Linksammlung für die Frankfurter Rundschau.

Am 7.3.2017 erschien in der Frankfurter Rundschau ein Artikel, der sich über bloggende Mütter beschwert, aber entweder aus Zeitmangel oder aus beabsichtigter Aufdemaugeblindheit eben etwas kritisiert, was sehr wohl da ist: politisch engagierte Eltern. Wie eine Löwenmutter, nur ausnahmsweise mal für meine bloggenden KollegInnen statt für meine Kinder, hackte ich eine Mail an die Autorin des Artikels. Der ging fast so (ich habe noch ein paar Rechtschreibschwurbler rausgenommen, Links dazugepackt und Formulierungen glattgezogen):

„Hallo Frau Lemhöfer,

mein Name ist Rike Drust, und ich bin eine dieser Töchter der frauenbewegten Babyboomer, die sich in der Rolle der kreativen Hausfrau verwirklicht. Das ist allerdings nur Ihre Meinung. Denn meine Mutter war weder in der Frauenbewegung aktiv noch bin ich Hausfrau. Ich arbeite als freiberufliche Werbetexterin, habe gerade mein drittes Buch geschrieben, blogge über mein Leben als Mutter von zwei Kindern, mit denen ich mir gern das Leben schön mache. Das können dann die Leute sehen, und auf meinen Social Media-Accounts gibt es dann auch Traumfänger aus Bügelperlen. Wenn man jedoch ein bisschen weiter guckt, zum Beispiel auf meinem, aber noch viel mehr auf den Blogs anderer Eltern, dann findet sich dort, neben Hochglanz und Bullerbü, so viel Politisches, das glauben Sie gar nicht.

Eigentlich möchte ich jetzt nicht Ihre Arbeit machen, aber da es sich sehr lohnt, bei vielen dieser Eltern nachzulesen, möchte ich Sie dann doch noch darauf hinweisen:

Blogprinzessin, zum Beispiel, mag basteln und betreut Ihre Kinder Zuhause, aber sie darauf zu reduzieren, wäre sehr schade, denn sie schreibt auch sehr aufgebracht über Kitabetreuungszeiten und Klischees.

Die Stadt-Land-Mamas sind beide ausgezeichnete Journalistinnen, die für renommierte Magazine schreiben UND tolle Mütter für ihre insgesamt sechs Kinder sind.

Und dann gibt es noch so viele Bloggerinnen, die Sie nicht erwähnt haben:

Christine Finke aka Mama arbeitet, steht in direktem Austausch mit Frau Schwesig und setzt sich alleinerziehend für Alleinerziehende ein, während sie sich mit trollenden Maskulinsten rumschlägt.

Nina Straßner aka juramama ist Rechtsanwältin und hat gerade ein wichtiges UND lustiges Buch geschrieben.

Unzählige Blogs setzen sich ein für die Situation von Hebammen (z.B. Von guten Eltern, Hebammenblog) UND haben ein schönes Wohnzimmer, gründen mit teurem Make-up einen Verein für Flüchtlingshilfe (Lucie Marshall), mögen Instagramfilter UND ermöglichen vielen Kindern den Zugang zu Büchern (Librileo), sammeln oder nutzen ihre Reichweite, um Spenden zu sammeln oder Bewusstsein zu schaffen für Themen jenseits von Bullerbü, zum Beispiel Inklusion oder Alleinerziehende. Es gibt Regenbogenfamilien, Transsexuelle (<3), Vegetarier- bzw. VeganerInnen, FeministInnen (glücklich scheitern, umstandslos, OrganisatorInnen von vielen verschiedenen Kongressen und Bloggertreffen. Viele. Viele. Viele.

Ich würde Ihnen gern alle aufschreiben, die mir in den letzten Jahren so viel mehr gezeigt haben als ihre Obstmandalas.

Ich habe viel von ihnen gelernt und bin froh zu wissen, dass sie nicht so sind, wie Sie sie dargestellt haben. Und ich würde mich freuen, wenn Sie sich die Mühe machen, doch noch einmal genauer nachzulesen. Es lohnt sich.

Viele Grüße,

Rike Drust

  26 Replies to “Linksammlung für die Frankfurter Rundschau.”

  1. 24.4.2017 at 17:55

    Liebe Rike,

    Ich knutsch Dich und deine Traumfänger sind der Wahnsinn… die mach ich auch…
    Viele Grüße
    Dani

  2. rike
    24.4.2017 at 18:01

    Die Traumfänger will ich dann aber an einem geputzten Fenster sehen!
    Und wehe, du schreibst noch mal was über Jobsuche als Mutter oder PMS!
    <3

  3. 24.4.2017 at 18:02

    Wunderbar!!!
    Mehr gibt es icht zu sagen.
    Außer: Journalisten/innen, die nicht recherchieren. Die nicht!

    Danke!

  4. rike
    24.4.2017 at 18:29

    bitte <3

  5. 24.4.2017 at 21:30

    Toller Kommentar! ❤ Weiter so, den der Artikel in der FR ist so unter aller Kanone!

  6. 24.4.2017 at 21:57

    Was ist denn falsch an Obstmandalas?
    Tstststs. Ich geh mir jetzt mal einen großen Latte Macchiato machen, gleich wenn ich mir meine Nägel lackiert habe.
    Und dann versteck ich mich wieder auf meinem völlig unpolitischen Blog.
    Liebst, Verena

  7. 24.4.2017 at 22:43

    Wunderbarer Artikel! So ist es! Oder wie man als Blogger sagt: WORD. 😀

  8. 25.4.2017 at 09:39

    Vielen Dank, liebe Rike!
    Ich lese hier eher still mit, schreib an mich aber ein Memo, hier mehr zu kommentieren! Ich bin auch eine dieser politisch engagierten Schreiberinnen – für Obstmandalas und Bügelperlen kann ich mich privat leider nicht so begeistern, freue mich aber, wenn auch diese wichtige Aufgabe abgedeckt wird.
    Viele Grüße,
    Isabel

  9. Katrina
    25.4.2017 at 09:56

    Hallo, klasse Text! Seit ich Blogs lese, bin ich komplett von Hochglanz-Printmagazinen weg. Es gibt so viele tolle, die Impulse und Anregungen geben, Einblicke gewähren und sehr viele Bloggerinnen, die wirklich auch ganz super schreiben.
    Aber – es gibt auch sehr viele andere. Klar, muss man nicht lesen. Man muss auch nicht die BILD-Zeitung lesen. Oder die Frankfurter Rundschau. Aber man darf sie kritisieren. So, wie man auch ein Buch, einen Film oder ein Theaterstück kritisieren darf, ohne sich anhören zu müssen „hätteste ja nicht lesen, sehen oder hingehen müssen“.

    Ich störe mich sehr an Blogs, die ihren LeserInnen vermitteln, dass das Leben mit kleinen Kindern ein wunderschöner, pastellfarbiger Spaziergang ist, in dem harmonisch gemalt und gebastelt wird, die Kinder in ihren herrlichen Design-Zimmern glücklich spielen und die Mütter ihre Texte im Café schreiben können oder harmonisch zu Hause, während die Kinder friedlich im Garten tollen. Hier entsteht eine Familien-Idylle, die nicht real ist und mich an Spielfilme aus den 1950er Jahren oder an Bilderbücher aus eben dieser Zeit erinnert.
    Als Anfang der 1970er Jahre erstmals kritische Kinderbücher auf den Markt kamen, in denen das Leben der Kinder nicht nur ein fröhliches war, war das für viele Menschen wie eine Befreiung. Viele der Eltern-Blogs lese ich als ein Roll-back in diese Zeit. Man kann das schön finden. Aber man kann es auch kritisieren. Sollte aber natürlich – wie doch eigentlich immer als seriöse Journalistin – auch die Gegenseite aufzeigen.

  10. 25.4.2017 at 11:17

    Danke. So geht Mamabloggen! <3

  11. 25.4.2017 at 13:39

    Ich finde schon auch, dass viel weichgezeichnet wird auf Instagram. Aber ich zähle mich als Youtuberin auch zu den „Blogerinnen“ und finde mich sehr politisch 🙂
    Z.B. zum Thema Familienpolitik haben wir viel zu sagen: https://youtu.be/Zs9JTmLgsL0

  12. leitmedium
    25.4.2017 at 20:56

    Don’t fuck around mit meine Obstmandalas!

  13. rike
    25.4.2017 at 21:17

    Da ich kürzlich höchstselbst aus einem Abendbrotstulle sowie Gemüse ein Chamäleon gemacht habe, würde ich mich bei einem Obstmandala-Diss sehr weit aus dem Fenster lehnen. Außerdem mag ich Obstmandalas. Ich mag nur nicht, wenn Leute eines sehen und denken: „Aha! Obstmandalas! Leute, die sowas machen, sind ja überhaupt gar nicht politisch.“

  14. 26.4.2017 at 16:17

    yeah! wir brauchen defintiv mehr solcher zusammenrottungen von blogs, die das private ins politische ziehen. ich arbeite gerade an einer ähnlichen linksammlung zum thema handarbeit ist politisch. das mütterthema ist nicht meines, aber ich feiere das trotzdem ab, was da teilweise auf die beine gestellt wird.
    liebe grüße,
    jule*

  15. rike
    27.4.2017 at 10:33

    Yeah Jule! Danke für deinen Kommentar und deiner Feierei. Sag mal unbedingt Bescheid, wenn die Linksammlung fertig ist, das interessiert mich nämlich sehr. Liebe Grüße zurück, Rike

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