Kinderlieder arschsuper aufgepöbelt!

Werner Holzwarth hat viele Bücher geschrieben. Den Klassiker „Der Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“, zum Beispiel. Oder unser All-Time-Favourite-Buch „Mag ich! Gar nicht!“

Als ich in Stuttgart gelesen habe, wollte Werner Holzwarth eigentlich kommen. Ich habe davon aufgeregt dem Mann berichtet, weshalb die Kleine (3) ihn anscheinend unter „Sehr wichtige Person mit Strahl- und Zauberkraft“ verbucht, denn seitdem fragt sie fast immer, wenn wir einen Ausflug oder eine Verabredung ankündigen: „Kommt Werner Holzwarth auch?“ Hihihihihi.

Warum die Kleine aber nun wirklich immer nach ihm fragt, habe ich letzte Woche verstanden. Es ist eine Mischung aus sehr wenig „Mama scheint den cool zu finden“ und sehr sehr viel „Mama hat gesagt, der hat sich dieses Buch ausgedacht, in dem Arschballon und Pupsen vorkommt“.

 

Holzwarth, Werner,L’Arronge, Lilli (Illustration): ABC – Im Klo stand mal ein Reh. Altes Liedgut frisch aufgepöbelt. Mit Audio-CD. Klett Kinderbuch Verlag. Ab 4 (ab drei geht auch)

Aufpöbeln ist das Wort, das alle brüllen sollten, wenn von Aufhübschen, Aufpolieren und anderem Perfektionsquatsch die Rede ist!

Ich fasse mich kurz, denn sonst wird über mich noch ein Lied gemacht, das eventuell „Erklärbärmutti“ oder „Mein Mittel- für deinen Zeigefinger“ heissen würde.

Im Buch befinden sich 39 uns allen bekannte Lieder. Das sind nicht unbedingt die, die man freiwillig unter der Dusche singt, sondern die, die die Großmütter mit ihrer schrillen Kirchenchorstimme gesungen haben. Volkslieder zum Beispiel. Werner Holzwarth hat diese Lieder durch eine Zaubertür geschickt, die direkt durch das Witz- und Frechzentrum normaler Kinder führte. Manche Lieder hat er so gelassen, weil sie eh schon umgedichtet waren, davon kenne ich sogar eins noch von meinen Klassenfahrten (Von den blauen Bergen). Manchen hat er Texte verpasst, die sich gewaschen haben. Oder eben auch nicht. Sie sind sackfrech und lustig und es kommen viele Pupse und sprechende Kackwürste drin vor.

Rhetorische Frage: Was ruft meine Kleine aus dem Klo, seit wir dieses Buch haben?

Rhetorische Frage: Was werden die Kinder am nächsten Weihnachtsfest der Verwandtschaft vorsingen?

Rhetorische Frage: Was pöbelt meine Kleine, wenn jemand die ursprüngliche Version singt? Rhetorische Frage 2: Hätte diese Version in Limburg auch für einen Shitstorm gesorgt?

Rhetorische Frage 1: Was wollte die Kleine im Österreich-Urlaub in dem Laden, der Dingdangdong-Glocken hatte, immer, immer wieder singen (inkl. laut bimmeln)? Rhetorische Frage 2: Was singt die Kleine immer, sobald wir an einer Kasse anstehen und mehr als zwei Menschen vor uns sind?

 

Mit dem Buch und der CD zieht sich die Kleine regelmäßig in ihr Zimmer zurück. Sie setzt sich hin, macht die CD an und blättert hoch konzentriert im Buch, während sie, ebenso konzentriert, zuhört. Und wie sie da so still sitzt, strahlt aus jeder ihrer Poren die Faszination für Schimpfworte und all die Dinge, die eigentlich ja nicht gehen oder nicht gesagt werden. Manchmal sieht sie auch aus, als würde sie sich gerade ausmalen, wie Werner Holzwarth mit einem Luftballon in Arschform und einer Riesentüte Gummikirschen vor der Tür steht.

Ja, sie singt seit diesem Buch viele Wörter, bei denen Rentner an Supermarktkassen die Nase rümpfen. Aber bei den Rümpfern reicht zum Rümpfen meistens ja eh schon die blanke Anwesenheit von Kindern. Und außerdem sagt sie diese Wörter nicht. Sie singt sie. Und das ist ein sehr großer, sehr guter Unterschied, finde ich. Gesungen klingen sie frech-fröhlich und nicht frech-blöde. Wir haben deshalb den Deal, dass die Kinder die Wörter singen dürfen, aber lieber nicht einfach so sagen. Und, tadaaaa, es funktioniert. Fazit: Die ganze Familie hat also Spaß mit aus dem Klo rufender Kacka, Pfeil schießenden Kindern und vollgekriggelten Wohnungen. Und sie hätte wirklich, wirklich gern Luftballons in Arschform.

 

Ich danke dem Klett Kinderbuch Verlag dafür, dass er auf „das macht man nicht“ kackt und daraus auch noch Lieder macht. Und für das Rezensionsexemplar.

  2 Replies to “Kinderlieder arschsuper aufgepöbelt!”

  1. Werner
    8.4.2017 at 12:39

    Nach solchen Rezensionen juckt es einen in den Fingern, sich hinzusetzen
    und gleich weiter zu schreiben 🙂

  2. rike
    10.4.2017 at 10:31

    Ich bitte darum!

    🙂

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