Familienbetrieb wird mich eventuell wegen Stalking anzeigen.

Der Titel dieses Artikels klingt wie ein Lied von Tocotronic, ist aber am Ende eine ernsthafte Befürchtung. Ich soll nämlich über das Buch von jemandem schreiben, der mich im Vorfeld als volltätowierter Jesper Juul mit Brüsten bezeichnet hat. Da ist natürlich sofort klar, dass Christian, aus seriösen Gründen im Folgenden der Autor genannt, genau meinen Humor trifft.

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Christian Hanne möchte diese eine berühmte Backfrau mit Bart und Penis sein, aber er wäre auch ein guter Schlachter, denn er ist gleichzeitig der Mann fürs Feine und fürs Grobe.

Den Autoren, den ich schon lange im Internet verfolge und seine Familientweets jeden Freitag liebe und teile, habe ich nur einmal kurz gesprochen. Wir haben über Käsekuchen geredet, wenn ich mich recht erinnere und das ist nicht wirklich erstaunlich. Erstaunlich ist, dass er genauso war, wie ich ihn mir vorgestellt hatte.

Christian Hanne wirkt still, also wirklich wie das Gegenteil von laut, und gleichzeitig ist er das Gegenteil von langweilig. Er steht da und hört zu und plötzlich kommt, völlig unaufgeregt, ein Kommentar oder ein Witz heraus, mit dem niemand so gerechnet hat, weil die Worte so gewählt klingen, aber doch so schnell da waren und in einer so scheisswitzigen Kombination, dass ich immer weiter stehen bleiben will, um heimlich zu lauschen, was der Autor noch so raushaut.

Und wenn ich jetzt lausche durch lese tausche, habe ich nicht nur einen Reim, sondern auch gleich die Beschreibung für das neue Buch von Christian Hanne, das „Wenn’s ein Junge wird, nennen wir ihn Judith.“ heisst. Auch hier nämlich: Die Sprache ist immer sehr bedacht gewählt und der Humor immer herrlich grob. Der Autor schafft es tatsächlich, die ausschweifende, lärmbelästigende Rumfickerei zweier Nachbarn so zu beschreiben, dass das schlimmste Wort „Patsch“ ist, die Szene aber trotzdem und deshalb so explizit und lustig ist, dass ich sie kichernd dem Mann vorlese. Und auch sonst gibt es für alle beteiligten Personen auf so charmante Weise Breitseite, dass ich meinen sehr kostbaren Nachtschlaf opfere, damit ich lesen kann, was ihm und seiner Freundin zum Beispiel bei den Esoterikmenschen in der Geburtsvorbereitung passiert, bei der Geburt, beim Babyartikeleinkauf und bei diesem ganzen Kram, den man als Eltern so kennt, aber eben ohne den Autoren bei sich, dessen trockenen, halbbösen Kommentare das Aushalten dieser Situationen eindeutig erleichtern würden. 

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Wenn Sie irgendwo diesen Mann sehen, verhalten Sie sich bitte still. Sie wollen doch sicher nichts Lustiges verpassen.

Aus all diesen Gründen werde ich jetzt eventuell den Autoren und seine Familie stalken und auf Elternabenden, Familienausflügen, gemeinsamen Mahlzeiten und so weiter mit Brille-Nase-Bart in seiner Nähe stehen und über seine Bemerkungen in meinen Bart lachen, bis andere die Polizei rufen, weil dieser volltätowierte Jesper Juul mit Brüsten wirklich unheimlich aussieht, wie er da rumsteht und kichert.

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