lustig und die Frage, ob im Bücherschrank noch Platz ist, sollte ein Ja und kein Aber beinhalten.

 

Ich danke dem Aladin-Verlag für das Rezensionsexemplar <3

  2 Replies to “Können Bücher durch Fragen Antworten geben?”

  1. 4.7.2017 at 12:27

    Großartig. Wie sieht denn die Farbe Rockmusik aus? Vielleicht ist sie ja hübscher, als sie schmeckt.
    Wie gut, dass ich noch zwei Kinder unter 5 habe und beide noch Geburtstag haben dieses Jahr. Bücher gehen immer, und das hier gefällt mir sehr!

    Grüße in die Lieblingsstadt

  2. rike
    5.7.2017 at 11:05

    das mit der farbe würde mich auch sehr interessieren.
    liebste grüße aus der gerade-leider-gar-nicht-lieblingsstadt <3

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