*Werbung* von einer, die dort arbeitete, wo andere Urlaub machen.

Jeder Mensch hat ja so Träume. Einer meiner größten Träume ist, etwas von David Bowie zu besitzen. Damit meine ich nicht, dass ich ihn ausgraben und seinen Daumen oder das Auge mit der großen Pupille stehlen will, sondern eher, dass ich gern ein Notizbuch oder einen Schneebesen von ihm hätte. Da aber sowohl seine Alltagsgegenstände als auch seine Kunst unerreichbar für mich sind, komme ich gleich zum nächsten Traum.

Ich möchte am Meer sitzen und schreiben.

Weil ich mir immer so romantisch vorgestellt habe, mit einem ausladenden Hut am Strand zu sitzen und Gedanken und Sätze zu drehen, zu wenden und besonders künstlerisch klingen zu lassen. Dazu weht eine leichte Brise, ich höre David Bowie und trinke Jasmintee.

Leider ist es so, dass ich gar keinen ausladenden Hut besitze, sondern nur eine Mütze mit Hulk drauf. Und Jasmintee mag ich auch nicht. Und neben meinen Texten steht ziemlich oft „Bitte weniger häufig ‚Scheisse‘ schreiben“. Und trotzdem wurde dieser Wunsch Wirklichkeit.

Die Supermenschen der Bretterbude in Heiligenhafen haben mich nämlich eingeladen, drei Nächte bei ihnen zu schlafen und zu frühstücken. Drei Nächte hatte ich die skate-aid-Butze für mich zum Arbeiten. Fun Fact: Das ist das Zimmer, in dem auch Daniela von Siebenkilopaket mit ihrer Familie gewohnt hat.

Mit Blick aufs Meer ein Buch schreiben ist wie im Schlafanzug zur Arbeit gehen. In der Bretterbude bedeutet das sogar, IM Schlafanzug mit Meerblick ein Buch fertig zu schreiben.

 

Die Treppe (auf deren dritten Stufe jugendskatekulturmäßig Ohropax und Schilddrüsentabletten liegen), geht hoch zum obergemütlichen Doppelbett. Weil ich es der Kleinen beim Facetimen gezeigt habe, erhalte ich seit meiner Rückkehr jeden Morgen folgenden Fragebefehl: „Mama! Gehen wir heute auf Reisen?“

Weil diese Butze aus geografischen Gründen nicht ohne Meerblick buchbar ist, hat man auch von der Sitzecke eine gute Sicht auf die Ostsee. Nicht im Bild: die Halfpipe, die dem Zimmer nochmal extra Schwung gibt. Manchmal habe ich mir, wenn die Beine steif vom Sitzen waren, vorgestellt, wie andere auf ihr fahren.

Das Zimmer besteht also aus Sitzecke, Schlafebene, Badezimmer mit Dusche und Tisch mit 4 Hockern. An diesem Tisch konnte ich absolut ungestört sitzen und arbeiten. Erstens, weil ich die anderen Gäste kaum gehört habe und zweitens, weil nicht andauernd jemand angeklopft und gefragt hat, wann denn endlich das Zimmer geputzt werden kann. Das wird nämlich nicht passieren, außer, man bucht es für 6,90€ pro Reinigung extra dazu. Eine super Idee, weil ich finde, nach ein bis zwei Tagen müssen weder neue Handtücher noch feuchte Feudelei sein. Außerdem lege ich mich sehr gern nach dem Frühstück noch mal hin, das geht auch entspannter, wenn man nicht immer lauscht, ob der Putzwagen schon näher kommt. Wer selber fegen will: Auf den Fluren stehen Kisten, in denen sich alle Utensilien zum DIY-Saubermachen befinden.

Das Dazubuch-Prinzip gilt auch für andere Bereiche, zum Beispiel für die Sauna. 5€ pro Tag für Sauna und Dampfbad sowie 2€ für Handtuch bzw. 2,50€ für einen Bademantel finde ich voll ok.

Mein Outdoor-Office mit Ostsee-Panorama-Tapete.

So sieht der Wellnessbereich aus. Sehr gut: Auf geschwungene, beheizte Sitzbänke aus Mosaikkacheln, yogische Schlaumeiersprüche und Instant-Vogelgezwitscher wurde verzichtet. Einfach nur saunieren (1. Tür links), dampfbaden (zweite Tür links), drinnen rumliegen (dritte Tür links), draußen rumliegen (geradeaus) oder im Sand im Liegestuhl rumhängen (letzte Tür rechts). So geht ehrliche Wellness!

Beim Arbeiten so aussehen, als würde ich da Urlaub machen, wo andere Urlaub machen.

Ich habe mir tatsächlich mehrmals täglich in Fäustchen gelacht, dass ich für meinen Buchendspurt am Meer sein konnte. Ehrlich gesagt, wusste ich schon vor meiner Ankunft, dass ich die Bretterbude mögen würde, weil ich schon mal hier war. Aber womit ich nicht gerechnet hatte, war, dass die guten Vibes alles noch besser machen würden. Gleich der erste Mensch, den ich an der Flixbushaltestelle nach dem Weg fragte, brachte mich bis vor die Tür meines Hotels. Und die Leute, die dort arbeiteten, waren alle so nett und lustig und das freundliche Gegenteil von aufgesetzt, dass ich sie nicht als Personal beschreiben könnte, weil sich das falsch und eben zu aufgesetzt anfühlt. Alle entspannt und fröhlich!

Zum Beispiel hier: Beim Frühstück sass eine Familie mit einem Kind, dass etwas klein und sehr kreischig war. Und keiner der Gäste verzog eine Miene, höchstens um zu lächeln. Nach dem Höhepunkt der Kreischerei ging der Kellner zur Familie, tippte das Kind fröhlich in den Bauch und fragte: „Na, geht ihr jetzt an den Strand?“ Es ist genau diese Normalität, die leider nicht normal ist.

Und diese Entspanntheit scheint entweder gleich die richtigen Leute anzuziehen oder gut auf die Gäste anzufärben. Ich stand am letzten Abend mit einem Bier und einer Zigarette draußen und folgte zuerst nur semigespannt dem Vortrag eines älteren Herren über Wärmelampen. Aber als er danach seine selbstgeschriebene Kurzgeschichte inhaltserzählte, die  nicht nur eine spannende Handlung hatte, sondern auch noch plietsch konstruiert war, habe ich mich genauso über das überraschende Ende gefreut wie er. Ich liebe diese Momente, in denen ich Menschen treffe und merke, dass ich sie falsch eingeschätzt habe und sie überraschend und nachdenklich und warmherzig sind. Ich habe mich jetzt nicht creepy an jeden Tisch gesetzt, aber die, mit denen ich sprach und die, die ich beobachtete, wirkten wie wirklich nette, fröhliche Leute.

Auch auf der Seebrücke happy People all over the Place. Ohne Scheiss: Alle Paare, die von der Brücke kamen, hielten sich an den Händen fest. Und das nur aus 0,5 % Angst, dass einer wegweht, sondern hauptsächlich aus Liebe <3

Fazit: Es waren Supertage, und ich bin tatsächlich gar nicht traurig, dass ich arbeiten musste und nicht ein einziges Mal am Meer war oder irgendetwas Touristisches gemacht habe. Weil ich mir das Muscheln suchen und Fahrrad mieten und Crazy Minigolf spielen aufgespart habe für Anfang Juli. Wenn nämlich in Hamburg der G20-Wahnsinn ein langes Gesicht macht, verbringen der Mann, die Kinder und ich (dann wieder als sehr gern zahlende Gäste) nämlich ein Wochenende in Fröhlichkeit in Heiligenhafen. Ich freu mich schon sehr.

Das hier ist übrigens der weiche Bretterbudenhund Emil. Hier habe ich ihm gerade meinen Lieblingswitz erzählt.

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