Wolkenbrot kriegen wir nicht gebacken.

Wir haben wieder mal Wolkenbrot gelesen. Das ist das großartige Buch, in dem zwei Katzen im Regen rausgehen, ein Stück Wolke finden und mit nach Hause nehmen. Die Mutter der Katzen backt Brötchen draus. Alle essen sie und können fliegen. Ein tolles Buch. Als wir fertig waren, fragte sie mich:

„Mama, können wir auch mal Wolkenbrötchen backen?“

„Klar. Ich kann morgen die Zutaten besorgen und dann machen wir das morgen Nachmittag.“

An den strahlenden Augen der Kleinen merkte ich, dass ich vielleicht noch etwas klarstellen sollte.

„Mäusi, wenn wir die Brötchen backen und essen, dann können wir leider nicht in echt schweben. Aber wir können es spielen.“

Die Kleine so:

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Am nächsten Tag suchte ich also vormittags auf chefkoch.de nach einem Rezept von Brötchen, die so aussehen wie die im Buch. Ich wurde fündig, besorgte die Zutaten und holte die Kleine von der Kita ab. Dann begann das Backen. Also für mich. Die Kleine piekste einmal mit dem Zeigefinger in den Teig und wollte dann lieber Feuerwehrmann Sam hören. Dafür verzog sie sich in ihr Zimmer, machte die Tür zu und war weg.

Wenn ich ein Kind wäre, würde ich backen auch arschcool finde, dachte ich, während ich allein in der Küche stand und mindestens 10 Minuten den Teig kneten musste. Einmal kurz in der Küche vorbeischneien, bisschen Milch wo reinschütten, abhauen, und tataaa, wenig später stehen da fertige Backprodukt.

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Während der Teig eine Stunde lang größer werden sollte, räumte ich ein bisschen auf und guckte irgendwann nach der Kleinen. Vielleicht könnte ich sie doch noch zum Mitmachen bewegen. Sie lag allerdings in ihrem Bett und schlief. Wieso kann sie alleine einschlafen? Außerdem: Es war nach 17:00. SIE SCHLIEF NACH 17:00!!!! Ich weckte sie etwas hektisch und fragte sie, ob sie nicht mit mir die Wolkenbrötchen formen möchte.

Sie wollte für ungefähr 8 Sekunden. Dann verzog sie sich wieder in ihr Zimmer. Während ich 16 gleich große Brötchenklumpen abwog, zu runden Brötchen formte, rief ich ständig ein wenig panisch irgendwas in Richtung Kinderzimmer, damit sie bloss nicht auf die Idee kam, wieder einzuschlafen. Wieder dachte ich, dass ich, wäre ich ein Kind, Backen auch richtig super finden würde. Diesen Gedanken multiplizierte ich mit irgendeiner unendlichen Zahl, als die Brötchen fast fertig waren. Da kam die Kleine nämlich plötzlich angelaufen und – kein Scheiss – sie bat mich, ein Foto von ihr neben den Brötchen zu machen.

Nicht mithelfen, aber auf dem Foto so tun, als hätte sie die Brötchen in der Savanne gejagt und mit bloßen Händen erlegt. Eventuell wird sie später männlicher Vorgesetzter.

Ein paar der fertigen Brötchen brachten wir dann dem Kioskbesitzer unter uns, um uns für die zwei Zentner Süßigkeiten zu revanchieren, die er meinen Kindern pro Woche schenkt. Als Dankeschön bekam sie ein Überraschungsei. Wir gingen wieder hoch, um die Brötchen zu essen. Die Kleine hapste einmal hinein, biss etwa 0,0004 g aus dem Brötchen heraus – und entschied sich dann für das Überraschungsei.

Abends, als ich die Kleine ins Bett brachte, dank ihres Nickerchens viel später als sonst, lasen wir wieder Wolkenbrot. Als ich das Buch zuklappte, dachte sie ein bisschen nach, dann guckte sie mich an, als hätte sie eine Eingebung gehabt, die den ganzen Tag erklären und auch, warum ich Kinder immer super finde, auch wenn sie mich mit Hefeteig allein lassen oder viel zu spät ins Bett gehen:

„Wir haben vergessen, die Wolke reinzutun.“

  One Reply to “Wolkenbrot kriegen wir nicht gebacken.”

  1. 16.5.2017 at 21:00

    Wunderbar! Wir lieben dieses Buch auch sehr. … wenn ich mich nur daran erinnern könnte, was Ma. dazu Schlaues sagte… ich denke weiter darüber nach.

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